Mit Geschichten, Meinungen und Emotionen zum 1. FC Köln hat Ewald Lienen das Publikum im voll besetzten Gloria-Theater unterhalten.
Ex-FC-Trainer im Kölner GloriaEwald Lienen spricht offen über FC-Krise, Kwasniok und El Mala

Ewald Lienen (Mitte) mit Musiker Helmut Krumminga und Sportjournalist Michael Born (r.) am Montagabend, 2. März 2026, im ausverkauften Kölner Gloria.
Copyright: Uwe Bödeker
Ewald Lienen hat am Abend des 2. März 2026 mehr als 400 Gäste im voll besetzten Gloria-Theater in Köln unterhalten. Der 72-Jährige redete während seiner Show „Fußball und wie das Leben so spielt“ ohne Skript und brachte das Publikum mit seinen Geschichten oft zum Lachen.
Der Sportjournalist Michael Born war ebenfalls auf der Bühne und bemühte sich, der Unterhaltung eine gewisse Ordnung zu geben. Der Trainer nannte die Veranstaltung ein „Heimspiel“, eine Anspielung auf den Aufstieg, den er 2000 mit dem 1. FC Köln erreichte.
Zu sozialen Fragen äußerte er sich ebenso offen wie sportlochen, übte etwa heftige Kritik an Elon Musk. Lienen führte aus: „Elon Musk ist ein Arschloch, er hat gesagt, dass die größte Schwäche unserer Gesellschaft die Empathie sei.“ Er ergänzte: „Nein, denn die Empathie ist die Grundlage von unserer Menschlichkeit.“ Das Publikum reagierte darauf mit großem Beifall.
Ewal Lienen über Kwasniok: „Menschen machen Fehler“
Lienen forderte einen solchen menschlichen Umgang ebenfalls für Fußballtrainer. Er verdeutlichte seine Position anhand des Kölner Trainers Lukas Kwasnok, der nach dem 0:2 gegen den FC Augsburg online beleidigt worden war.
Lienen sagte dazu: „Menschen machen Fehler, ich habe auch ein, zwei gemacht. Aber es gibt keine Begründung, jemanden lächerlich zu machen.“ Seiner Meinung nach mangelt es in diesem Geschäft häufig an dem erforderlichen Respekt.
Lienen sprach auch grundlegend über die sportliche Misere und die Abstiegsgefahr beim 1. FC Köln. Dabei beanstandete er den übertriebenen Fokus auf den Sieg. Er meinte: „Wir sind auf dem Trip: (...) Im Fußball muss ich gewinnen. Ja, man bleibt natürlich gerne in der Bundesliga. Aber das alles so hochzuhängen, ist nicht gut.“ Zudem fügte er hinzu: „Diese Kultur nervt mich extrem.“
Für ihn bedeute Erfolg mehr als bloße Siege. Ein Team, das körperlich in Form und fair ist und zudem ansehnlich spielt, habe schon einen hohen Stellenwert. Auf die übliche Entgegnung „Ja, die haben gut gespielt. Aber sie haben verloren“ antwortete er mit: „Ja, leck mir doch die Socke! Irgendeiner verliert eben, das ist immer so.“ Nach Jahren mit schwankenden Leistungen seien Pleiten beim FC nicht verwunderlich und hingen auch mit der finanziellen Lage sowie der Beständigkeit im Management zusammen.
Ewald Lienen will sich an Debatte um El-Mala-Einsätze nicht beteiligen
Lienen reagierte zurückhaltend auf Michael Borns Frage, ob er Said El Mala, das Talent aus Köln, öfter von Beginn an spielen lassen würde. Er erläuterte, dass er sich als früherer Spieler und Coach zwar eine Meinung bilden könne, dies aber nur möglich sei, wenn er den jungen Mann jeden Tag beim Training beobachten würde. Eine Bewertung aus der Distanz kam für ihn nicht infrage: „Aber vom Fernsehen aus zu sagen: ‚Wieso stellt der den denn nicht auf?‘“ Die Zuschauer spendeten dafür kräftigen Applaus.
El Mala wurde von Lienen als „toller Spieler“ bezeichnet, der sich jedoch noch in die Teamstruktur integrieren müsse. Es sei nötig, dass er lernt, mannschaftsdienlich zu agieren und seine Defensivarbeit zu verbessern. Er sollte seine Dribbelkünste nicht in Zonen ohne Torgefahr zeigen. Zugleich betonte Lienen die speziellen Stärken des Fußballers: „Er kann den Unterschied machen, weil er super schnell ist und an den Leuten vorbeikommt und eine überragende Schusstechnik hat.“
In seiner aktiven Zeit bestritt Lienen 333 Spiele und schoss dabei 49 Tore für Vereine wie Borussia Mönchengladbach, Arminia Bielefeld und den MSV Duisburg. Als Trainer war er für Clubs wie den MSV Duisburg, Hansa Rostock, den 1. FC Köln, Panionios Athen sowie den FC St. Pauli tätig. (red)


