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1. FC Köln nach BayernLukas Kwasniok verordnet Frohsinn

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Trainer Lukas Kwasniok sah am Mittwochabend einen beherzten Auftritt seines 1. FC Köln.

Trainer Lukas Kwasniok sah am Mittwochabend einen beherzten Auftritt seines 1. FC Köln. 

Nach dem achtbaren 1:3 gegen den FC Bayern richtet Lukas Kwasniok die Aufmerksamkeit auf das wichtige Heimspiel am Samstag gegen Mainz – und sucht den Schulterschluss mit Spielern und Fans

Jakub Kaminski war unzufrieden, wie konnte es anders sein Der 23-Jährige ist Profifußballer, und als solcher hatte er mit dem 1. FC Köln gerade ein Spiel gegen den FC Bayern verloren. 1:3 (1:1) lautete das Resultat eines interessanten Fußballabends in Müngersdorf, an dem die Kölner durch Linton Maina in Führung gegangen waren und trotz Gnabrys zeitigem Ausgleich per Zaubertor bis tief in die zweite Hälfte auf einen Punkt hatten hoffen dürfen.

Min-Jae Kim (71.) und Lennart Karl (84.) hatten die Partie für die Bayern auf Sieg gestellt, Kaminski hatte eine der größten Kölner Chancen der zweiten Halbzeit. Doch Kim hatte den schnellen Polen im Laufduell bezwungen. Die Wade habe gezwickt, deshalb konnte Kaminski seinen Sprint nicht voll durchziehen. Ein wenig Enttäuschung schwang also mit nach all der im Ergebnis vergeblichen Arbeit. „Es ist das achte Spiel ohne Sieg, dann ist die Stimmung natürlich nicht so gut“, sagte Kaminski.

Als Lukas Kwasniok von dieser Aussage hörte, war es ihm allerdings ein klares Anliegen, die Worte seines Spielers einzuordnen. „Man muss differenzieren, die Stimmung insgesamt ist überhaupt nicht schlecht. Er hat das einzig auf den Moment bezogen“, sagte der Kölner Trainer. Kwasniok war zuletzt unter anderem wegen seiner Mannschaftsführung von Teilen der Kölner Fans kritisiert worden, offenbar auf einen Hinweis aus seiner Mannschaft hin. Entsprechend wichtig schien es ihm nun, die Laune seiner Mannschaft als tendenziell glänzend, zumindest aber intakt darzustellen.

Schließlich sei vor allem er dafür verantwortlich – und unter seiner Führung sei schlechte Laune praktisch ausgeschlossen. „Es wird mit mir nicht passieren. Egal, wie schwer eine Situation ist, aber im Leben gibt es härtere Aufgaben als eine Mannschaft nach dieser Leistung gegen den FC Bayern oder ein paar Spielen ohne Sieg zum Lachen zu bringen“, erklärte der 44-Jährige.

Er habe eine Aufgabe, „das werde ich jeden Tag machen, solange ich ans Geißbockheim komme. Die Stimmung ist gerade im Moment schlecht“, sagte Kwasniok, und formulierte im selben Moment sein Vorhaben für die nächsten Tage: „Ab morgen wird wieder gelächelt, am Freitag wird gelacht – und am Samstag dann hoffentlich gewonnen.“

Laufduell des Abends: Jakub Kaminski spürte im Sprint gegen Min-Jae Kim ein Zwicken in der Wade und kam nicht mehr zum Abschluss.

Laufduell des Abends: Jakub Kaminski spürte im Sprint gegen Min-Jae Kim ein Zwicken in der Wade und kam nicht mehr zum Abschluss.

Frohsinn steht also auf dem Trainingsplan, und damit das funktioniert, verteilte Kwasniok viel Lob an seine Spieler. Berechtigtes Lob, durfte man nach dem achtbaren Auftritt gegen den FC Bayern festhalten.

Die personelle Misere etwa habe seine Mannschaft hervorragend kompensiert. Sechs Verteidiger fehlten den Kölnern am Mittwochabend wegen Sperren und Verletzungen, niemand habe gejammert. Es sei „sensationell, wie die Jungs sechs Ausfälle in der Innenverteidigung aushalten, verkraften. Man geht nach dem Spiel in die Katakomben, da stehen dann sechs Büffel, die fehlen uns alle. Wir wollen nicht jammern. Dass unser ältester Feldspieler heute 27 Jahre alt war und wir sechs Ausfälle in der Innenverteidigung zu verkraften hatten und die Jungs trotzdem den Bayern so Paroli bieten konnten – das geht nur, wenn das eine absolute Einheit und das Herz am rechten Fleck ist.“

Ich bin überzeugt, dass die Jungs sich für ihre Aufopferungsbereitschaft auch in den nächsten Spielen belohnen werden
FC-Trainer Lukas Kwasniok

Die von Fans geäußerte und durch die Medien dokumentierte Kritik an seiner Person bezeichnete Kwasniok als „künstlich erzeugte negative Stimmungslage von außen“. Unter diesen Bedingungen sei es für seine Leute nicht einfach, solche Leistungen abzuliefern. „Das geht nur, weil sie fokussiert arbeiten, an sich glauben und immer vorwärtskommen wollen. Ich bin überzeugt, dass die Jungs sich für ihre Aufopferungsbereitschaft auch in den nächsten Spielen belohnen werden“, sagte Kwasniok. Er sei „einfach unglaublich stolz“ auf seine Mannschaft.

Vincent Kompany kennt zwar die Befindlichkeiten der Kölner Kabine nicht, doch der Trainer des FC Bayern zeigte sich wie schon nach dem Pokalspiel Ende Oktober an gleicher Stelle beeindruckt vom Gegner. „Köln war, wie wir es erwartet hatten: Unangenehm, voller Energie vom Anfang bis zum Ende“, beschrieb er. Seine hätten Schwierigkeiten gehabt, aus dem Spiel heraus torgefährlich zu werden. Das mache ihn zufrieden: „Wir haben aus anderen Situationen Chancen gehabt, als wir es gewöhnt sind. Wir können auch ohne Ball gefährlich sein. Darum bin ich sehr zufrieden mit der Leistung gegen eine energiereiche Kölner Mannschaft.“

Die Kölner hatten versucht, dem übermächtigen Gegner mit Laufbereitschaft beizukommen und damit praktisch eine Überzahl herzustellen. „Man hat gegen sie nur eine Möglichkeit, wenn man es schafft, mehr zu laufen als sie. Aber sie sind so fleißig, dass es fast nicht möglich ist“, beschrieb Kwasniok. Nach 45 Minuten waren die Kölner drei Kilometer mehr gelaufen als der Gegner, diesen Vorsprung hatten sie nach dem Seitenwechsel nicht ausbauen können – obwohl die Bayern sie zeitweise ordentlich dem Ball hinterherlaufen ließen. Doch der Rekordmeister arbeitete ebenfalls hart – und verschaffte sich seine Torgelegenheiten durch Mittel, die eigentlich einem Aufsteiger wie Köln vorbehalten sein sollten: Konter und Standards.

Das wiederum dürfte Kwasniok vor der Partie am Samstag (15.30 Uhr, Rhein-Energie-Stadion) zu denken geben. Denn mit dem Verteidigen von Kontern und Standards tut sich seine Mannschaft schon die gesamte Saison schwer – und mit Ballbesitz weiß sie ebenfalls nicht viel anzufangen. Das spielt den Mainzern mit ihrem neuen Trainer Urs Fischer in die Karten, die dem Gegner gern den Ball überlassen und auf Konter und Standards hoffen.

Es könnte zäh werden im Duell mit dem Tabellen-16., deshalb sucht Kwasniok nach den jüngsten Verstimmungen auch den Schulterschluss mit der Kurve. „Wir haben jetzt drei der nächsten vier Spiele zu Hause. Gemeinsam mit den Fans sind wir in der Lage, wieder ins Punkten zu kommen. Das geht nur gemeinsam.“