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Offensiv-Hoffnung Lemperle„Ich muss beim FC eine Perspektive haben“

Lesezeit 5 Minuten
Kölns Stürmer Tim Lemperle trainiert am Geißbockheim

Nach rund dreimonatiger Verletzungspause mischt Tim Lemperle wieder im Mannschaftstraining des 1. FC Köln mit.

Tim Lemperle gilt weiterhin als große Offensiv-Hoffnung des 1. FC Köln. Doch der 20-Jährige hat schwierige Monate hinter sich. Im Interview blickt er auf diese Zeit zurück, gibt sich zuversichtlich für die Rückrunde und spricht über seinen Vertrag in Köln, der am Saisonende ausläuft.

Herr Lemperle, Sie waren seit Mitte September aufgrund eines Innenbandrisses im Sprunggelenk außer Gefecht. Wie fit sind Sie jetzt?

Tim Lemperle: Ich freue mich extrem, wieder auf dem Platz zu stehen. Ich kann wieder alles im Mannschaftstraining mitmachen. Ich fühle mich gut und bin wieder einsatzfähig.

Wie haben Sie die lange Zwangspause empfunden?

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Die drei Monate haben sich echt hingezogen. Ich wurde zwar konservativ behandelt, aber zum Innenbandriss kam auch noch ein Knochenödem dazu. Da braucht man viel Geduld. Die Zeit ist zum Glück vorbei.

Jetzt greifen Sie richtig an?

Das ist mein Ziel. Aber ich mache mir nicht gleich selbst großen Druck. Ich muss erst mal wieder richtig reinkommen. Im zweiten Teil der Vorbereitung will ich dann wieder richtig angreifen.

Sie gelten beim 1. FC Köln als großes Offensivtalent. Aber auch wegen der Verletzung sind Sie in der Hinrunde nur zu sieben Kurzeinsätzen gekommen. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Die Hinrunde war für mich persönlich ein Schuss in den Ofen. Ich bin schon nicht gut reingekommen, bei zwei Bundesliga-Einsätzen war ich selbst nicht mit meiner Leistung zufrieden. Es folgten zwei Spiele bei der U21 in der Regionalliga von Beginn an, und dann kam auch schon die Verletzung. Die Rückrunde stelle ich mir natürlich anders vor.

Registrieren Sie, dass man größere Hoffnungen in Sie setzt?

In erster Linie ist entscheidend, dass ich das umsetze, was das Trainerteam von mir erwartet. Alles andere versuche ich auszublenden.

Tony Modeste hat den FC verlassen, danach fielen gleich reihenweise weitere Offensivspieler aus. Haben Sie mal drüber nachgedacht: „Das hätte meine Chance sein können?“

Ja und nein. Die Verletzung kam zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, aber die anderen Jungs sehen das sicher ähnlich. Nach so einer langen Pause ist man heiß. Ich versuche, Gas zu geben und mich zu empfehlen.

Wie schwierig ist es für Sie, weiter geduldig zu bleiben?

Geduld ist nicht meine Stärke. Als ich von der Jugend zu den Profis hochkam, hatte ich damit zu kämpfen. Im Nachwuchs habe ich nahezu jedes Spiel von Anfang an gemacht. Bei den Profis um Kaderplätze zu kämpfen, war eine neue Erfahrung. Es ist etwas anderes, wenn man Anfang der Woche weiß, dass man sicher spielt. Das habe ich mittlerweile verstanden – auch wenn das etwas länger gedauert hat und ein paar Gespräche mit dem Trainerteam dafür notwendig waren. Ich bin geduldiger geworden.

Wie verliefen diese Gespräche mit Steffen Baumgart und Co.?

Der Austausch ist sehr gut und offen. Der Trainer lobt und kritisiert mich oft – auch wenn ich bisher nicht die ganz große Rolle gespielt habe. Es gibt bei mir im Gegensatz zu einem gestandenen Spieler sicher mehrere Dinge, die man ansprechen muss und die Herr Baumgart von mir umgesetzt sehen will.

Was können sie verbessern?

Erster Kontakt, Torabschluss: Da habe ich Potenzial nach oben. Da sind wir auch dran.

Es hat den Anschein, der Trainer kitzelt Sie mit Lob und Kritik ganz besonders.

Das stört mich nicht, und so krass empfinde ich das auch gar nicht. Aber es stimmt, im Training heizt er schon mal ein. Das ist auch gut so.

Der FC sucht auf dem Transfermarkt einen Stoßstürmer. Sie sehen Sie aber eher als hängende Spitze, oder?

Ich spiele gerne mit einem Stoßstürmer zusammen. Ich sehe mich nicht unbedingt als Spitze, der jeden Ball festmachen muss, sondern eher als denjenigen, der tief geht und versucht, mit Schnelligkeit und Kreativität auch Chancen für den zweiten Stürmer herauszuspielen.

Sie kommen bisher auf 17 Bundesligaeinsätze – aber noch auf keinen von Anfang an.

Zeit wird es. Es ist mein Ziel, in der Rückrunde auch mal von Beginn an zu spielen. Und damit mir das gelingt, muss und will ich alles raushauen.

Ihr Vertrag läuft im Juni 2023 schon aus. Wie ist der Stand?

Die Gespräche mit dem Verein laufen.

Aber was Sie wollen, das müssten Sie doch schon wissen?

Deswegen sprechen wir: Wie sehen mich die Verantwortlichen? Welche Perspektive beim FC habe ich? Da müssen wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Was muss denn passieren, damit Sie beim 1. FC Köln bleiben? Stand jetzt, sind Sie ja im Sommer ablösefrei.

Die Perspektive ist das Wichtigste für mich. Ich liebe den FC und spiele hier seit fast fünf Jahren. Ich verbinde auch emotional viel mit dem Verein. Ich weiß noch, wie ich als 16-Jähriger im Stadion stand und zu mir sagte: ,Dort einmal vor vollen Rängen zu spielen, das wäre das Größte!’ Wenn die Perspektive passt, hätte ich nichts dagegen, hier beim FC zu verlängern.

Haben Sie einen konkreten Karriereplan?

Für mich geht es jetzt darum, mir Einsätze in der Bundesliga zu erarbeiten. In meinem Alter ist es wichtig, in den Spiel-Rhythmus zu kommen. Das ist das erste Ziel.

Sehen Sie die kommenden Monate als ganz wichtige Phase Ihrer Karriere an?

In dieser Zeit wird sich ein Stück weit zeigen, wohin die Reise für mich geht. Also, ob ich beim FC Fuß fassen kann oder woanders meine Chance suchen muss. Das Erste wäre mir am liebsten. 

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