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1. FC Köln
50.000 Zuschauer beim Jugendfußball – Ein Fußballfest für alle

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Trainer Stefan Ruthenbeck gewann mit den A-Junioren des 1. FC Köln im vergangenen Jahr die Deutsche Meisterschaft.

Trainer Stefan Ruthenbeck gewann mit den A-Junioren des 1. FC Köln im vergangenen Jahr die Deutsche Meisterschaft. 

Das Spiel gegen Inter Mailand wird sein, was der Profifußball schon lange nicht mehr ist: kinder- und familienfreundlich

Wird in Köln und Umgebung ein Kind geboren, gilt es seit vielen Jahren als dringend angezeigt, den Nachwuchs umgehend als Mitglied des 1. FC Köln anzumelden. Mehr als 160.000 Mitglieder hat der dreimalige Meister mittlerweile – früher war an derartige Zahlen nicht zu denken. FC-Mitglied, das war etwas für feine Leute. Der Nutzwert war gering: Niemand brauchte Rabatte im Fanshop, das Angebot an Fanartikeln war überschaubar. Die Eintrittskarten waren so verfügbar wie erschwinglich – 150 Mark für eine komplette Saison auf Stehplatz-Mitte. Wer brauchte da Rabatte?

Spätestens mit dem Umzug ins neue Stadion zu Beginn des Jahrtausends hat sich das schlagartig geändert. Das Interesse am Fußball ist derart gewachsen, dass eine Mitgliedschaft in den vergangenen Jahren als eine der wenigen Möglichkeiten galt, jemals ein Heimspiel des FC zu erleben. Das Stadionpublikum als geschlossene Gesellschaft. Vorbei die Zeiten, in denen FC-Interessierte am Morgen des Uefa-Pokal-Halbfinals zur Theaterkasse im Kaufhof gehen konnten, um eine Karte für das Spiel gegen Juventus Turin zu kaufen. Oder gleich einen ganzen Stapel.

1. FC Köln: 40.000 Menschen stehen auf Warteliste für Dauerkarten

Mittlerweile genügt es nicht mehr, Mitglied anzumelden. Ähnlich wichtig ist ein Platz auf der Warteliste für Dauerkarten – sollte sich in der direkten Verwandtschaft niemand finden, der sein Abo vererben wird. 40.000 Menschen stehen auf der Liste, und geht man davon aus, dass pro Jahr nur etwa 400 Dauerkarten zurück an den Verein gehen, muss man nicht lange rechnen: Wer heute als Neugeborener auf die Liste gesetzt wird, erhält seine Karte womöglich erst zum 100. Geburtstag.

So gesehen ist das Rekordspiel der Kölner U19 am Mittwochabend auch eine historische Gelegenheit. Dass die Begegnung vor ausverkauften Rängen stattfindet, ist ein deutliches Zeichen: Die Menschen sehnen sich danach, den 1. FC Köln zu feiern – am liebsten im internationalen Wettbewerb und ganz egal, ob die Stars von heute oder morgen auf dem Rasen stehen.

Hinter den Zahlen von Mitgliederrekorden und ewigen Wartefristen steht eine Masse an Menschen, die am Mittwoch dafür sorgen wird, dass 50.000 Zuschauer zwei Jugendmannschaften das Spiel ihres Lebens bescheren. Zumindest vorerst – niemand weiß, wie sich die Karrieren der beteiligten Nachwuchsspieler entwickeln werden. Klar ist: Bei weitem nicht jeder A-Jugendliche, der auf höchstem Niveau spielt, schafft auch die große Karriere im Erwachsenenfußball.

Ein Familienfest des Fußballs

Es könnte ein Familienfest des Kölner Fußballs werden. Die Karten kosteten 7 Euro für Kinder und 10 für Erwachsene. Die Partie findet unter Flutlicht statt, aber bereits um 18 Uhr. Während der große Fußball zu später Stunde gespielt wird, wenn die Werbekunden den konsumfreudigen Teil der Bevölkerung vor dem Fernseher erwarten, ist die Partie zwischen dem Nachwuchs von Köln und Inter Mailand exakt das, was der große Fußball schon lange nicht mehr ist: familien- und kinderfreundlich.

Auch das ein Grund zum Feiern. Müngersdorf steht ein großer Fußballabend bevor.