Nach schwacher erster Halbzeit und drei Wechseln in der Pause entscheidet Ragnar Ache das Spiel für den 1. FC Köln.
Analyse des 2:1 gegen MainzDer 1. FC Köln verschafft sich Ruhe

FC-Trainer Lukas Kwasniok und die Kölner Bank reagieren auf das 2:1 von Stürmer Ragnar Ache, das den Sieg gegen Mainz 05 brachte.
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Der 1. FC Köln hat ein Bundesligaspiel gewonnen. Erstmals seit dem 4:1 über den Hamburger SV im November und nach acht sieglosen Partien in Serie besiegte die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok Mainz 05 trotz eines 0:1-Rückstands zur Pause noch mit 2:1 Toren. Entscheidender Mann war Mittelstürmer Ragnar Ache, der nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit beide Treffer erzielte.
Der Sieg hat große Auswirkungen auf die Tabelle: Mit nun 20 Punkten baute Köln den Abstand auf die Mainzer auf acht Punkte aus. Heidenheim liegt nun sieben Zähler hinter dem FC, St. Pauli wie Mainz acht Punkte, allerdings haben die Hamburger ein Spiel weniger absolviert als Köln.
Die Tore
Das 0:1 war eine Mischung aus den üblichen Kölner Gegentoren dieser Saison: Weil es infolge eines Einwurfs fiel, war es ein Standardtreffer. Und wieder einmal war es ein Traumtor: Danny da Costa warf zu Nebel, der klatschen ließ. Die folgende Hereingabe kam zu Stefan Bell, der den Ball überragend mitnahm und Eric Martel im Zweikampf sehr überrascht aussehen ließ. Noch überraschter schien Martel, als Bell den Ball mit 110 Kilometern pro Stunde unter die Latte jagte. Es war das erste Tor des Mainzer Innenverteidigers seit Mai 2022, der in dieser Szene aussah wie ein Weltklassestürmer. Was es von den anderen Zaubertoren unterschied, die der FC in dieser Saison kassiert hatte: Es wäre grundsätzlich zu verteidigen gewesen, wenngleich die Aktion absolut überragend war.
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Trotz überlegenen Starts in die zweite Halbzeit dauerte es eine knappe Viertelstunde, ehe die Kölner den Ausgleich erzielten. Sebulonsen eroberte den Ball und spielte zu Castro-Montes, der eine weitere hervorragende Flanke vor das Mainzer Tor schlug. Ragnar Ache stieg hoch, blieb dort erstaunlich lang stehen und versenkte satt und unhaltbar per Kopf unter die Latte.
Ein Unentschieden hätte bereits bedeutet, dass der FC den Vorsprung auf Mainz in der Tabelle hält. Die Gäste benötigten also dringend den Sieg und schafften es zwar zunächst, den Kölner Schwung des Ausgleichs zu brechen. Wirklich ins Spiel kamen sie jedoch gegen aufopferungsvoll kämpfende Gastgeber nicht mehr. Die Zeichen standen auf Heimsieg oder Unentschieden – und Ache besorgte den Ausgang, der nach der starken zweiten Hälfte dem Spielverlauf entsprach: Bülter verlängerte eine Ecke an den zweiten Pfosten, Ache stürzte sich mutig in den Ball und setzte sich gegen da Costa durch – 2:1 in der 85. Minute, der Sieg.
Das war gut
Die Verbesserung durch die Wechsel. Ragnar Ache und Tom Krauß – sogar der Verteidiger Kristoffer Lund: Mit Beginn der zweiten Halbzeit gelang es den Kölnern, eine zuvor lausige Leistung hinter sich zu lassen, den Gegner zu dominieren und aus einem unter Pfiffen zusammengestümperten 0:1 zur Pause einen großen Sieg zu gestalten. Nur positiv ist dieser Befund allerdings nicht: Wer es schafft, gegen einen dezimierten Gegner 45 Minuten lang ein Stadion voller eigentlich positiv gestimmter Fans gegen sich aufzubringen, hat vieles falsch gemacht.
Das war schlecht
Die Kölner Startelf. Im ersten Durchgang passte nichts zusammen, ein Konzept war nicht erkennbar. Köln erinnerte damit an das schon beinahe legendäre Spiel in der vergangenen Saison, als eine mut- und ideenlose Mannschaft gegen Absteiger Jahn Regensburg nichts zusammenbrachte und anschließend Trainer und Geschäftsführer gehen mussten. Der 1. FC Köln blickte am Samstag wieder einmal tief in den Abgrund, und Lukas Kwasniok wäre extrem unter Druck geraten, wäre es in der zweiten Halbzeit nicht besser geworden. So aber gelang es dem Kölner Trainer, das Schicksal zu wenden.
Moment des Spiels
In der 36. Minute, der FC hatte sich noch nicht vom Rückstand erholt, spielte Tietz steil auf Silas. Simpson-Pusey und Sebulonsen verfolgten den rasend schnellen Stürmer, wohl auch deshalb zögerte Marvin Schwäbe, aus seinem Tor zu stürmen. Stattdessen positionierte sich der Kölner Keeper und war deshalb bereit, den Abschluss des Gegners zu parieren, der sich leicht gegen seine Widersacher durchgesetzt hatte, jedoch zu wenig zwingend abschloss. So konnte Schwäbe parieren – und hielt seine Mannschaft im Spiel. Ein 0:2 hätte angesichts der Stimmung auf den Rängen und des Auftretens wohl fatale Folgen für diesen Nachmittag gehabt. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass mit der Parade die Stimmung explodiert ist. Wir sind trotzdem von Pfiffen in die Halbzeitpause begleitet worden. Aber es ist besser, mit 0:1 als mit 0:2 in die Pause zu gehen“, sagte Lukas Kwasniok später.

Tom Krauß lieferte nach seiner Einwechslung einen fantastischen Auftritt und war einer der entscheidenden Kölner Spieler des Nachmittags.
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Spieler des Spiels
Ragnar Ache, der von der Bank kam und mit zwei Toren das Spiel im Alleingang drehte. Der sensible Mittelstürmer hat es nicht leicht in seiner ersten Kölner Saison. Dass er trotz der Enttäuschung, nicht in der Startelf zu stehen, eine derartige Energie- und Konzentrationsleistung lieferte, spricht für den Charakter des 27-Jährigen.
Ache stellte damit mehrere Kollegen knapp in den Schatten, die ebenfalls große Leistungen lieferten: Der junge Jamahi Simpson-Pusey ist längst ein Mann für die Stammelf, der junge Brite spielte erneut wie ein erfahrener Bundesligaprofi. Tom Krauß überwand ebenfalls den Rückschlag als Ersatzspieler und bot einen emotional wie fußballerisch außergewöhnlichen Nachmittag. Und wie Jakub Kaminski sich in der Schlussphase aufopferte und im Zentrum Gegenspieler ablief, war die Demonstration eines umfassenden Verständnisses für die Mechanismen, wie im Mannschaftssport Fußball Spiele zu gewinnen sind.
Das sagen die Trainer
Urs Fischer (Mainz 05): Es ist ein nicht ganz unverdienter Sieg. Wir haben zur Pause verdient geführt, vielleicht sogar um ein Tor zu niedrig. Die Kontrolle aus der ersten Halbzeit haben wir in der zweiten Hälfte allerdings komplett verloren. Das lag daran, dass Köln Wucht eingewechselt und es wirklich gut gemacht hat. Die Zuschauer kamen noch dazu, wir hatten keine Ruhe mehr und haben viele Fehler im Spiel mit dem Ball gemacht. Eine gute Halbzeit reicht in der Bundesliga nicht, um einen Punkt mitzunehmen. Das müssen wir akzeptieren.
Am Ende war ganz klar das Stadion der Faktor, da haben wir zwölf gegen elf gespielt. Daher gilt der Dank dem Stadion und der Mannschaft. Den Mutigen gehört die Welt und heute auch der Sieg
Lukas Kwasniok (1. FC Köln): Wir waren zunächst gut im Spiel, aber mit dem Gegentor habe ich einen Bruch gespürt. Wir hatten Glück, dass es nicht plötzlich 0:2 stand. Da habe ich gemerkt, dass die Jungs eine Verunsicherung in sich trugen. Am Ende war ganz klar das Stadion der Faktor, da haben wir zwölf gegen elf gespielt. Daher gilt der Dank dem Stadion und der Mannschaft. Den Mutigen gehört die Welt und heute auch der Sieg. Darüber freuen wir uns sehr. Wenn man länger nicht gewinnt, fühlt sich ein Sieg etwas größer an. Aber nüchtern betrachtet gibt es genau drei Punkte dafür. Wir haben jetzt 20 Punkte und den Abstand nach unten ausbauen können. Heute sind es drei Punkte – aber mit einer gewissen Erleichterung.
Das sagen wir
Wer die Szenen auf dem Rasen beim Schlusspfiff sah, konnte keinen Zweifel daran haben, dass dem 1. FC Köln ein großer, womöglich sogar der bereits entscheidende Sieg im Abstiegskampf gelungen ist. Als Aufsteiger rechnet man grundsätzlich damit, Phasen ohne Sieg überstehen zu müssen und den Sog der gefährlichen Zone der Tabelle zu spüren. Doch indem der FC die zuletzt nach sechs Punkten aus vier Spielen erstarkten Mainzer besiegte und den Vorsprung weiter ausbaute, verschaffte sich die Mannschaft vor dem komplizierten Auswärtsspiel beim SC Freiburg eine Ruhe, an die im Fall einer Niederlage nicht zu denken gewesen wäre.

