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Auffällige WerteBeim 1. FC Köln läuft es nicht

Die Erwartungen an den FC waren groß, dabei ist die Mannschaft derzeit kaum stärker besetzt als im vergangenen Jahr. Die Spielweise sorgt jedoch für Enttäuschungen.

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Trainer René Wagner musste im Sommer lange auf seinen Wunschspieler Mikey Moore warten; der Kölner Kader wurde erst spät fertig.

Trainer René Wagner musste im Sommer lange auf seinen Wunschspieler Mikey Moore warten; der Kölner Kader wurde erst spät fertig.

Der Kader des 1. FC Köln war bis in die Startphase der Saison eine Baustelle. Unterschieds- und Führungsspieler wie Thijs Dallinga, Mikey Moore oder Ellyes Skhiri kamen erst nach dem Trainingslager. Gideon Mensah, Kölns Wunschspieler für die linke Abwehrseite, war nach der Weltmeisterschaft zudem krank, verlor viel Substanz und brauchte Zeit, um auf die Beine zu kommen. Borna Sosa stieß buchstäblich in letzter Minute zum Team.

Es bedeutete also keine Überraschung, dass die Kölner zu Saisonbeginn fußballerisch wenig zu bieten hatten. In Würzburg zitterten sie sich in die zweite Pokalrunde. Die ersten Ligaspiele verliefen wechselhaft, aber immerhin konkurrenzfähig – und obwohl die Kritik groß war, durfte man einräumen, dass Trainer René Wagner zwar nicht unter furchtbaren, jedoch auch nicht ganz leichten Bedingungen in die Saison gestartet war.

Eine Baustelle ist nichts Schlimmes – im Gegenteil besuchen nicht wenige Familien am Wochenende den Ort ihres designierten Zuhauses, um davon zu träumen, wie schön alles sein wird, wenn es einmal fertig ist. Nicht jede Baustelle ist eine Oper, nicht jedes Bauprojekt ein Geißbockheim. Das Rhein-Energie-Stadion etwa wurde einst auf den Tag pünktlich fertig.

Die Mannschaft des FC ist nach dem sechsten Spieltag weiter unfertig; das liegt unter anderem daran, dass Spieler schwer verletzt fehlen, darunter die erhofften Leistungsträger Ellyes Skhiri (Syndesmose) und Thijs Dallinga (Kreuzband). Hinzu kommt, dass Mikey Moore noch Schwierigkeiten offenbart, sein Talent auf Bundesliganiveau wirksam einzusetzen. Nach einer schwachen Trainingswoche erlebte er den Anpfiff des Spiels in Frankfurt von der Bank aus – und lieferte nach seiner Einwechslung eine enttäuschende Leistung.

Suche nach dem Markenkern

Verletzte Leistungsträger, dazu Profis, die sich an die für sie neue Liga gewöhnen müssen, und ein Trainer, der seine erste Saison in der Chefrolle erlebt. Es gibt Gründe, warum die Mannschaft Schwierigkeiten hat, einen Markenkern zu entwickeln – und doch ist die Enttäuschung groß.

Dabei ist der Kader kaum besser besetzt als in der vergangenen Saison. Für Cenk Özkacar kam Luka Lochoshvili; Özkacar brachte Erstligaerfahrung aus Spanien und Frankreich mit, Lochoshvili spielte in der Vorsaison für den 1. FC Nürnberg in der Zweiten Liga. Jakub Kaminski spielte mit Köln eine überragende Runde und wurde mit einem Wechsel zu Benfica Lissabon belohnt, der den Kölnern viel Geld einbrachte, sportlich jedoch einen Verlust bedeutete. Für Kaminski steht nun Moore im Kader – ein 19-Jähriger mit enormem Potenzial, von dem man nicht erwarten darf, dass er auf Anhieb die Bundesliga auseinandergibt.

Mittelfeldspieler Ellyes Skhiri verletzte sich im Derby gegen Borussia Mönchengladbach schwer.

Mittelfeldspieler Ellyes Skhiri verletzte sich im Derby gegen Borussia Mönchengladbach schwer.

Als Linksverteidiger agierte in der Vorsaison Kristoffer Lund – ein solider Profi, der zwar das Niveau von Mensah und Sosa nicht erreicht, insgesamt aber keine enttäuschende Runde spielte. Der Blick auf den Spieltagskader in Frankfurt lässt jedenfalls nicht die Annahme zu, Köln müsse dort unbedingt gewinnen – und stärker sein als beim 2:2 im vergangenen Frühjahr. „Ich glaube, wenn wir zu Eintracht Frankfurt fahren, sind wir von Natur aus nicht unbedingt der Favorit. Deswegen fände ich, dass wir das in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht haben“, sagte Geschäftsführer Thomas Kessler am Freitagabend schon leicht genervt.

Die Fans messen die Mannschaft jedoch am mutigen Fußball der vergangenen Jahre. Unter Steffen Baumgart, auch mit Lukas Kwasniok, gelang es den Kölnern, für einen offensiven, aktiven Fußball zu stehen. Der war zwar nicht immer erfolgreich, gerade gegen Spitzenmannschaften blieb vor allem Baumgarts Bilanz dürr. Außerdem war das Prinzip fragil, basierte es doch auf dem totalen Vertrauen in den Plan. Sowohl Steffen Baumgart als auch Lukas Kwasniok verloren am Ende die Mannschaft. Dass René Wagner den 1. FC Köln nun spielerisch zu beruhigen versucht, dürfte die nachhaltigere Variante sein.

Eine Zahl beschreibt den aktuellen Kölner Fußball: In der Tabelle der Gesamtlaufleistungen liegt der FC auf dem vorletzten Rang. Das hat wenig mit einem Mangel an Fitness zu tun. Die Möglichkeiten der Trainingswissenschaft sind heute so weit fortgeschritten, dass sich jeder Kreisligist körperlich perfekt vorbereiten kann. Die Kölner sind weder zu dumm noch zu faul, um ihr läuferisches Niveau vergangener Tage zu erreichen.

Eher ist es die Vorsicht, die den Verein auf sportlicher Ebene durchzieht: Wer vorsichtig ist, läuft gar nicht erst los, weil er nicht davon überzeugt ist, dass in seinem Rücken die Räume geschlossen werden. Das ist die Erklärung dafür, dass der FC Bayern München nicht nur enorme Ballbesitzquoten verbucht, sondern auch die Lauftabelle der Liga anführt. Während der Rekordmeister früher Ball und Gegner laufen ließ, liefert die Mannschaft von Vincent Kompany nun enorme Laufleistungen – wohl vor allem, weil sie selbstbewusster agiert als die Konkurrenz.

Ich glaube, wenn wir zu Eintracht Frankfurt fahren, sind wir von Natur aus nicht unbedingt der Favorit
FC-Geschäftsführer Thomas Kessler nach dem 0:1 in Frankfurt

Wer ständig lange Bälle auf einen Einzelkönner schlägt, selbst aber hinten stehen bleibt, kommt nie auf ein Laufvolumen – und sorgt dafür, dass sich die isolierten Offensivkräfte erschöpfen. Für die Kölner eine schwierige Situation. Mit ihrem wenig emotionalen, vorsichtigen Fußball laufen sie Gefahr, beim kleinsten sportlichen Misserfolg extrem anfällig für Kritik zu sein. Weil René Wagner und Thomas Kessler nach außen vorsichtig auftreten, schaffen sie eine Leerstelle – das Umfeld fühlt sich nicht abgeholt.

Das Ergebnis nach sechs Partien ist eine Krise, wo keine sein müsste. Doch die Gefahr ist groß, dass sich der FC selbst einschläfert, während das Umfeld immer aufgeregter wird.