Abo

Chancenwucher gegen LeverkusenDer 1. FC Köln belohnt sich nicht für seinen couragierten Auftritt

6 min
COLOGNE, GERMANY - 25 APRIL, 2026: Jakub Kaminski - The football match of Bundesliga 1.FC Koeln vs Bayer 04 Leverkusen at Rhein Energie Stadion. PUBLICATIONxNOTxINxRUS Copyright: xVITALIIxKLIUIEVx

Auch Kölns Jakub Kaminski (hier im Duell mit Leverkusens Garcia) vergab eine große Torchance.

Die 1:2-Niederlage im Derby wäre für einen überlegenen FC absolut vermeidbar gewesen. Immerhin behalten die Kölner ihr Polster auf die gefährdeten Plätze.

25:8-Torschüsse, ein xGoals-Wert von 2,64 zu 1,33, reihenweise vergebene Chancen: Der 1. FC Köln muss sich gewaltig ärgern, dass er am Samstagnachmittag gegen Bayer 04 Leverkusen nicht nur nicht gewonnen, sondern sogar 1:2 verloren hat.

Dass die Kölner nach wie vor fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und sechs auf den direkten Abstiegsplatz 17 haben, hatte damit zu tun, dass St. Pauli (16.) 0:2 beim Letzten Heidenheim verlor und auch Wolfsburg (17.) nicht über ein 0:0 gegen Gladbach hinauskam. Der FC tritt am kommenden Wochenende bei Union Berlin an. Die formschwachen Köpenicker müssen nach dem 1:3 in Leipzig ebenfalls noch um den Klassenerhalt kämpfen. Am vorletzten Spieltag empfangen die Kölner dann Heidenheim, am letzten Spieltag geht es noch zu den FC Bayern. Es sollte zum Klassenerhalt reichen.Es war überraschend, dass der FC gegen Leverkusen das klar tonangebende Team war. Das lag zum einen daran, dass die Kölner mutig und engagiert aufspielten, aber zum anderen auch daran, dass Bayer 04 uninspiriert und träge den Nachmittag über sich ergehen ließ. Eigentlich kann man so nicht in einem Derby auftreten, doch der FC nutzte das nicht aus.

Am viertletzten Spieltag der Saison hätte der Bundesliga-Aufsteiger so viel für sich richten können: Acht Punkte bei nur noch drei ausstehenden Partien hätte der Vorsprung auf den Relegationsplatz sein können, neun Zähler plus das deutlich bessere Torverhältnis auf den ersten direkten Abstiegsrang.

Ich bin einfach ein bisschen enttäuscht, dass wir für solch eine Leistung nicht belohnt werden und uns jetzt nicht in der Kabine in den Armen liegen und einen solchen Sieg feiern können.
FC-Trainer René Wagner

Und so fielen dann auch die Reaktionen im Kölner Lager aus: Man war zufrieden mit der Leistung, haderte aber logischerweise mit dem Ergebnis. „Ich bin stolz auf die Mannschaft, gegen einen Gegner wie Bayer Leverkusen solch eine Leistung zu bringen. Das ist nicht einfach. Wir haben vorher darüber gesprochen, dass wir viel Energie brauchen, dass wir den Plan umsetzen wollen, dass wir auch Leverkusen stressen wollen. Das haben wir unfassbar gut gemacht und ich bin einfach nur ein bisschen enttäuscht, dass wir für solch eine Leistung nicht belohnt werden und uns jetzt nicht in der Kabine in den Armen liegen und einen solchen Sieg feiern können“, befand FC-Trainer René Wagner, gab sich für die letzten Saisonspiele aber zuversichtlich: „Wir müssen jetzt aus dem Spiel Mut mitnehmen für die nächsten drei Spiele, weil es nicht einfach ist, gegen eine Mannschaft wie Leverkusen solch einen Fußball zu spielen – und deswegen bin ich stolz auf die Leistung. Ich bin enttäuscht über das Ergebnis, aber ich glaube, das sind heute viele im Stadion.“

Sein Leverkusener Pendant Kasper Hjulmand sprach von einem „sehr, sehr schwierigen Spiel" und zollte dem Gegner Respekt: „Köln hat ein super Spiel gemacht. Wir sind natürlich sehr, sehr froh um die drei Punkte. Es ist sehr wichtig für uns – für die Fans, für unsere Mannschaft, für die Tabelle. Fußball ist dann manchmal ein bisschen verrückt. Letzte Woche hatten wir gegen Augsburg 36 Torschüsse, ein ganz gutes Spiel gemacht und verloren. Und diesmal hatten wir ein bisschen Glück und einen guten Torwart und die drei Punkte. Wir müssen natürlich auch kritisch mit unserer Leistung sein.“

Geplänkel über angeblich zu trockenen Rasen

Dann lieferten sich beide Trainer noch ein Geplänkel über den Zustand des Rasens. Hjulmand hatte kritisiert, dass es ein stumpfer „Platz ohne Wasser“ gewesen sei. Wagner konterte auf Englisch. Wenn Hjulmand das behaupte, stimme das so nicht. „Wir haben das nicht absichtlich so gemacht. Falls dieser Eindruck entstanden sein sollte, entschuldigen wir uns dafür, aber das war nicht der Fall. Und ich möchte klarstellen, dass wir das nicht getan haben. Ich finde es nicht fair, so etwas zu behaupten. Was wir wahrgenommen haben, und was auch die Spieler gesagt haben, ist, dass der Platz ausgetrocknet war. Vielleicht wurde er gewässert und ist danach wieder trocken geworden. Aber so oder so – er war trocken, nicht weil wir ihn nicht bewässert hätten.“

Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand (l.) und FC-Trainer René Wagner während der Pressekonferenz

Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand (l.) und FC-Trainer René Wagner während der Pressekonferenz

Im Vergleich zum spielerisch schwachen Auftritt beim 1:1 auf St. Pauli hatte der Kölner Trainer seine Startelf auf drei Positionen verändert: Für den verletzten Ragnar Ache stürmte Marius Bülter, Linton Maina und Kristoffer Lund ersetzten Jan Thielmann und Alessio Castro-Montes, der auf dem Kiez noch hinten links verteidigt hatte. Der FC-Coach setzte erneut auf eine 4:4:2-Grundordnung.

Der FC legte mit viel Elan und Einsatz los, presste die Gäste hoch. Und profitierte gleich von einem katastrophalen Fehlpass von Quansah und einem Ballverlust von Garcia. Said El Mala und Jakub Kaminski hatten jeweils das 1:0 auf dem Fuß, verzogen aber (3., 4.). Die Kölner setzten die Gäste sofort unter Druck und schnürten sie in die eigene Hälfte ein. In der neunten Minute war es erneut El Mala, der Bayer-Keeper Janis Blaswich dazu zwang, sich ganz lang zu machen. Per Freistoß prüfte kurz darauf Sebastian Sebulonsen erneut Blaswich.

Doch auch der FC patzte, diesmal in Person von Eric Martel, der Bayer-Stürmer Patrik Schick den Ball fast in die Füße spielte. Der Tscheche stand plötzlich frei vor FC-Torwart Marvin Schwäbe, setzte das Leder aber an den linken Innenpfosten (14.). Es ging munter weiter, wieder wurde El Mala gefährlich, doch Blaswich war zur Stelle (18.).

Das Spiel beruhigte sich danach etwas, Bayer wurde nun etwas besser. Doch nach einem Fehlpass von Tapsoba kam Eric Martel in aussichtsreicher Position zum Schuss, doch Blaswich riss die Arme hoch und parierte (29.).

El Mala vergibt Top-Chance und trifft nicht ins leere Tor

Die größte Chance zur Kölner Führung hatte dann wieder El Mala: Quansah spielte richtig schlampig zurück auf Blaswich, so dass der Kölner Jungstar dazwischen sprinten konnte. El Mala legte den Ball am Keeper vorbei, hatte das leere Tor vor sich, traf aus spitzem Winkel aber nur den linken Pfosten und sorgte für Entsetzen auf den Rängen (35.). Diese individuellen Aussetzer der Gäste hätte der FC nutzen müssen.

Und das sollte sich rasch rächen: Nach einem Chipball von Palacios kam Eric Martel im Strafraum mit der Brust und dem angelegten Arm an den Ball. Schiedsrichter Robert Hartmann wertete das als Handspiel und gab Elfmeter. Der VAR überstimmte ihn nicht. Patrik Schick trat an, Schwäbe machte sich lang, war noch am Ball, konnte den Einschlag aber nicht verhindern – 0:1 (43.).

Ohne Wechsel ging es nach der Pause weiter. Und auch das Spiel ging ähnlich weiter. Wieder tauchte El Mala frei vor dem Tor auf, doch der Angreifer kam erneut nicht an Blaswich vorbei (48.).

Und in der 52. Minute zeigte sich, was passiert, wenn man selbst größte Torchancen nicht nutzt: Nach einem Zuspiel von Linton Maina stand Kaminski frei vor Blaswich, scheiterte jedoch am Keeper. Dann schalteten die Kölner gedanklich ab: Sebastian Sebulonsen ließ auf Außen Nathan Tella gewähren. Nach dessen Hereingabe ins Zentrum war Cenk Özkacar nicht eng genug an Patrik Schick, der im Stil eines echten Torjägers den Ball aus der Luft mit links ins Tor bugsierte (52.).

Joker Waldschmidt sticht erneut

Der eingewechselte Luca Waldschmidt brach in der 77. Minute den Bann und belohnte den FC für seinen enormen Aufwand. Erneut war El Mala beteiligt. Als der Ball schon verloren schien, setzte sich der 19-Jährige doch noch durch und legte für Waldschmidt ab, der aus rund acht Metern flach ins rechte untere Toreck zum 1:2 traf.

Wagner brachte mit Youssoupha Niang noch einen weiteren Stürmer. Der FC drückte, kam aber nicht mehr zu klaren Chancen. Bis zur siebten Minute der Nachspielzeit, als erst Waldschmidt den Ausgleich auf dem Kopf und Alessio Castro-Montes das 2:2 noch auf dem Fuß hatte. Doch erneut rettete der starke Blaswich für die schwache Werkself.