Bereits am Freitag könnte dem FC ein womöglich vorentscheidender Schritt zum Klassenerhalt gelingen. Ein Weggang von El Mala wäre kein Drama.
StabilisierungUnter Wagner spielt der 1. FC Köln weniger spektakulär – dafür stressfreier


Klare Anweisungen, ruhig vorgetragen: FC-Trainer René Wagner gibt Sebastian Sebulonsen beim 3:1-Sieg gegen Werder Instruktionen.
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Fünf Spieltage sind in der Saison noch zu absolvieren, und das Restprogramm (St. Pauli auswärts, Leverkusen daheim, Union auswärts, Heidenheim daheim, Bayern auswärts) des 1. FC Köln erscheint durchaus machbar. Nach dem ungemein wichtigen 3:1-Erfolg gegen Mitkonkurrent Bremen könnte dem Bundesliga-Rückkehrer bereits am Freitag beim Tabellen-16. St. Pauli ein womöglich vorentscheidender Schritt zum Klassenerhalt gelingen. Gewinnt der FC auf dem Kiez, hätte er acht Punkte Vorsprung auf St. Pauli und mindestens neun auf Wolfsburg auf dem ersten direkten Abstiegsplatz – ein komfortables Polster.
Historisch gesehen reichten im Durchschnitt 36 Punkte für die Rettung – dem FC fehlen also voraussichtlich noch sechs Zähler. Der „Opta-Supercomputer“, der die Saison 10.000 Mal simuliert, prognostiziert nach dem jüngsten Spieltag ohnehin den Kölner Klassenerhalt als Tabellen-14. mit 35 Punkten.
René Wagner denkt nicht in KI-Modellen oder Hochrechnungen. Für den neuen Cheftrainer war entscheidend, dass seine Mannschaft nach acht vergeblichen Anläufen endlich wieder ein Spiel gewonnen hat – und dann ein so wichtiges. Es war ein verdienter Sieg gegen einen aber auch mehrfach dilettierenden Gegner. Phasen der rund 70-minütigen Kölner Überzahl, insbesondere der Chancenwucher in der Endphase, waren zwar schwer erträglich und offenbarten, dass längst nicht alles gefestigt ist. Doch das interessiert bereits Anfang der Woche keinen mehr – höchstens intern.
Und doch zeigte auch dieses Spiel erneut, was mit wenigen Ausnahmen die gesamte Saison galt: Die Mannschaft hat Charakter und Moral. Allerdings hatte sie zuvor in 18 Spielen nur zwei Siege gefeiert – eine Bilanz, die Spuren hinterlässt und letztlich auch Lukas Kwasniok den Job kostete. Sein Nachfolger hat den Fußball spürbar vereinfacht. Der FC setzt stärker auf Kontrolle, wählt bewusst ruhigere Phasen und nimmt auch mal den Fuß vom Gas. „Wir können nicht immer volles Brett draufgehen“, sagte Wagner. Das wirkt weniger spektakulär als noch unter seinem Vorgänger, ist aber stressfreier, weniger wild und eine nachvollziehbare und wohl notwendige Maßnahme zur Stabilisierung. Zudem stellt sich Wagner nicht selbst in den Vordergrund.
Weggang von El Mala wäre so wenig überraschend wie ein Drama
Heraus ragt in dieser Saison weiterhin Said El Mala. Vielleicht nicht zwingend in diesem Spiel, doch der 19-Jährige ist der Aufsteiger der Kölner Spielzeit und steht jetzt bereits bei elf Treffern. Kein FC-Profi traf in diesem Alter häufiger – auch nicht Lukas Podolski. Dass sich nach dem Spiel bei El Mala vieles nach Abschied anhörte, überrascht im Umfeld nicht. Sollte es so kommen, wäre es kein Drama: Ein Spieler will seine Karriere optimieren, den nächsten Schritt machen, wie es im Fußballjargon heißt, und dem FC winkt im Gegenzug eine benötigte Rekordablöse – Geld, das für die Kaderplanung eine zentrale Rolle spielen dürfte. Ein Szenario, mit dem beide Seiten gut leben könnten.
El Mala hat zweifellos große Sympathien für den FC entwickelt, ist jedoch erst seit dieser Saison im Klub, nicht in Köln sozialisiert worden und wird als Kind auch nicht in FC-Bettwäsche geschlafen haben. In jungen Jahren trug der Krefelder einige Jahre das Trikot des Rivalen aus Gladbach.
Die Borussia wiederum sieht der „Supercomputer“ am Saisonende als 13. mit 36 Punkten einen Platz vor dem FC. Irgendwie beruhigend, dass sich auch die KI mal irren kann.
