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FC-Angreifer Jakub KaminskiDer Wanderer will sesshaft werden

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Jakub Kaminski im Spiel gegen Borussia Dortmund, als er der beste Mann auf dem Platz war und das 1:2 erzielte.

Jakub Kaminski im Spiel gegen Borussia Dortmund, als er der beste Mann auf dem Platz war und das 1:2 erzielte. 

Jakub Kaminski spielt eine starke erste Saison beim FC – und würde gern in Köln bleiben

Die Entschuldigung seines Trainers hat Jakub Kaminski angenommen, das ist wichtig vor dem Saisonendspurt. Denn ohne einen voll engagierten Jakub Kaminski könnte der 1. FC Köln den Klassenverbleib wohl vergessen. „Er ist der erste Spieler, bei dem ich mich als Trainer nicht an dem messen lassen kann, was ich ihm versprochen habe“, hatte Lukas Kwasniok nach dem 0:2 des 1. FC Köln in Augsburg in Richtung Kaminski gesagt. Der Angreifer hatte in Schwaben auf der rechten Seite spielen müssen, fernab seiner Idealpositionen. Dabei hatte der Trainer versprochen, Kaminski werde unter seiner Führung „nicht als Wandervogel auf dem Feld unterwegs sein“. Danach hatte er den Polen doch quer über das Feld verschoben.

Doch Kaminski trägt seinem Trainer nichts nach. Alles in Ordnung, „klar“, sagte der Pole nach dem Training am Mittwoch, das für ihn und seine Kollegen aus der Offensive mit einem ausgiebigen Torschusstraining geendet war. Kaminski war auch da wieder Kölns bester Spieler – wie er auf wechselndem Niveau beinahe die gesamte Saison über der beste Mann war. Etwa am Samstag beim dramatischen 1:2 gegen Borussia Dortmund, als er immerhin in der zentralen Offensive eingesetzt war, ein Tor erzielte und erneut auffälligster FC-Profi war. Doch bei aller Formstärke war es Kaminskis erstes Tor seit dem 22. November. „Ich habe mich sehr über das Tor gefreut, weil ich lange darauf warten musste. Ich hoffe, jetzt kommen noch viel mehr“, sagte Kaminski. „Ich fühle mich am besten hinter den Stürmern oder an der linken Seite“, stellt er fest. Dort sei er „der beste Kuba Kaminski. Ich hoffe, ich spiele jetzt mehr oft auf dieser Position.“

Trotz der langen Flaute ist Kaminski mit sechs Treffern nach wie vor zweitbester Kölner Schütze hinter Said El Mala (acht Tore). Dass ihn niemand überholen konnte, zeigt vor allem, wie schwach die Kölner seit Ende November auftreten.

Auch gegen Dortmund war Kaminski einsame Klasse, lief auf der zentralen Offensivposition mehr als zwölf Kilometer. Dass der FC mehr als eine Halbzeit lang in Unterzahl spielte, von einem 0:2 zurückkam und auch wegen eines nicht gegebenen Handelfmeters 1:2 verlor, verlieh dem Auftritt des 23-Jährigen eine leicht tragische Note. Doch der Spieler selbst ist zufrieden. „Es läuft super für mich. 25 Einsätze, ich habe das Vertrauen des Trainers. Ich tue alles für den Trainer, für die Mannschaft, für diesen Verein“, sagt Kaminski, der im Sommer auf Leihbasis vom VfL Wolfsburg kam.

Es läuft super für mich. 25 Einsätze, ich habe das Vertrauen des Trainers. Ich tue alles für den Trainer, für die Mannschaft, für diesen Verein
FC-Stürmer Jakub Kaminski

Dort hatte er vor allem in der Rückrunde kaum mehr gespielt. In Köln dagegen überzeugte er vom ersten Training an. Kein Feldspieler hat mehr Einsatzminuten, und auch in Polens Nationalteam hatte in den vergangenen zwölf Monaten nur Jakub Kiwior mehr Spielminuten als der Offensivmann aus Köln.

Die Positionswechsel haben Kaminski dennoch daran gehindert, sein Potenzial voll auszuschöpfen. Für das Spiel in Augsburg mochte er zwar der beste verfügbare Kandidat auf der rechten Seite sein. Doch war er dort deutlich schwächer als auf seiner Stammposition in der Offensive. Wo genau die Linie verläuft, ab der die Mannschaft insgesamt schwächer wird, weil Kaminski positionsfremd eingesetzt wird, lässt sich nicht bestimmen. Doch punktet Köln deutlich besser, wenn Kaminski offensiv spielt.

Nun hoffen die Kölner darauf, dass der Krankenstand niedrig bleibt und Kaminski offensiv spielen darf. Die Situation ist angespannt, die untere Tabellenhälfte eng zusammengerückt. „Alle Mannschaften müssen kämpfen bis zum Ende, um in der Liga zu bleiben. Wir auch. Jetzt kommen wichtige Spiele für uns. In Hamburg müssen wir Punkte sammeln“, sagt Kaminski. Seine eigenen Leistungen – dass Köln bei den jüngsten Niederlagen stets auf Augenhöhe spielte – gereichen ihm nicht mehr zur Freude. „Ja, es war immer knapp. Gegen Leipzig, gegen Stuttgart, jetzt gegen Dortmund. Aber am Ende waren es null Punkte. Wir sind alle ein bisschen frustriert.“

Lukas Kwasniok hat Jakub Kaminski in dieser Saison bereits auf mehr Positionen eingesetzt, als er sich vorgenommen hatte.

Lukas Kwasniok hat Jakub Kaminski in dieser Saison bereits auf mehr Positionen eingesetzt, als er sich vorgenommen hatte.

Auf die Frage, woran es gelegen habe, muss er lachen. „Das will ich auch wissen. Aber das ist Fußball, das ist das Leben. Die beste Mannschaft gewinnt nicht immer. Es geht um Kleinigkeiten. Wir müssen über die ganzen 90 Minuten unser Niveau halten. Nicht nur für 45 oder 60 Minuten“, sagt er.

Nach dieser Saison endet Kaminskis Leihvertrag beim FC, anschließend verfügen die Kölner über eine Kaufoption – 5,5 Millionen Euro würde der Pole kosten, was nichts ist für einen Bundesliga-Stammspieler seiner Klasse. Trotz seiner starken Auftritte und der großen Zuneigung der Fans sieht er sich allerdings offenbar weiter in der Rolle eines Mannes, der in Köln vorspielt. Er selbst sei „komplett überzeugt hier, klar“, erklärt er, allerdings sei das „nicht meine Entscheidung“.

Die Frage, ob er sich für den FC entscheiden würde, sollte er die Wahl haben, beantwortet er eindeutig – darauf muss er nicht bis nach dem Saisonende warten. Es reichen zwei Worte: „Ja, gerne.“