Der 1. FC Köln braucht Punkte zum Überleben, Bayer 04 Leverkusen benötigt sie für die Champions League. Am Samstag herrscht Hochspannung.
FC gegen Bayer 04Selten stand im Rheinderby so viel auf dem Spiel

So war es im Hinspiel am 13. Dezember: Kölns Said El Mala (l.) im Duell mit Leverkusens Jarell Quansah. Bayer 04 gewann damals mit 2:0.
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Die Neigung zum Schwafeln und zur Selbstdarstellung kann man René Wagner nun wirklich nicht nachsagen – auch nicht zwei Tage vor dem für beide Mannschaften so wichtigen Bundesliga-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr), bei dem in Müngersdorf für beide Klubs so viel auf dem Spiel steht.
Ganz kurz kamen bei dem einen oder anderen Beobachter des FC am Donnerstag Erinnerungen hoch an den 19. März, zwei Tage vor dem Duell gegen Borussia Mönchengladbach, das für manche Kölner das große und vielleicht einzig wahre Derby ist – auch wenn sich der FC und die Werkself mittlerweile bereits in 73 Bundesliga-Partien gegenüberstanden (es wären noch weitaus mehr gewesen, wenn der FC sieben Abstiege verhindert hätte).
An jenem Tag war noch Lukas Kwasniok der Verantwortliche auf der Trainerbank. Der Coach, damals schon schwer angezählt und unter Druck, hatte sich zunächst gezügelt, geriet dann aber doch noch in Plauderlaune und wollte, als er zur Personalie Said El Mala gefragt wurde, gar zu einer „Brandrede“ ausholen. Dazu kam es zwar nicht mehr, doch Kwasniok war spätestens da in seinem Element.
Wagner, 37, hält es dagegen nüchtern und klar. Auch Kwasnioks Nachfolger wurde nach El Mala und dessen WM-Chancen nach dem verletzungsbedingten Aus von Serge Gnabry gefragt. Im Abstiegs- und Überlebenskampf in der Bundesliga zwar ein Randthema, aber kein uninteressantes: El Mala ist nun einmal der Kölner Senkrechtstarter der Saison. Wagners Antwort fiel knapp aus: „Das entscheidet wie immer der Bundestrainer.“
Ich glaube, dass die Leverkusener mit Intensität immer mal Probleme hatten. Daher müssen wir uns trauen, im eigenen Stadion die richtigen Mittel zu wählen.
Wagners Gedanken kreisen, so scheint es, allein um die möglichst perfekte Vorbereitung auf das kommende Spiel. Und das kann die richtige Herangehensweise sein. Er will mit seiner Mannschaft der Werkself einen möglichst anstrengenden Nachmittag bereiten. „Ich glaube, dass die Leverkusener mit Intensität immer mal Probleme hatten. Daher müssen wir uns trauen, im eigenen Stadion die richtigen Mittel zu wählen.“ Es gehe darum, „den Ball zu behalten, die Laufwege für die Leverkusener weit zu machen, so dass sie irgendwann vielleicht auch keine Lust mehr haben, dem Ball hinterherzulaufen.“
Bayer 04 war unter der Woche im Pokalspiel gegen den FC Bayern (0:2) vor allem defensiv stark gefordert – das könne für den FC nun „vielleicht ein minimaler Vorteil“ sein, sagte Wagner. Allerdings habe Leverkusen auch gezeigt, „dass sie gegen den Ball aggressiv sein können, dass sie Herz haben, dass sie als Truppe zusammenarbeiten“. Daher gehe es für den FC darum, „noch mehr Herz zu zeigen, noch aggressiver gegen den Ball zu sein. Und dann müssen wir ihnen ihre Qualität nehmen.“
Alles ist angerichtet für einen spannenden, brisanten Nachmittag. Der FC ist seit fünf Spielen ungeschlagen, hat in dieser Phase allerdings nur einmal gewonnen. Fünf Punkte beträgt derzeit der Vorsprung auf den Relegationsplatz, sieben sind es auf den ersten direkten Abstiegsrang. Gewinnt der FC, dürfte der Klassenerhalt mit dann 34 Punkten zwar noch nicht rechnerisch, aber praktisch gesichert sein. Leverkusen dagegen benötigt im Endspurt der Saison dringend Siege für die Qualifikation zur Champions League. Einen weiteren Ausrutscher nach dem 1:2 gegen Augsburg darf sich Bayer 04 nicht erlauben.
Wagner muss Ache ersetzen, lässt sich aber nicht in die Karten schauen
Die wichtigste Personalie aus Kölner Sicht, die Wagner zu entscheiden hat: Der Coach muss Ragnar Ache ersetzen, der zuletzt einen Lauf hatte (sieben Saisontore) und dessen Ausfall das Team hart trifft. „Ich glaube, dass es einen Spieler gibt, der Raggy ersetzen kann – und das ist Raggy“, sagte Wagner. „Wir schauen, dass wir es als Truppe auffangen.“
Wer für ihn aufläuft, ließ der Trainer – wenig verwunderlich – offen. Luca Waldschmidt dürfte sich trotz des Lobes von Wagner und seines Treffers zum 1:1 beim FC St. Pauli eher geringe Startelfchancen haben. Zwar betonte der Trainer, der 29-Jährige sei „immer eine Option“, doch um Waldschmidt wirkungsvoll einzubinden, benötigt der FC viel Ballbesitz. Einiges spricht daher dafür, dass am Ende Marius Bülter den Vorzug erhält.
Leverkusen hat im Sturm ebenfalls einen Ausfall zu beklagen: Christian Kofane, der schon beim Spiel gegen die Bayern mit einer Oberschenkelverletzung fehlte, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch am Samstag fehlen.
Für Bayer 04 geht es aber unabhängig des zur Verfügung stehenden Personals darum, eine Antwort zu geben – auf die dürftige Leistung gegen die Bayern und auf das bittere 1:2 gegen Augsburg. Bereits 19 Punkte hat die Werkself gegen Gegner unterhalb von Platz acht abgegeben.
Rolfes nimmt nach Pokal-Aus Werkself in die Pflicht
Simon Rolfes setzte deshalb direkt nach dem verlorenen Pokalspiel den Ton für das Duell auf der anderen Rheinseite. „Jetzt ist der Pokal vorbei, es bleiben noch vier Spiele in der Bundesliga. Das ist ein ganz, ganz wichtiges Spiel in Köln – auch für die Fans –, und da wird genau das gefragt sein, was wir in der ersten Halbzeit gegen die Bayern vermissen lassen haben: Aggressivität. Aber auch, dass wir trotzdem guten Fußball spielen, mit Entschlossenheit gewinnen wollen“, sagte der Sportgeschäftsführer. „Wir müssen diese vier Spiele mit aller Entschlossenheit angehen. Ich bin fest davon überzeugt: Wenn wir die Spiele gewinnen, haben wir die Möglichkeit, in die Champions League einzuziehen.“
Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf Leipzig, das am Wochenende darauf in die BayArena kommt. Vier Punkte sind es auf Stuttgart, wohin Leverkusen am vorletzten Spieltag reisen wird. Ein Sieg gegen den FC ist fest eingeplant, um die Ausgangslage vor den direkten Duellen möglichst noch zu verbessern – sie aber mindestens nicht zu verschlechtern. Es ist Druck auf dem Spiel – für beide Mannschaften.
