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Kommentar

FC zum Ende der Hinrunde
Kriegt Kwasniok die Kurve?

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2 min
Lukas Kwasniok hat mit seiner Mannschaft eine aufregende Hinrunde erlebt.

Lukas Kwasniok hat mit seiner Mannschaft eine aufregende Hinrunde erlebt. 

Der Punkteschnitt ist nicht berauschend, doch noch ist der Abstand des Aufsteigers 1. FC Köln auf die Abstiegszone komfortabel. 

Die Tabelle lügt nicht, doch manchmal lohnt der zweite Blick. Mit der Partie gegen den FC Bayern endete für den 1. FC Köln die erste Saisonhälfte nach dem Wiederaufstieg. 17 Punkte aus 17 Spielen, der Schnitt ist leicht zu errechnen, und ebenso leicht fällt die Hochrechnung für den Fall, dass es weitergeht wie bisher: Mit 34 Zählern am Saisonende wären die Kölner üblicherweise in der absoluten Gefahrenzone. Es sind schon genügend Teams mit dieser Ausbeute abgestiegen. Oft genug aber reichte diese Zahl. Insofern hat Lukas Kwasniok recht, wenn er derzeit jede Prognose mit dem Hinweis verweigert, abgerechnet werde im Mai.

Die Liga folgt in dieser Saison besonderen Maßstäben, weil die Topteams wie entfesselt punkten, nicht nur die Bayern. Gleichzeitig gibt es am unteren Ende des Tableaus Mannschaften mit großen Schwierigkeiten. So ist es möglich, dass der FC trotz der Serie von acht Partien ohne Sieg noch immer fünf Punkte vor dem Relegationsrang steht.

17 Partien – das bedeutet auch, dass die Kölner nun gegen jeden Gegner gespielt haben. Es gab bessere und schlechtere Auftritte, deutliche und weniger deutliche Spielverläufe. Anders als in anderen Erstliga-Spielzeiten hat es Lukas Kwasniok mit seiner Mannschaft jedoch geschafft, eine Halbserie ohne krachende Niederlage zu bleiben.

Die Euphorie ist vorerst dahin

Die Euphorie des Saisonstarts ist in der Phase ausbleibender Erfolge zwar zuletzt verloren gegangen. Hinzu kam die Unruhe in der Mannschaft, die auch durch die einerseits authentische, andererseits aber auch riskante Ansprache des Trainers zu erklären war oder ist. Kwasniok fordert sich, seine Mannschaft und damit den gesamten Verein heraus. Sein Kalkül ist eindeutig: Durch gezielte Eskalation versucht er, Entwicklungen anzustoßen und Dinge in Bewegung zu halten.

Das ist ein gefährliches Spiel, und nur weil ein Trainer sich zutraut, sein Vorhaben erfolgreich zu Ende zu bringen, heißt das nicht, dass ihm das auch zwingend gelingt. Das zu beobachten, wird Thomas Kesslers Aufgabe sein, dessen Vertragsschluss als Geschäftsführer Sport bis 2028 unmittelbar bevorsteht. Es ist Kesslers Verdienst, dass der wenig glamouröse Aufstiegskader nicht nur deutlich verstärkt wurde, sondern auch Potenzial verspricht, die Ausbeute in der Rückrunde zu verbessern. Doch um dieses Potenzial zu heben, muss Lukas Kwasniok bald die Kurve kriegen. In mehrfacher Hinsicht.