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Gemischte FC-GefühleChance verpasst, Abstand gewahrt und Sorgen um Ache

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dpatopbilder - 17.04.2026, Hamburg: Fußball, Männer: Bundesliga, FC St. Pauli - 1. FC Köln, 30. Spieltag, Millerntor-Stadion. Die Spieler beider Mannschaften reagieren nach dem Abpfiff. Foto: Christian Charisius/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++

So reagierten beide Mannschaften nach dem Abpfiff am Millerntor: Das passte ganz gut zum Keller-Duell zwischen dem FC St. Pauli und dem 1. FC Köln, das 1:1 endete.

Der 1. FC Köln lässt beim FC St. Pauli die Vorentscheidung im Abstiegskampf liegen, hält aber den Vorsprung. Stürmer Ragnar Ache droht vorzeitiges Saison-Aus.

Der 1. FC Köln hat am Freitagabend am Millerntor die große Chance liegen lassen – und musste am Ende dennoch zufrieden sein, einen Rückschlag vermieden zu haben. Beim FC St. Pauli kam der Bundesliga-Aufsteiger über ein 1:1 nicht hinaus, bot über weite Strecken einen erstaunlich blassen, spielerisch enttäuschenden Auftritt. Die Kölner bleiben damit zwar im Vorteil, verpassten jedoch die mögliche Vorentscheidung im Aufstiegsrennen. Statt acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz und die Kiezkicker sind es vier Spieltage vor Schluss nur fünf – immerhin aber Polster.

Dass dieser Abstand Bestand hat, verdankt der FC vor allem einer Szene in der Schlussphase, als Jakub Kaminski geschickt einen Elfmeter herausholte – und einem kühlen Kopf von Luca Waldschmidt vom Punkt (83.). Zuvor hatte Köln offensiv kaum stattgefunden, wirkte im Ballbesitz ideenlos und griff immer wieder zu langen, wenig zielführenden Bällen.

„Es war ein sehr wichtiger Punkt für uns. Uns ist nicht alles gut gelungen heute, gerade mit Ball haben wir nicht immer gute Entscheidungen getroffen“, bilanzierte Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler offen. „Die Atmosphäre, das muss man sagen, war heute fantastisch. Was von den Rängen kam! St. Pauli hat uns heute alles abverlangt. Es war sehr spannend und es tut uns gut, dass wir ungeschlagen geblieben sind. Das war für die Tabellenkonstellation ganz wichtig. Der Spielverlauf hätte, wenn wir ehrlich sind, aber auch nicht mehr als diesen Punkt hergegeben. Mehr hatten wir nicht verdient.“

Der entscheidende Moment aus Kölner Sicht folgte erst kurz vor Schluss. Nach einem Foul an Jakub Kamiński zeigte Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck auf den Punkt – überprüfte die Szene noch einmal selbst am Monitor, blieb jedoch bei seiner Entscheidung. Was folgte, war ein kleines Kölner Verwirrspiel. Zunächst griff Said El Mala nach dem Ball, wie schon in der Vorwoche. Doch statt selbst anzutreten, überließ der Youngster die Verantwortung im letzten Moment Luca Waldschmidt – bewusst, um Nikola Vasilj zu irritieren, der als ausgewiesener Elfmeter-Spezialist gilt.

Verwirrspiel um Elfmeter-Ausführung: El Mala überlässt den Ball im letzten Moment Luca Waldschmidt

Was folgte, war ein bewusst inszeniertes Verwirrspiel. Zunächst griff Said El Mala nach dem Ball, wie schon in der Vorwoche – doch diesmal überließ er ihn im letzten Moment Luca Waldschmidt. Eine Entscheidung, die aber offenbar intern abgestimmt war – auch wenn die Bilder eine eher andere Interpretation zuließen. „Ich will Said hervorheben, dass er den Ball Luca überlassen hat. Said hat Luca den Ball gegeben. Da sieht man, die Jungs haben ein gutes Verhältnis“, sagte Trainer René Wagner nach der Partie. Gleichzeitig bestätigte er seine Linie bei Strafstößen: „Die Jungs regeln das auf dem Platz untereinander. Ich vertraue ihnen da komplett.“

Waldschmidt schilderte die Szene so: „Als der Schiedsrichter draußen noch das Foul checkte, standen Said und ich im Mittelkreis und er fragte direkt, ob ich schießen würde. Ich habe Ja gesagt – und er, dass er mir dann den Ball gibt“, berichtete der erst in der 79. Minute eingewechselte Angreifer. „Im Strafraum wollte er nur kurz für Verwirrung sorgen, sodass der Torwart nicht weiß, wer den Elfer wirklich schießt. Ein smarter Move.“ Waldschmidt selbst ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen: „Ich bin ganz klar ran und habe gesagt: Das ist meine Ecke – keine Zeit für Experimente. Ich fühle mich immer sehr gut bei Elfmetern, und wenn ich auf dem Platz stehe, nehme ich den.“ Der Ball landete sicher im Netz – der späte Ausgleich, der zumindest das Schlimmste verhinderte.

Auch Trainer René Wagner sah einen intensiven, aber spielerisch enttäuschenden Auftritt seiner Mannschaft: „Es war ein wilder Ritt für beide Mannschaften. Wir haben es in der ersten Halbzeit nicht geschafft, mit Ball gefährlich zu werden. Wir haben zu viele lange Bälle gespielt, das war eigentlich nicht der Plan.“

Die Probleme zogen sich durch die Partie: „Dann haben wir es in der zweiten Halbzeit nicht geschafft, hinten raus zu kombinieren. Dann wurde es schwer, dann kamen die Ecken rein, dann fiel das Gegentor. Mit Ball haben wir kein gutes Spiel gemacht.“ Immerhin defensiv zeigte sich der FC stabil: „Wir haben aber gut verteidigt, haben wenig zugelassen.“ Dass die Mannschaft nach dem Rückstand noch zurückkam, wertete Wagner positiv: „Respekt an die Mannschaft, dass sie nach dem 0:1 wiederkommt und die Jungs von der Bank mutig geblieben sind. Es war unfassbar wichtig zu punkten. So sind wir weiter auf fünf Punkte weg. Daher bin ich sehr froh, dass es so gekommen ist.“

Ragnar Ache 1. FC Koeln verletzt waehrend des Spiels der Bundesliga zwischen FC St. Pauli und 1. FC Köln, Millerntor-Stadion am 17. April 2026 in Hamburg, Deutschland. Foto von Ralf Treese/DeFodi Images  Ragnar Ache 1. FC Koeln injured during the Bundesliga match between FC St. Pauli and 1. FC Köln at Millerntor-Stadion on April 17, 2026 in Hamburg, Germany. Photo by Ralf Treese/DeFodi Images DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Photo by Ralf Treese/DeFodi Images - *** Ragnar Ache 1 FC Koeln injured during the Bundesliga match between FC St Pauli and 1 FC Köln, Millerntor Stadion on April 17, 2026 in Hamburg, Germany Photo by Ralf Treese DeFodi Images Ragnar Ache 1 FC Koeln injured during the Bundesliga match between FC St Pauli and 1 FC Köln at Millerntor Stadion on April 17, 2026 in Hamburg, Germany Photo by Ralf Treese DeFodi Images DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video Photo by Ralf Treese DeFodi Images

Das sah gar nicht gut aus: Gestützt und humpelnd verließ FC-Stürmer Ragnar Ache vorzeitig den Platz.

So blieb unter dem Strich ein Punkt, der tabellarisch hilft, aber spielerisch viele Fragen offenlässt. Denn der FC hatte zuletzt unter Wagner einen Aufwärtstrend erkennen lassen und durch das 2:2 in Frankfurt und den 3:1-Sieg über Bremen immerhin vier Punkte geholt. Doch von einer breiteren Brust war auf dem Kiez nichts zu sehen.

Oberschenkelverletzung: Stürmer Ragnar Ache droht das vorzeitige Saison-Aus

Überschattet wurde der Abend zudem von einer Szene, die Auswirkungen für die Kölner am Saisonende hat. Ragnar Ache musste kurz nach der Pause ausgewechselt werden, nachdem er sich bei einem Sprint an den rechten vorderen Oberschenkel gefasst hatte. Sofort war klar, dass es für den Stürmer nicht weitergehen würde. Gestützt und humpelnd verließ er den Platz, die Sorgen waren ihm anzusehen. „Wir müssen noch abwarten, aber das sah nicht so gut aus“, sagte Kessler nach der Partie. In der Kabine sei Ache „niedergeschlagen“ gewesen. Noch steht eine genaue Diagnose aus, doch schon jetzt wächst die Befürchtung, dass der Angreifer im Saisonendspurt fehlen könnte. Bei nur noch vier ausstehenden Spielen droht im schlimmsten Fall sogar das vorzeitige Saison-Aus. Für den FC wäre das eine Hiobsbotschaft, nachdem sich zuletzt gerade die Doppelspitze mit El Mala als belebendes Element erwiesen hatte. Dieses Duo ist nun wohl gesprengt. So bleibt unter dem Strich ein Abend mit gemischten Gefühlen.