Ein Banner der Aktiven Fanszene des 1. FC Köln gegen Trainer Lukas Kwasniok sorgt für Aufregung. Eine Aussprache soll nun folgen.
Transparent sorgt für AufregungAktive Fanszene des FC distanziert sich von Trainer Kwasniok

Das Transparent der FC-Fans beim Spiel in Heidenheim
Copyright: IMAGO/Beautiful Sports International
In den Momenten nach dem Schlusspfiff schienen die Aktiven auf dem Rasen ihre Gedanken zu sortieren. Der 1. FC Heidenheim hatte beim 2:2 (2:1) im eigenen Stadion gegen den 1. FC Köln zwei Führungen nicht verteidigt und musste sich mit einem Punkt zufriedengeben. Die Kölner wiederum hatten zwar einen Konkurrenten auf Distanz gehalten und nach schwachen Leistungen zum Jahresende eine sportlich steigende Tendenz gezeigt. In der Schlussphase jedoch die Chance auf einen Sieg liegen lassen.
So standen sie nun im Schneetreiben der Ostalb, und während sie überlegten, ob sie zufrieden waren oder nicht, tauchte auf dem Zaun des Kölner Fanblocks ein Transparent auf, wie es der 1. FC Köln in der jüngeren Vergangenheit nicht gesehen hatte. „Kwasni Yok“ stand dort, unterschrieben war die Botschaft mit „WH96“, den Initialen der „Wilden Horde“, der einflussreichsten Ultra-Vereinigung im Kölner Fan-Kosmos.
Das Wort „yok“ drückt Ablehnung aus, in der Jugendsprache hat es umgangssprachlich die Bedeutung zwischen „geht nicht“, „gibt“s nicht“ und dem deutschen „Nein“. In der Alltagssprache wird es von Jugendlichen auch im lakonischen Kontext genutzt, um etwa Missverständnisse zwischen Generationen und sozialen Milieus zu benennen.
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Kölns Trainer Lukas Kwasniok beim Spiel im winterlichen Heidenheim
Copyright: IMAGO/Sven Simon
Offenbar ging es den FC-Fans darum, sich von Trainer Lukas Kwasniok zu distanzieren. Das mag überraschen, gibt sich der 44-Jährige doch authentisch und anfassbar. Doch scheint er damit nicht die Herzen der Aktiven Fanszene zu erreichen. Im Gegenteil, das überraschte vor allem: In den vergangenen Jahren gab es zwar immer wieder Seitenhiebe gegen Vereinsfunktionäre, etwa gegen Armin Veh und Alexander Wehrle, aber auch gegen Vorstandsmitglieder. Dass die Fans jedoch Spieler oder Trainer attackierten, war trotz vieler sportlicher Talfahrten kaum denkbar.
1. FC Köln: Trainer Kwasniok kann Kritik zunächst nicht verstehen
Das hat sich nun geändert. Kwasniok hatte das Transparent nicht gesehen, wurde nach der Partie jedoch darüber informiert. Trotz kurzer Wege dauerte es lange, eher der Coach zur Pressekonferenz erschien. Doch auch da konnte er noch nicht ganz einordnen, was der Anlass gewesen war. „Ich habe es nicht wahrgenommen, wurde aber darüber informiert, dass es da etwas gab. Ich kann jetzt kein Türkisch, deswegen musste ich mir das auch übersetzen lassen.“ Der Coach konnte die Kritik zunächst nicht verstehen: „Ich weiß jetzt nicht genau, warum und weswegen, aber ich nehme das zur Kenntnis.“
Banner im Kölner Fanblock, zumal solche, die als Absender die „Wilde Horde“ ausweisen, tauchen nicht ohne Absprache auf. Die Gruppen sind hierarchisch strukturiert. Hinter der Präsentation eines solchen Transparents steht immer eine Entscheidung der Spitze, die der Rest der Gruppe zumindest nach außen hin mitträgt. Über den Auslöser gibt es Geraune. Und ganz viel Interpretationsspielraum.
Sicher ist, dass es nicht allein um die sportliche Situation geht, die nach sieben Spielen ohne Sieg zwar angespannt, für einen Aufsteiger jedoch weiterhin akzeptabel ist. Eher scheint die Unruhe aus Spielerkreisen zu stammen, denn mit seinen jüngsten Personalentscheidungen hat sich Lukas Kwasniok durchaus bewusst nicht nur Freunde gemacht, besonders unter den etablierten Profis. Am Samstag fehlten Florian Kainz und Luca Waldschmidt im Kader, in der Vergangenheit hatte der Coach bereits Spieler wie Linton Maina und Dominique Heintz nicht berücksichtigt. Profis mit Einfluss und Selbstbewusstsein und teils guten Verbindungen in die Aktive Fanszene.
Das ist der 1. FC Köln, da ist alles ein bisschen dynamischer. Wir versuchen, in eine Kommunikation zu treten, was da Thema ist.
Klagen über mangelnde Berücksichtigung und zu viele Personalrochaden kursieren schon länger. Im Trainingslager in Spanien berichtete Kwasniok dann selbst, wie drastisch er die Mannschaft für ihren fehlenden Trainingseifer angegangen sei. Hinzu kommt, so heißt es, dass der Trainer den Spielern untersagte, einen Mannschaftsabend zu veranstalten. Offenbar Anlass für manchen Spieler, sich bei der Szene zu beklagen. Das Transparent dürfte als Warnsignal und Hinweis an den Trainer verstanden worden sein, im Umgang mit der Mannschaft, besonders mit den Lieblingen der Fans, bedächtiger vorzugehen.
Zudem, so war zu vernehmen, sind Teile der Aktiven Fanszene offenbar der Auffassung, dass Kwasniok sein Ego über das des Vereins stelle – ein No-Go für den harten Kern.
Ob das für Ruhe und sportliche Verbesserung sorgte, wäre wohl zu diskutieren, zumal vor dem Spiel am Mittwoch (20.30 Uhr, Rhein-Energie-Stadion) gegen den FC Bayern.
Aussprache beabsichtigt
Kwasniok nahm das Rumoren aus der Mannschaft im Zusammenhang mit seiner Kadergestaltung am Samstag jedenfalls gern auf. „Das sind harte Entscheidungen, ich bin aber hier am 1. Juli nicht nur angetreten, um den Verein in der ersten Liga zu halten. Sondern den Verein auch zu entwickeln. Entwicklung geht nur mit harten Entscheidungen und wenn man junge Spieler fördert. Wenn besser möglich ist, ist gut nicht gut genug. Und ich glaube, dass wir besser werden können. Deshalb die Entscheidung für die Jungen. Sie rütteln jetzt an den Jungs, die in der Vergangenheit gute Leistungen für den FC gebracht haben. Jetzt gibt es Duelle – und ich freue mich darauf.“
Der Trainer lächelte dabei, war jedoch auch darauf bedacht, die Wortmeldung der Südkurve nicht abzutun. „Das ist der 1. FC Köln, da ist alles ein bisschen dynamischer. Wir versuchen, in eine Kommunikation zu treten, was da Thema ist.“ Wie zu erfahren war, soll es noch vor dem Bayern-Spiel zu einem Treffen mit Wortführern der Fanszene kommen. Nach diesen Sätzen wollte Kwasniok aber wieder die Leistung des Teams in den Vordergrund rücken: „Für mich zählt die Performance auf dem Platz, und ich habe eine absolute Einheit gesehen. Trainer, Trainerteam und Mannschaft. Das ist das, was ich beeinflussen kann.“

