Der 1. FC Köln reist über Frankfurt zum Spiel nach Stuttgart, um dem Karneval zu entgehen
Über Frankfurt nach StuttgartEine Reise, die keine Flucht ist

Es fehlt nur ein bisschen: Cheftrainer Lukas Kwasniok und der 1. FC Köln reisen hoffnungsfroh zum Topspiel der Bundesliga.
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Er wolle das noch einmal klarstellen, hob Lukas Kwasniok am Donnerstagmorgen an, denn offenbar gebe es zur Rolle des 1. FC Köln im Karneval weiterhin Unklarheiten. Er habe am Morgen mehrere Anfragen erhalten, ob er an Weiberfastnacht unterwegs sein werde, berichtete der Trainer leicht fassungslos. Und bat um öffentliche Klarstellung: „Noch mal an dieser Stelle: Es geht heute nach Frankfurt.“
Damit war das geklärt. Nach dem Training am Geißbockheim verließen die Kölner die Stadt und bezogen in einem Hotel in Neu-Isenburg Quartier. Am Freitag werden sie auf dem DFB-Campus das Abschlusstraining absolvieren, ehe sie nach Stuttgart weiterreisen, wo sie am Samstagabend im Bundesliga-Topspiel auf den VfB treffen. Die Logistik ist wohl geplant, vom Wort Flucht wollte der Trainer nichts hören. Allenfalls, wenn man es „flapsig“ meine, sagte Kwasniok. Schließlich stecke nichts Spontanes oder Hastiges hinter der Reise. „Bei aller Show geht es um Ergebnisse, und die Ergebnisse waren rund um Karneval in der Vergangenheit nicht ganz so berauschend“, sagte der 44-Jährige. Angesichts des Karnevals liege „logischerweise der Fokus nicht komplett auf dem, wofür du bezahlt wirst“, wenn man in der Stadt bleibe: „Die Ablenkungsgefahr wäre einfach extrem groß.“
Er habe die Idee gut gefunden, wenngleich es nicht seine gewesen sei: Thomas Kessler habe den Anstoß gegeben – das hatte Kwasniok bereits in der Vorwoche angedeutet, als er erklärt hatte, der Reiseplan nach Stuttgart sei von jemandem gestaltet worden, der „mehr zu sagen hat als meine Wenigkeit“.
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Die Gefahr einer Ablenkung ist damit geringer – womöglich ein angemessener Weg, die schwache Kölner Bilanz in Bundesliga-Topspielen zu verbessern. Alle fünf Versuche am Samstagabend hat der Aufsteiger in dieser Saison verloren. „Eigentlich braucht man gar nicht anzutreten: Karnevalsbilanz schlecht, Bilanz gegen die Großen schlecht, am Samstagabend noch schlechter – insofern jetzt schon Glückwünsche an den VfB Stuttgart“, sagte Kwasniok, schob aber nach, man werde trotzdem „versuchen, uns bestmöglich zu verkaufen“.
Das sage ich auch meinen Jungs immer: Wenn so ein Spiel für euch nichts Besonderes mehr ist, dann lernt Elektriker.
Er habe allen Anlass zum Optimismus, sein Gefühl sei außerordentlich gut, sagte er. Das liege auch an den Trainingsleistungen seiner Spieler am Mittwoch. Er habe selten so eine gute erste Einheit einer Woche erlebt, teilte er mit, und tatsächlich arbeiteten seine Spieler mit beachtlicher Energie. Er werde die Mannschaft gegen den Tabellenfünften schon deshalb nicht allein am Ergebnis bewerten. Es gehe darum, das persönliche Maximum zu erreichen. Er sehe das bei den Olympischen Spielen: Da seien Athleten „voll am Anschlag und werden aber nur Sechster“, auch da sei das Nicht-Gewinnen nicht zwangsläufig ein „Desaster“.
Das Bittere am Fußball sei, dass nur einer gewinnen könne. Sollte das am Samstagabend nicht der 1. FC Köln sein, werde er nicht automatisch hadern. „Solange ich das Gefühl habe, wir arbeiten am Leistungsmaximum, werde ich meine Mannschaft immer zu hundert Prozent schützen“, versprach er. Es fehle nicht mehr viel, um gegen eine Spitzenmannschaft „aus dem Leistungsmaximum auch ein Ergebnismaximum“ zu machen. Auf seine Mannschaft könne er sich verlassen, die habe „richtig Bock, ihr Können unter Beweis zu stellen“.
Indem Kwasniok zum Beginn des Karnevals die Leistung in den Fokus stellte, unterstrich er noch einmal seinen Anspruch auf Professionalität. Die Vorfreude auf die Partie im ausverkauften Stuttgarter Stadion sei groß, bei Trainer und Mannschaft. „Das sage ich auch meinen Jungs immer: Wenn so ein Spiel für euch nichts Besonderes mehr ist, dann lernt Elektriker.“

Gegen Leipzig musste Lukas Kwasniok mit seinen Kölnern erneut eine Niederlage gegen ein Topteam hinnehmen.
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In der Hinrunde gingen die Kölner gegen Stuttgart in Führung, verloren die Partie aber 1:2. Sogar gegen die Bayern lag der FC vorn, ebenso gegen Frankfurt. In Leipzig glichen sie im Hinspiel aus, verloren aber die Partie – wie am vergangenen Sonntag auch das Rückspiel. Viermal haben die Kölner in dieser Saison nach Führungen noch verloren, keiner Mannschaft der Bundesliga ist das häufiger passiert als dem Aufsteiger. Mehrfach schien es dabei, als habe der FC den Gegnern einen allzu leichten Weg zurück ins Spiel eröffnet. Statt Zeit von der Uhr zu nehmen, sich vor den Ball zu stellen oder die Ausführung eines Einwurfs zu verzögern, ließen sie die Konkurrenz immer wieder Rhythmus aufnehmen und gerieten regelmäßig noch in Schwierigkeiten.
Dass er seinen Profis empfehlen werde, es einmal mit einer krummeren Spielweise zu versuchen, schloss Kwasniok aus. Er wolle die Formulierung zwar in sein „Vokabular aufnehmen – krummer, nicht unfair, das gefällt mir!“, sagte er. Doch sehe er kaum verbesserte Aussichten auf Erfolg. Tatsächlich habe seine Mannschaft in Dortmund und gegen Union Berlin jeweils in Unterzahl verloren. Für ihn sei es daher zunächst wichtig, Spiele zu elft zu beenden und nicht durch frühe Gelbe Karten die Gefahr eines Platzverweises zu erhöhen. „Es macht einfach keinen Sinn, heutzutage werden viel schneller rote Karten gezogen. Und wenn du glaubst, du machst etwas, das keiner sieht, kommt der VAR.“
Keine krumme Tour also, dafür ein weiterer Ausflug ans Leistungsmaximum. Fakt ist allerdings, dass keine Mannschaft in der Bundesliga seltener foult als die Kölner. Doch Kwasniok sieht keinen Nachholbedarf bei der Härte. Es sei schließlich nicht so, „dass wir nur Pfadfinder auf dem Feld haben“.

