Vor dem Karnevalsspiel in Stuttgart trainiert der FC das Umschaltspiel – Veränderung in der Abwehrkette?
Vor Karnevalsspiel in StuttgartFC probt die Flucht nach vorn

Geschäftsführer Thomas Kessler und Trainer Lukas Kwasniok am Rande des Trainings nach der Niederlage gegen Leipzig.
Copyright: IMAGO/Jan Huebner
Schon vor Beginn der Karnevalssitzung des 1. FC Köln am Dienstagabend hatte Lukas Kwasniok den Ton gesetzt. „Wir werden die Stunden hier genießen, aber ab morgen gilt der Fokus wieder dem Spiel gegen Stuttgart“, sagte der Trainer und stellte ein „gediegenes Beisammensein“ in Aussicht. Der Rahmen war klar abgesteckt: „Für die Jungs gilt 23 Uhr, für die Trainer früher“, teilte Kwasniok mit. Aus drei möglichen Verkleidungen hatte er das Modell „Mönch“ gewählt, weil das zu seinem ja grundsätzlich zurückgezogenen Lebensstil passe, wie er mitteilte.
Kwasniok dürfte das leicht ironisch gemeint haben, schließlich ist er eher extrovertiert, was ihm im Alltag durchaus hilft, etwa bei der Ausübung seines Berufs als Bundesligatrainer. Doch wer weiß – womöglich empfindet er ein Leben, das sich überwiegend einer Sache widmet, ja als tatsächlich vergleichbar mit dem eines Mönchs. Jedenfalls passte zum Kostüm, dass er dem Abend im Maritim-Hotel eine klare äußere Struktur gegeben hatte. Ein professioneller Umgang mit dem Thema Karneval, das beim 1. FC Köln traditionell immer wieder für Schwierigkeiten gesorgt hat.
Jedenfalls vor Lukas Kwasnioks Ankunft im Rheinland. Womöglich beginnt nun eine beispiellose Serie siegreich bestrittener Karnevalsspiele. Am Mittwochnachmittag standen die Kölner jedenfalls wie versprochen auf dem Trainingsplatz. Es war eine intensive Einheit im Regen, und wie am Abend zuvor beließen es die Trainer nicht bei Appellen. Als gegen Ende mit Torhütern gespielt wurde, unterbrach Assistenzcoach Rene Wagner, um auch auf dem Platz klare Regeln aufzustellen: „Maximal zwei Kontakte in der gegnerischen Hälfte – und keine Rückpässe. Sonst pfeife ich ab“, sagte der Sachse streng.
Alles zum Thema Fußball-Bundesliga
- Carro über 50+1 „Brauchen Kompromiss, um eine Klage zu vermeiden“
- Über Frankfurt nach Stuttgart Eine Reise, die keine Flucht ist
- Vor Karnevalsspiel in Stuttgart FC probt die Flucht nach vorn
- Fußball-Bundesliga St. Pauli mit Zuversicht nach Leverkusen: „Wollen mehr“
- VfB Stuttgart vs. 1. FC Köln Hoeneß schwärmt von Geburtstagskind Chabot
- Fußball-Bundesliga Gladbachs Sturmflaute: „Brauchen Spieler, die Tore schießen“
- Fußball-Bundesliga VfB bangt vor Köln-Duell um Schlüsselspieler Stiller
Es war ein Schwerpunkt des Trainings: „Umschalter zu Ende spielen!“, rief Wagner zwischendurch. Und adressierte damit ein Problem, das die Kölner schon länger mit sich herumtragen: Sie sind gut darin, dem Gegner den Ball abzujagen. Das Anschlussspiel dagegen liegt ihnen weniger. Daher die klare Ansage, den Gegner in einem unsortierten Moment zu erwischen, indem man gleich nach vorn spielt und den Ball schnell rotieren lässt, statt ihn über den Platz zu führen.
Der VfB Stuttgart, am Samstagabend (18.30 Uhr) Kölner Gegner in der Bundesliga, kommt in dieser Saison auf durchschnittlich 58 Prozent Ballbesitz, nur die Bayern und Bayer 04 Leverkusen haben mehr. Wie gegen Leipzig wird es für die Kölner also darum gehen, auf der Lauer zu liegen – und aus ihrem wenigen Ballbesitz schnell etwas zu machen. „Wir werden nicht viele solcher Aktionen haben. Aber ein paar werden es sein“, rief Wagner den Kölner Profis zu.
Es bleibt nach dem Spiel genug Zeit, um am Sonntag und am Montag die Züge zu genießen
Es war ein intensives Trainingsspiel, es ging teils hart zu, vor allem jedoch konzentriert. Am Donnerstag werden die Kölner nach dem Training im Mannschaftsbus zunächst nach Frankfurt reisen, wo sie am Freitag auf dem DFB-Campus das Abschlusstraining absolvieren. Von dort geht es weiter nach Stuttgart. Dass die Kölner an Karneval auswärts spielen, um der unübersichtlichen Lage in der Stadt nicht zusätzlich eine Veranstaltung mit 50.000 Menschen in Müngersdorf zu bescheren, sieht Kwasniok mit gemischten Gefühlen. Zwar sei die „Vorbereitung etwas fokussierter. Dafür ist man aber auch nicht in der Stadt“, sagte er, um einen versöhnlichen Abschluss zu formulieren: „Es bleibt nach dem Spiel genug Zeit, um am Sonntag und am Montag die Züge zu genießen“, sagte er.

Sebastian Sebulonsen diskutiert während des Spiels gegen RB Leipzig mit seinem Kollegen Said El Mala.
Copyright: IMAGO/Beautiful Sports
Am vergangenen Freitag hatte er darauf hingewiesen, dass den Reiseplan mit der vorzeitigen Abfahrt Menschen entschieden hätten, „die mehr zu sagen haben als meine Wenigkeit“, womit er sich ein wenig von der Planung distanziert hatte. Am Dienstagabend nannte er noch den ganz grundsätzlichen Vorteil des Auswärtsspiels: „Sonst hätten wir ja nicht wegfahren können.“
Die Reisegruppe wird bis auf die Langzeitverletzten vollständig sein. Nach den Sorgen wegen einer Knieblessur im Spiel gegen Leipzig (1:2) trainierte Ragnar Ache am Mittwoch uneingeschränkt mit der Mannschaft. Joel Schmied und Dominique Heintz waren ebenfalls voll integriert, was Kwasnioks Möglichkeiten in der Abwehr erweitert. Im Abschlussspiel verteidigte eine Viererkette mit Rav van den Berg und Cenk Özkacar im Zentrum. Links spielte Kristoffer Lund, rechts Sebastian Sebulonsen, der in den vergangenen Wochen als Innenverteidiger eingesprungen und von Spiel zu Spiel besser geworden war. Möglicherweise steht für den Norweger gegen die auf den Flügeln stark besetzten Stuttgarter ein Positionswechsel an. Immerhin: Verkleiden müsste er sich dafür nicht.


