Abo

Viel Aufwand, zu geringer ErtragDer FC macht sich das Leben schwer

6 min
Ragnar Ache 1. FC Koeln, 09 mit Emotion. GER, SC Freiburg - 1. FC Koeln, Fussball, Bundesliga, 19. Spieltag, Saison 2025/2026, 25.01.2026 DFL DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO GER, SC Freiburg - 1. FC Koeln, Fussball, Bundesliga, 19. Spieltag, Saison 2025/2026, 25.01.2026 Freiburg *** Ragnar Ache 1 FC Koeln, 09 with emotion GER, SC Freiburg 1 FC Koeln, Football, Bundesliga, Matchday 19, Season 2025 2026, 25 01 2026 DFL DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND OR QUASI VIDEO GER, SC Freiburg 1 FC Koeln, Football, Bundesliga, Matchday 19, Season 2025 2026, 25 01 2026 Freiburg Copyright: xEibner-Pressefoto/ThomasxHessx EP_THS

FC-Stürmer Ragnar Ache hadert nach einer vergebenen Torchance in Freiburg

Köln spielt nicht wie ein Abstiegskandidat, doch es fehlt an Effizienz und Präzision. Trainer Kwasniok ist gefordert, denn das Potenzial im Kader ist da

Auch in den letzten Spielminuten in Freiburg hatte der 1. FC Köln noch einmal alles probiert, mobilisierte die Kräfte, lief erneut hoch an, kam zu Torchancen. Erst köpfte Marius Bülter über das Tor, dann hinderten in der dritten Minute der Nachspielzeit die SC-Verteidiger Matthias Ginter und Bruno Ogbu gemeinschaftlich Kölns Stürmer Ragnar Ache am Abschluss aus kurzer Distanz. Das alles war nicht wirklich zwingend, dafür aber glücklos. Kurz darauf war die Partie beendet und die 1:2-Niederlage des Bundesliga-Aufsteigers nach einem ausgeglichenen Duell besiegelt.

Die letzten Minuten waren sinnbildlich für das Spiel am Sonntag. Und ebenso für weite Teile der bisherigen Saison. In den Derbys in Gladbach (1:3) und in Leverkusen (0:2) hatte der FC sicher enttäuscht, doch auch in diesen beiden Spielen wäre für die Kölner mehr drin gewesen. Komplett chancenlos war die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok nie, selbst in den Begegnungen gegen den FC Bayern München im Pokal (1:4) und in der Liga (1:3) hatte sie überraschend lange gut dagegen und mitgehalten. Doch der Aufwand, den die Kölner regelmäßig betreiben, und der Ertrag stehen nicht im Einklang.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Saison, dass dem FC vor dem gegnerischen Tor die Präzision abgeht und oft auch die Durchschlagskraft im Strafraum fehlt. Die Kölner sind zwar effektiv, aber nicht effizient. Sie machen zwar auf dem Weg zum Ziel die richtigen Dinge, aber sie tun sie nicht richtig. Nur vier Teams hatten mehr TorschüsseIn Freiburg feuerten die Kölner Spieler gleich 17 Torschüsse ab, Bülter allein fünf. Damit hatten sie am Ende fünf mehr als das Heimteam aufzuweisen, das in der Europa League antritt, bei dem drei Tage nach der Partie gegen Tel Aviv gegen Ende auch die Kräfte schwanden.

17 Torschüsse, fünf Ecken, 50 Prozent Ballbesitz: Das sind nicht die Zahlen eines krassen Außenseiters. Beim einzigen Kölner Tor indes musste schon ein Freiburger tatkräftig mithelfen, Max Rosenfelder hatte den Ball zur frühen Gäste-Führung ins eigene Tor bugsiert (10.). Man wird unter dem Strich das Gefühl nicht los, dass nach den ersten Saisonspielen, in denen der FC auch manchmal mit dem Glück im Bunde gestanden und fleißig gepunktet hatte, oftmals mehr drin gewesen wäre. So auch in Freiburg.

1. FC Köln: Nur vier Mannschaften schießen öfter auf das Tor

Einige Zahlen lassen aus diesem Gefühl Fakten werden. Der xGoal-Wert (Expected Goals, zu erwartende Tore) beträgt beim FC im Durchschnitt der bisherigen 19 Saisonspiele pro Partie 1,39. Damit nehmen die Kölner in dieser Statistik einen für einen Aufsteiger guten achten Platz ein. Doch der FC vergab bereits 31 Großchancen. Einerseits muss man sich erst einmal 31 Großchancen herausspielen, nur fünf Teams weisen in der Liga mehr auf. Darunter die Spitzenteams Leipzig, Leverkusen, Stuttgart und der FC Bayern, die ohnehin in ihrem Offensivspiel ein anderes Selbstverständnis haben. Auch was die Gesamtanzahl der Torschüsse angeht, kommt der 1. FC Köln auf einen für einen Aufsteiger erstaunlichen Wert. Nur vier Mannschaften schossen öfter auf das gegnerische Tor – erneut sind dies Leipzig, Leverkusen, Stuttgart und Bayern. Die Passquote (83,5 Prozent) und der Ballbesitz (48,5 Prozent) sprechen für eine strukturierte, ambitionierte Spielanlage.

Was die Laufbereitschaft angeht, macht dem Kwasniok-Team ohnehin keiner etwas vor. Nur die unter Trainer Vincent Kompany extrem fleißigen Bayern (2353 Kilometer) spulten insgesamt mehr Kilometer ab als die Kölner (2304). Doch neben der Präzision im letzten Spieldrittel geht dem FC vielleicht auch etwas die gesunde Härte ab. 150 Fouls begingen die Kölner bisher – keine Mannschaft langte seltener hin. Auch das Zweikampfverhalten ist ausbaufähig, denn nur zwei Teams gewannen weniger Duelle. Und vielleicht fehlt auch manchmal die Cleverness oder das Spielglück aufgrund von Schiedsrichter-Entscheidungen, bisher bekam der FC nur einen einzigen Elfmeter zugesprochen.

Und so haderten nach dem Abpfiff entsprechend die Kölner Protagonisten unisono. „Es wäre heute absolut mehr drin gewesen. Wir haben sehr viel Druck gemacht in der zweiten Halbzeit. Deswegen ist es umso bitterer und nervt mich auch sehr. Freiburg ist so erfahren, die ziehen so ein Spiel dann, und wir stehen mit leeren Händen da“, haderte Mittelfeldspieler Tom Krauß. Auch für Linton Maina wäre „Minimum ein Punkt“ möglich gewesen, „wir haben auch im zweiten Durchgang wenig zugelassen. Wir wollten unbedingt, haben aus allen Lagen probiert, Gefahr auszustrahlen. Es hat vielleicht ein bisschen die Zielstrebigkeit gefehlt. Auch bei meiner ersten Chance kann der Ball besser auf das Tor gehen.“ Und Trainer Lukas Kwasniok befand: „Meine Laune ist auf der einen Seite nicht ganz so cool, weil wir verloren haben. Aber aufgrund der gezeigten Leistung kann ich mit der Niederlage umgehen. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Das Ergebnis war nicht auf unserer Seite, die Leistung sehr wohl.“

Doch will der FC nicht noch in den Schlamassel und sogar in den unmittelbaren Bundesliga-Überlebenskampf geraten, wird er sich in den kommenden Wochen von guten Statistiken allein nichts kaufen können. Von den vergangenen zehn Liga-Spielen konnten die Kölner nur eines gewinnen, das jüngste Heimspiel gegen Mainz (2:1). Sechs von 30 möglichen Punkten sind eine unbefriedigende Ausbeute. Der Vorsprung auf Relegationsrang 16, den Mainz einnimmt, ist auf fünf Punkte geschmolzen. Und hätte Ache gegen die Rheinhessen nicht kurz vor Schluss getroffen, hätte der FC sogar nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den FSV.

Kwasniok-Team im Heimspiel gegen Wolfsburg erneut unter Druck

Am Dienstag werden die Kölner auch Richtung Norden blicken, wenn Bremen und St. Pauli ihre Nachholspiele bestreiten. Gegen Hoffenheim und Leipzig sind beide indes Außenseiter. Bereits am Freitag kommt dann ein direkter Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt nach Müngersdorf: der irrlichternde VfL Wolfsburg, der mal wieder den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Wie bereits vor dem Heimspiel gegen Mainz ist der Druck auf den FC hoch. „Hoffentlich ist am Freitag das Glück wieder auf unserer Seite“, sagte Maina. Damit allein dürfte es aber nicht getan sein. Der FC muss das Glück auch erzwingen.

Und Kwasniok muss es schaffen, dass die vorhandenen Waffen des FC wieder mehr zur Geltung kommen. Der Kader, so das Urteil vieler Experten, hat auf jeden Fall genügend Qualität, um den Klassenerhalt ohne großes Zittern zu erreichen. Doch die erfahrenen Angreifer Ragnar Ache, Luca Waldschmidt, Marius Bülter und Linton Maina erzielten zusammen erst elf Tore – das ist absolut ausbaufähig. Eine andere Wahrheit: Von bisher insgesamt 1710 Spielminuten (ohne Nachspielzeit) standen sie durchschnittlich jeweils 679,5 Minuten auf dem Platz. Und Flügelspieler Said El Mala, mit sieben Toren der treffsicherste FC-Profi, kommt auch gerade auf etwas mehr als die Hälfte der möglichen Spielzeit (914).

Dabei ist El Mala ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann, der aber in den vergangenen fünf Spielen drei Mal erst auf der Bank Platz nehmen musste. In Freiburg war der 19-Jährige nach einem erst kurz zuvor auskurierten Infekt wohl noch etwas geschwächt und kam erst nach 67 Minuten ins Spiel – was wirkungslos verpuffte. Die Kölner hoffen, dass gegen Wolfsburg nun wieder auch seine Stunde schlägt. Denn El Mala gab nicht nur die zweitmeisten Torschüsse aller Kölner ab (38), sondern hat mit sieben Treffern auch die beste Torquote. Und somit immerhin eine gewisse Effizienz.