Die WM zeigt auch neue Dimensionen der Stadiontechnik. „So etwas wird auch in Europa wichtiger“, sagt der Chef der Lanxess-Arena.
Fußball-WMVideo-Wände sind die heimlichen Stars – Wird es so etwas in Köln geben?

Volle Dröhnung: Die endlose Video-Wand in Los Angeles beherbergt auch 268 Lautsprecher.
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Größer, bunter, weiter: Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko hat viele Rekorde gesprengt. So viel Teilnehmer wie nie, so viele Besucher wie nie –und top-moderne Stadien. In denen werden vor allem die gigantischen Video-Wände und die moderne Medientechnik in Erinnerung bleiben. Die amerikanischen Stadien – vorwiegend Schauplätze des American Football – wurden im Vorfeld aufwendig modernisiert und das Zuschauer-Erlebnis durch riesige Stadionleinwände maximiert. Die WM als Technologie-Schau. Leben die USA in einer neuer Stadionwelt, die auch unsere Sportstätten prägen wird?
„Die WM-Arenen in Nordamerika zeigen sehr deutlich, auf welchem Niveau der internationale Markt inzwischen denkt: nicht nur in Sitzplätzen, sondern in Erlebnisarchitektur, Hospitality, Inszenierung, Bildflächen, Daten, Sound und Fanführung“, sagt Stefan Löcher, Chef der Lanxess-Arena. Gerade die großen US-Stadien sind in vielen Bereichen extrem konsequent gebaut – als Sportstätte, Entertainment-Plattform und Medienprodukt zugleich. „Das ist beeindruckend und auch ein guter Gradmesser für uns in Europa.“ Gleichzeitig müsse man aufpassen, nicht eins zu eins zu vergleichen. Viele dieser Stadien sind Neubauten oder sehr junge Großprojekte mit anderen Grundstücksflächen, anderen Investitionssummen und anderen Nutzungskonzepten. „Aber die Richtung ist klar: Live-Events werden visueller, immersiver und stärker inszeniert. Das sehen wir auch bei internationalen Produktionen, die bei uns in der Lanxess-Arena gastieren.“
Ausscheiden der deutschen Mannschaft auf zwei Live-Wänden
Bisweilen sind die Leinwände auf der anderen Seite des Atlantiks so breit wie eine komplette Tribüne. Das führt dazu, dass Zuschauer in Live-Bildern (die es bei der WM gibt) auch knifflige Situationen schneller auflösen können. Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft im Elfmeterschießen gegen Paraguay konnten die Zuschauer im Football-Stadium von Foxborough nahe Boston auf zwei gigantischen Live-Wänden hinter dem Tor verfolgen – jubeln und leiden in neuen Dimensionen.

Dreifaches Erlebnis: Paraguays Siegtreffer gegen Deutschland live und auf zwei riesigen Videowänden.
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Bei den neu eingeführten Trinkpausen, die jede Hälfe nochmal einen teilen, verwandeln sich die Tafeln in gigantische Werbeflächen und spülen den Veranstaltern Millionenumsätze in die Kassen. Kritik an den Unterbrechungen gibt es von Spielern, Trainern und Fans. Fifa-Präsident Gianni Infantino bestreitet, dass finanzielle Interessen hinter der Einführung der Erfrischungspausen stehen. „Wir verdienen dadurch keinen einzigen Dollar mehr, weil sämtliche Verträge bereits vor ihrer Einführung abgeschlossen wurden“, sagte er in einem Interview. Gleichzeitig kündigte er an, die Erfahrungen dieser Weltmeisterschaft genau auszuwerten.

Vor Spielbeginn im New York New Jersey Stadium
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„Die Dimensionen in den USA sind beeindruckend. Speziell das Stadion in New York hat mir sehr gut gefallen", sagt FC-Präsident Jörn Stobbe, der gerade aus den Staaten zurückgekehrt ist. Von der reinen Zuschauerkapazität käme das der Vision eines ausgebauten Rhein-Energie-Stadions schon sehr nahe, sagt er, „auch wenn die Architektur sicher nicht eins zu eins auf unsere Fußballkultur übertragbar wäre“. Der Vereinschef hat sich vor seiner Wahl deutlich für eine Vergrößerung des Stadions in Müngersdorf ausgesprochen. Ins New Yorker MetLife-Stadium passen während der WM 82.500 Zuschauer. Am Sonntag findet hier das Finale statt.

Der leuchtende Glasboden in der Arena wurde im April beim Handball-Pokal-Finale zur Showbühne.
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„Die Dimensionen sind enorm“, sagt Arena-Chef Löcher. Die ganze Inszenierung werde in den USA noch stärker aus der Perspektive des Showgeschäfts gedacht als hierzulande. Dennoch bewege sich auch die Deutzer Multifunktionshalle im Indoor-Bereich auf einem sehr hohen technischen Niveau. „Wir sind in Deutschland Marktführer und im europäischen Vergleich seit Jahren ganz vorne dabei.“ Bei Sportevents wie dem Final Four im Handball kommt regelmäßig zusätzliche Technik hinzu – zusätzliche LED-Flächen, Licht, Laser, Kameratechnik, Showelemente. Im Frühjahr wurde beim Handball-Pokalfinale erstmals der Boden der Halle als leuchtende LED-Wand bespielt.
Lanxess-Arena plant zweiten 360-Grad-LED-Ring
Grundsätzlich werden Bild, Licht, Sound und digitale Inszenierung für Live-Events immer wichtiger. „Entscheidend ist nicht, einfach die größte Fläche zu haben“, sagt Löcher. „Wesentlich ist, dass Technik zuverlässig, flexibel und wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann.“ Konkret beschäftigt sich der Kölner Hallen-Chef mit einem zweiten 360-Grad- LED-Ring im Innenraum, oberhalb des bestehenden Display-Rings zwischen Unterrang und Oberrang. Die Arbeiten sollen im kommenden Monat beginnen.
Die großen amerikanischen Ligen spielen in einer anderen Liga. Zu den Stars der WM zählt etwa der Infinity-Screen des Los Angeles Stadium. Wie ein geschwungenes Gemälde windet sich die 6500 Quadratmeter große Leinwand unter das Hallendach. 80 Millionen Pixel umfasst die hypermoderne Bildschirmlandschaft Dreifaches Erlebnis: Paraguays Siegtreffer gegen Deutschland live und auf zwei riesigen VideowändenDreifaches Erlebnis: Paraguays Siegtreffer gegen Deutschland live und auf zwei riesigen Videowänden – Weltrekord. Die elliptische Videowand gilt als der größte Screen in einer Sportstätte und beherbergt 268 Lautsprecher und 40 Subwoofer. Die volle Dröhnung für 70.000 Fans. Manch einem ist die Bilderschau in Endlosschleife im SoFi-Stadium zu viel, für andere ist es das Stadionerlebnis der Zukunft.

So breit wie eine Tribüne: die Video-Wand in Houston.
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Im Estadio Santiago Bernabéu von Madrid ist ein ähnlicher Ring bereits integriert. Seit dem Umbau zu einer Multifunktionsarena, der 2024 abgeschlossen wurde, bekommen die Besucher königliche Bilder im ganzen Oval präsentiert. Die Video-Wand umfasst bescheidene 3700 Quadratmeter. Über die Kosten hüllte der Superclub den Mantel des Schweigens. Der Stadion-Umbau insgesamt kostete eine Milliarde Euro.
„Ich glaube, solche Lösungen werden in Europa definitiv eine größere Rolle spielen“, sagt Arena-Chef Löcher. „Aber nicht jede Arena und nicht jedes Stadion wird künftig einen 360-Grad-Videoring bekommen. Dafür sind die Gebäude, Dachlasten, Sichtachsen, Investitionszyklen und Nutzungskonzepte viel zu unterschiedlich.“

Taugt auch zum Papstbesuch: Papst Leo XIV. trifft am 8. Juni die Diözesangemeinde im umgebauten Santiago-Bernabéu-Stadion in Madrid.
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Man müsse sehr genau unterscheiden zwischen einem Stadion, das in erster Linie für einen Sport gebaut ist, und einer echten Multifunktionsarena wie der Kölner Arena. „Bei uns geht es nicht nur um Sport. Wir haben Konzerte, Shows, Corporate Events, E-Sport, Comedy, große TV-Produktionen und internationale Sportevents im Haus. Diese Vielfalt ist eine unserer größten Stärken – und sie stellt ganz andere Anforderungen an die Technik.“
Kölner Arena-Chef lobt Stadion von Los Angeles
Bestimmte Festinstallationen könnten im Zweifel für die Multifunktionalität einschränkend sein, sofern sie den Wechsel von einer Kopfbühne bei einem Konzert auf 360-Grad-Sport einschränken. Bei Produktionen etwa mit sehr hohen Bühnen brauche es maximale Flexibilität. Dennoch: „Das SoFi Stadium in Los Angeles ist sicher eines der spannendsten Beispiele, wenn man über moderne Stadionarchitektur und Videotechnik spricht“, findet Stefan Löcher. „Diese Verbindung aus Architektur, Dachkonstruktion, Videoboard und Entertainment-Anspruch ist schon außergewöhnlich.“

Volles Haus: Der gigantische Videowürfel in Dallas zeigt die Zuschauerzahl beim Spiel Portugal gegen Spanien.
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Die riesigen LED-Ringe und Großflächen in den Kurven, wie man sie beispielsweise in Los Angeles sieht, wirken auf FC-Präsident Stobbe eher befremdlich. Er sagt auf Anfrage: „Für den 1. FC Köln gilt: Ich wünsche mir genau dort mehr Fans und Emotionen, keine Monitore. In unserer Südkurve wäre für so etwas schlichtweg kein Platz, sie gehört unseren Fans.“ Das bedeute aber nicht, dass sich der Klub modernen Technologien verschließe. „Eine Lösung wie einen hoch schwebenden und sehr gut verankerten Videowürfel unter dem Dach können wir uns durchaus vorstellen und werden solche Ideen auch prüfen.“
Arena-Erlebnis vor der Tür
Das Stadionerlebnis wird durch neue Technik auch außerhalb der Arenen spürbar. Der Sender Fox Sports und Cosm veranstalten während der WM in drei US-Städten ein immersives Erlebnis. Cosm ist ein Sport- und Unterhaltungsunternehmen, das Veranstaltungen für Reality-Entertainment mit großformatigen Bildschirmen betreibt. Bei der WM haben die Partner in Atlanta, Los Angeles und Dallas Veranstaltungen zu 40 Spielen angeboten. Die Partien werden dabei auf der großen, gewölbten LED-Wand gezeigt. Diese Displays haben einen Durchmesser von 26 Metern. Ihre Auflösung beträgt mehr als 12K. Zusammen mit einem räumlichen Audio entsteht so eine Mischung aus gefühltem Stadionerlebnis und Premium-Public-Viewing.
Der Spielplan für die immersiven Erlebnisse umfasste elf Gruppenspiele — darunter alle Spiele des US-Teams sowie das Finale. Bereits bei früheren Sportveranstaltungen haben Fox Sports und Cosm ähnliche Produktionen aufgesetzt, so verlängerte Cosm auch seine Partnerschaft mit der Basketball-Liga NBA. Fox hält für die WM die englischsprachigen Übertragungsrechte in den Vereinigten Staaten.