Der US- und der Fifa-Präsident sorgen für einen massiven WM-Skandal. Die Zukunft macht keine Hoffnung auf Besserung.
Trump und InfantinoDer Fußball im Würgegriff


Gute Freunde: Donald Trump (r.) und Gianni Infantino
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Eine der angenehmsten Überraschungen des bisherigen WM-Turniers war die fast vollständige Abwesenheit des US-Präsidenten. Während in Nordamerika das größte Sportevent der Welt Helden-Geschichten wie jene von Kap Verde und Dramen wie das deutsche schrieb sowie den Stempel der Mega-Stars Lionel Messi, Kylian Mbappé und Erling Haaland aufgedrückt bekam, war Donald Trump anderweitig beschäftigt: Blutige Käfigkämpfe am Weißen Haus veranstalten, einen Kleinkrieg mit der italienischen Ministerpräsidentin anzetteln und den von ihm begonnen echten Krieg gegen den Iran zu schlechteren Bedingungen wieder zu beenden.
Doch seit Sonntagabend deutscher Zeit steht die WM wieder unter Trumps direktem Einfluss. Gemeinsam mit Fifa-Boss Gianni Infantino hat der US-Präsident wohl einen der größten Skandale der WM-Historie zu verantworten: Auf Wunsch des Weißen Hauses setzte der Weltverband offenbar die Sperre für den vom Feld verwiesenen US-Stürmer Folarin Balogun zur Bewährung aus, begnadigte den Torjäger des Gastgebers defacto. Eine Begründung blieb die Fifa schuldig. Per Handstreich fegten Trump und Infantino das Fußball-Regelwerk beiseite – und beschädigten den beliebtesten Sport der Welt damit nachhaltig.
In der Fifa diktieren die Starken, wo lang es geht
Denn der Kernpunkt einer jeden Sportart sollte sein, dass die Regeln allgemeingültig für alle Teilnehmenden sind. Unabhängig von Faktoren wie Nationalität, Religion, Geschlecht oder Status. Das Regelwerk ist das Fundament des Sports. Doch spätestens der Fall Balogun hat bewiesen, dass es keine Gleichheit in Infantinos Fifa gibt. Im Verband des machthungrigen Schweizers diktieren die Starken, wo lang es geht. Kaum vorstellbar, dass ein Spieler aus Paraguay oder der DR Kongo nach einem vergleichbar umstrittenen Platzverweis eine ähnliche Sonderbehandlung erhalten hätte.
Während man von Trump, der seit jeher keinerlei Wert auf sportliche Fairness oder das Einhalten von Regeln hält, ein derart plumpes Vorgehen zum vermeintlich eigenen Vorteil erwarten konnte, blieb bis Sonntagabend zumindest eine kleine Resthoffnung, dass es irgendwo in der Chefetage der Fifa einen halbwegs charakterstarken Funktionär geben würde, der dem Irrsinn des US-Präsidenten Einhalt gebieten könnte. Doch hier war der Wunsch der Vater des Gedankens.
Dabei ist es fraglich, ob Trump und Infantino dem US-Team oder Balogun selbst überhaupt einen Gefallen getan haben. Bislang hatte die Mannschaft von Mauricio Pochettino für eine hervorragende US-Außendarstellung gesorgt: Intensiver, schneller und moderner Fußball. Ein intaktes Team, ein sympathisches Auftreten. Der Gastgeber hatte sich den Platz im Achtelfinale mehr als verdient. Nun liegt auf allem der Begnadigungs-Schatten.
Makel wird auch an Balogun haften
Balogun selbst dürfte den Makel ebenfalls so schnell nicht loswerden. Dabei ist es unwahrscheinlich, dass er sich gerne in der Nähe des Präsidenten wiederfinden möchte. Wenn es nach Trump ginge, wäre der Stürmer gar kein Amerikaner: Denn der Sohn nigerianischer Eltern ist nur aufgrund des von der Maga-Bewegung verhassten Geburtsortsprinzips („Birthright Citizenship“) überhaupt US-Bürger. Seiner Mutter wurde 2001 aus gesundheitlichen Gründen der Weiterflug aus New York verweigert – weshalb Balogun in Brooklyn zur Welt kam und 25 Jahre später bei der WM im US-Trikot für Furore sorgen kann.
Die Aussichten auf nachhaltige Änderungen im Weltfußball sind trotz aller Skandale trist: Nach dem WM-Ende wird Trump zwar das Interesse am Fußball wieder verlieren, doch wird das „Beautiful Game“ in Infantinos Geiselhaft bleiben. Zwar hagelte es in den letzten zwei Tagen vor allem aus Europa Kritik – dennoch ist vor der Präsidentschaftswahl 2027 kein Gegenkandidat für den 56-Jährigen in Sicht. Die Fifa scheffelt unter seiner Alleinherrschaft mit der WM Milliarden, von denen vor allem die kleinen Mitgliedsverbände profitieren – und deshalb dem Sonnenkönig des Fußballs weiter treu ergeben sein werden. Selbst wenn er seinen eigenen Sport Stück für Stück zu Grabe trägt.
