Beim 7:1-Sieg gegen Curaçao jubelten und sangen die Amerikaner im Stadion begeistert mit: „Major Tom“ wird zur transatlantischen WM-Torhymne.
„Major Tom“ bei der WMWarum die Amerikaner Deutschlands Torhymne mitsingen

Jamal Musiala (Deutschland) bejubelt sein Tor zum 4:1. Dazu ertönte „Major Tom“ von Peter Schilling.
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Beim deutlichen 7:1-Erfolg von Deutschland gegen Curaçao im ersten Gruppenspiel der Gruppe E verwandelte sich das Houston NRG Stadium bei jedem Treffer in eine stimmungsvolle Fankurve: Die US-amerikanischen Zuschauer jubelten und sangen auf den Rängen begeistert mit.
Grund dafür ist Peter Schillings Achtziger-Jahre-Hit „Major Tom“, den der DFB für die deutsche Nationalmannschaft erst vor wenigen Tagen als offizielle Torhymne für die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada bestätigt hat.
Peter Schillings „Major Tom“: Der historische US-Erfolg
Da die FIFA den Verbänden bei diesem Turnier erstmals eigene Songauswahlen erlaubt, setzt sich das popkulturelle Phänomen, das in Deutschland als EM-Hype 2024 begann, nun nahtlos auf interkontinentaler Bühne fort. Zumal der Song im Gastgeberland alles andere als ein Unbekannter ist.
Anders als viele Klassiker der Neuen Deutschen Welle war „Major Tom (Coming Home)“ 1983 ein internationaler Charterfolg. Die englischsprachige Version erreichte Platz 14 der US-Billboard-Charts und führte wochenlang die dortigen Dance-Club-Hitlisten an.
Der Song traf damals den exakten Nerv der amerikanischen Synth-Pop-Ära und lief in den USA ungefähr zur gleichen Zeit in den Charts wie Nenas Welthit „99 Luftballons“. Für die ältere Generation der US-Sportfans ist die Melodie daher fester Bestandteil des kollektiven Musikgedächtnisses jener Zeit.
Präsenz in der modernen Popkultur
Auch jüngere US-Zuschauer kennen den Titel, da Hollywood den Song mehrfach für reichweitenstarke Produktionen reaktivierte. In der weltweit erfolgreichen Serie „Breaking Bad“ singt die Figur Gale Boetticher den Song in einer prominenten Karaoke-Szene.
Zudem diente der Track als offizielle Titelmelodie für die Spionage-Serie „Deutschland 83“, die im US-Streaming große Erfolge feierte. Der Song ist den Amerikanern somit über Generationen hinweg vertraut geblieben.
Die US-Sportkultur ist auf rituelle Spielunterbrechungen und lautstarke Stadion-Countdowns von vier bis eins optimiert. Der Rhythmus von „Major Tom“ fügt sich nahtlos in diese Event-Inszenierung ein. Ob die lokalen Fans den deutschen Refrain mitsingen oder instinktiv auf die englischen Zeilen wechseln, ist für die Stimmung im Stadion nebensächlich.
Strategischer Wechsel des DFB
Mit der Wahl von Schillings Komposition setzt der DFB erstmals seit Jahren auf einen deutschsprachigen Pop-Hit mit klarer kultureller Identität statt auf einen international verbreiteten Stadion-Standard. Im März 2024 wurde der langjährige Techno-Klassiker „Kernkraft 400“ von Zombie Nation als Torhymne der Nationalmannschaft abgelöst.
Durch die Nominierung eines historisch mit dem Gastgeberland verbundenen Pop-Hits nutzt der Verband die Musikauswahl zugleich als Instrument kultureller Selbstdarstellung. Neben dem Torlied wurden mit „An Tagen wie diesen“ von Die Toten Hosen und „Zeit, dass sich was dreht“ von Herbert Grönemeyer zwei weitere „Signature Songs“ an die FIFA übermittelt. Der Toten-Hosen-Klassiker wurde nach Abpfiff des ersten Deutschlandspiels im Stadion gespielt.
