Abo

„Holt ihn da weg“Matthäus fleht Bundestrainer Nagelsmann wegen Joshua Kimmich an

3 min
Joshua Kimmich ist der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft.

Joshua Kimmich ist der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. 

Das Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft kommt nicht richtig in Schwung. Das gefällt dem Weltmeister von 1990 auch nicht.

Erst umkurvte Joshua Kimmich geschickt die drängende Frage zum Positions-Pingpong, dann schlich der Kapitän eilig in seiner kurzen Hose davon. Und obwohl auch Julian Nagelsmann so gar nichts von irgendwelchen Problemen im Maschinenraum des deutschen Spiels hören wollte, diskutierte die aufgeregte Fußballnation in der Heimat umgehend das leidige Dauerthema: Muss Kimmich zurück ins Mittelfeldzentrum und dort die Reihen schließen?

Sollte es rechts eine Alternative zum Anführer des DFB-Teams geben, „tut ihm einen Gefallen und holt ihn da hinten weg“, flehte Lothar Matthäus nach dem herben WM-Dämpfer gegen Ecuador (1:2). Dort, betonte der Rekordnationalspieler bei Bild, habe der Münchner „nicht den Einfluss, den ich mir von einem Kapitän wünsche“. Kimmich bemühe sich, „aber er ist nicht da, wo er sein soll“.

Lothar Matthäus will Joshua Kimmich im Mittelfeld sehen

Also zurück von der rechten Abwehrseite ins Mittelfeld? Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha hinterließen im letzten Gruppenspiel gegen giftige Südamerikaner jedenfalls keinen gefestigten Eindruck. Dennoch bescheinigte der Bundestrainer dem Duo auf der Doppelsechs eine „gute“ Leistung. Kimmich sei bei der EM 2024 dazu ja ein „top Rechtsverteidiger mit den mit Abstand besten Werten“ gewesen. Und überhaupt: „Ich will weder auf Felix noch auf Pavlo verzichten.“

Thema damit erledigt? Mitnichten. Selbst Nagelsmann, der im aufsehenerregenden kicker-Interview im März noch den bisher kaum beachteten Leon Goretzka als Konstante im Mittelfeld genannt hatte, hielt sich für den Verlauf der Titelmission eine Hintertür offen. Er sagte vor dem ersten K.o.-Duell am Montag in Foxborough: Ein weiterer Wechsel im Hin und Her mit Kimmich sei „nicht geplant“. Er sagte aber auch: „Im Fußball sollte man nichts ausschließen.“

Julian Nagelsmann stellt Joshua Kimmich immer wieder um

2023 hatte Nagelsmann seine Amtszeit mit Kimmich im Zentrum begonnen. Er zog ihn für die EURO nach rechts, beorderte ihn dann zurück ins Mittelfeld, um ihn im Oktober 2025 wieder als Rechtsverteidiger aufzubieten. Unweigerlich werden Erinnerungen an 2014 wach, als Joachim Löw darauf beharrt hatte, Philipp Lahm im Mittelfeld aufzustellen. Erst nach dem Achtelfinale korrigierte der damalige Bundestrainer seine Entscheidung. Am Ende holte das DFB-Team den Titel.

Nun, das glaubt Matthäus, ist wieder die Zeit gekommen, um einzulenken. Er sehe „Joshua nicht auf dem Platz, wie ich ihn seit Jahren kenne“. Bei den Bayern, wo Kimmich zentral spielt, sei er „absolute Weltklasse“, sagte der Weltmeister von 1990. Und im Nationalteam? „Ich sehe ihn nicht von der Körpersprache und der Positionierung als jemanden, der die Mannschaft führt, der Einfluss nimmt, wenn es nicht so läuft.“ Hinten auf rechts schaffe er das „irgendwie nicht“.

Kimmich, der die Fragen nach seiner Lieblingsposition angesichts der ständigen Wechsel stets diplomatisch beantwortet hatte, blieb bei seiner Linie. Dies sei „einzig und allein die Entscheidung des Trainers“, es gehe darum, wo Nagelsmann das Gefühl habe, „wo ich am besten weiterhelfen kann“, versicherte der Kapitän: „Da wird er mich aufstellen. Und da spiele ich dann.“ (sid)