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Bayer 04 im DFB-Pokal-HalbfinaleEin Schuss, keine Chance – Bayern zieht ins Finale ein

5 min
Leverkusens Ibrahim Maza nach dem Spiel.

Leverkusens Ibrahim Maza nach dem Spiel.

Bayer 04 hat im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern mit 0:2 verloren und damit die letzte Titelchance der Saison verspielt.

Guess who’s back – ratet mal, wer zurück ist – mit diesem Schriftzug auf den Shirts ließen sich die Spieler des FC Bayern am Mittwochabend vor der Gästekurve in der BayArena feiern. Sechs Jahre nach dem letzten Besuch in Berlin kehren die Münchner Ende Mai zum Endspiel im DFB-Pokal zurück. Der Meister machte es bei Bayer 04 spannender als nötig, zog aber völlig verdient mit einem 2:0-Erfolg ins Finale ein.

Leverkusen war in allen Belangen unterlegen und verspielte die letzte Titelchance. Der Auftritt passte zum Gesamtbild der Saison, die mit der Qualifikation für die Champions League über die Bundesliga ein versöhnliches Ende finden soll. „Es gibt immer unsere Leistung, aber auch einen sehr, sehr guten Gegner. Mark Flekken hat uns im Spiel gehalten, deswegen hatten wir in den letzten 20 Minuten die Chance. Wir hätten nur einen Moment gebraucht, aber Bayern verteidigt auch sehr gut“, sagte Bayers Trainer Kasper Hjulmand.

Der Däne setzte in diesem Duell, das in den vergangenen Jahren auf Augenhöhe geführt worden war, wieder auf seinen Kapitän. Robert Andrich, der beim 1:2 gegen den FC Augsburg pausieren musste, kehrte in die Mitte der Dreierkette zurück. Loic Badé musste auf die Bank. Ansonsten vertraute der Coach auf die Spieler, die gegen den FCA begannen, aber trotz 36 Torschüssen als Verlierer den Platz verließen. Dass es gegen den Rekordmeister, der am Sonntag seinen 35. Titel feierte, einer besseren Chancenverwertung bedarf, war allen bei Bayer 04 klar.

Allerdings hätte es dafür überhaupt mal Torschüsse geben müssen. Zur Pause stand in dieser Statistik eine Null, bei Bayern eine Zehn. Die Münchner hatten vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena zeitweise bis zu 75 Prozent Ballbesitz und wirklich alles im Griff. Dass es nach 45 Minuten nur 1:0 für die Gäste stand, lag mehr daran, dass sie zu verschwenderisch mit ihren Gelegenheiten umgingen, als dass Leverkusen gut verteidigte. Einzig Mark Flekken hatte einen sehr guten Tag erwischt, fischte einen ersten Versuch von Luis Diaz aus dem Eck. Der Niederländer hielt auch stark gegen Harry Kane und Konrad Laimer – beiden Treffern wäre aber die Anerkennung verweigert worden, da sie im Abseits gestanden hatten.

Beide Leverkusener Pläne scheiterten

Leverkusen hatte sich zwei Pläne zur Entlastung und zum eigenen Offensivspiel zurechtgelegt. Beide scheiterten gnadenlos. Die Idee, mit präzisem Passspiel das aggressive Bayern-Pressing zu überspielen, versandete durch Mutlosigkeit und schlampigem Passspiel. Die Exit-Strategie mit langen Bällen auf Patrik Schick brachte auch keinerlei Erfolg – zu stark waren Jonathan Tah und Dayot Upamecano. „Bayern hat sehr gut angefangen. Wir haben nach Balleroberung zu wenig gemacht. Wir hätten schnell herausspielen müssen, es war zu langsam. Das Gegenpressing von Bayern war gut, aber es war auch zu wenig von uns“, sagte Hjulmand. Die Bayern spielten sich regelmäßig um den Leverkusener Strafraum fest, Bayer war viel zu passiv. So auch, als die Hausherren im Vorwärtsgang den Ball verloren, Michael Olise mit einem fantastischen Hackentrick auf Jamal Musiala durchsteckte und Harry Kane am Fünfmeterraum sogar die Freiheit hatte, sich einen Fehler bei der Ballannahme zu leisten und doch noch entspannt zum 1:0 (21.) abschließen zu können. Kane hatte noch vor dem Seitenwechsel die große Chance, zu erhöhen, schoss aber – erneut komplett ungedeckt – über das Tor.

Nach der Pause ging es direkt mit derselben Stoßrichtung weiter. Musiala chippte den Ball nach schönem Steckpass an Flekken vorbei, doch Andrich klärte mit Grätsche vor der Torlinie. Es folgten fünf Minuten, in denen die Bayern mal ganz kurz vom Gaspedal gingen. So kam die Werkself zum ersten Torschuss nach 52 Minuten – und der hatte es in sich. Nathan Tella zog aus halbrechter Position mit seinem schwächeren linken Fuß ab. Manuel Neuer musste in seine große Kiste mit Weltklasseparaden greifen und lenkte den Ball in voller Streckung mit den Fingerspitzen am Pfosten vorbei..

Danach stand wieder Bayers Keeper im Blickpunkt. Flekken gegen Stanisic, Flekken gegen Kane, Flekken gegen Diaz. Dem 32-Jährigen und Bayerns fehlendem Killerinstinkt an diesem Abend war es zu verdanken, dass die Partie bis in die Schlussphase spannend blieb. Der Meister wurde hinten raus ebenfalls etwas schlampig im Passspiel. Leverkusen suchte nach Lösungen, um daraus Kapital zu schlagen. Die Suche blieb jedoch ergebnislos. Diaz erzielte in der Nachspielzeit doch noch den zweiten Treffer für die Bayern, die damit ihr erstes Endspiel der Saison erreicht haben. Gegen Paris St. Germain soll in den kommenden Wochen der zweite Einzug in der Champions League folgen. Für Bayer 04 geht es nun um das letzte verbliebene Saisonziel: die Qualifikation für eben diese Königsklasse. Vier Spieltage sind Zeit, um den vier Punkte Rückstand auf den VfB Stuttgart wettzumachen. Los geht es am Samstag mit dem Derby beim 1. FC Köln (15.30 Uhr).

Leverkusen: Flekken - Quansah, Andrich (84. Tillman), Tapsoba - Vázquez (39. Poku), Palacios, Garcia, Grimaldo - Maza, Tella (77. Culbreath), Schick; München: Neuer - Stanisic, Upamecano, Tah, Laimer (74. Davies) - Kimmich, Pavlovic (74. Goretzka) - Olise, Musiala (84. Kim), Díaz - Kane; Schiedsrichter: Zwayer (Berlin); Tore: 0:1 Kane (22.), 0:2 Díaz (90.+3)