Bayer 04 gastiert am Samstag in Dortmund – für Trainer Kasper Hjulmand ist es mehr als ein normales Pflichtspiel. Er braucht einen überzeugenden Sieg.
Hürzeler oder Glasner?Warum Bayer-Coach Hjulmand in Dortmund gewinnen muss

Trainer Kasper Hjulmand (Bayer Leverkusen) applaudiert nach dem Hinspiel gegen Dortmund (1:2) im November.
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Für Borussia Dortmund ist die Saison eigentlich schon abgeschlossen. In der Champions League und im DFB-Pokal ist der BVB ausgeschieden. In der Bundesliga scheint Platz zwei zementiert. Neun Punkte Rückstand auf den übermächtigen FC Bayern, elf Punkte Vorsprung auf RB Leipzig und Rang drei. Beim Gegner am Samstag (15.30 Uhr, Sky und DAZN) im Signal Iduna Park sieht das anders aus.
Bayer 04 Leverkusen kämpft in der Liga noch um die Qualifikation zur Champions League und im DFB-Pokal gar noch um den Titel. Während Trainer Niko Kovac beim BVB fest im Sattel sitzt, ist die Zukunft von Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand jedoch völlig offen. Der Däne braucht dringend einen überzeugenden Sieg, um seinen Rückhalt zu stärken. „Wir fahren nach Dortmund mit dem klaren Ziel, zu gewinnen. Das wäre ein riesiger Push für uns“, sagt Hjulmand.
Dass sein Team dazu in der Lage ist, hat es bereits im Winter in der dritten Pokalrunde bewiesen, als Bayer 04 1:0 in Dortmund gewann. Deshalb lebt die Hoffnung auf einen Titel weiter – vor dem Halbfinale gegen den FC Bayern in der übernächsten Woche. „Es ist eine gute Erinnerung – aber auch dieses Spiel war sehr eng“, betont Hjulmand. „Dortmund hat daraus gelernt, wir auch. Entscheidend ist: Wir wissen, dass wir dort gewinnen können. Diese Überzeugung haben wir.“ Im Ligahinspiel hatte die Borussia mit 2:1 die Nase vorn. Leverkusens Trainer betonte vor der Partie mehrfach, dass es ein enges Duell auf Augenhöhe sei. Die Tabelle sagt allerdings etwas anderes aus.
15 Punkte Rückstand auf den BVB
In den vergangenen Jahren lieferten sich beide Klubs in der Bundesliga das Duell um die Rolle als erster Bayern-Verfolger. 2024 wurde Bayer 04 Meister, 2025 lag Leverkusen am Ende auf Rang zwei – zwölf Punkte vor den viertplatzierten Dortmundern. Aktuell hat der BVB jedoch 15 Punkte Vorsprung. Nur eine Momentaufnahme, oder mehr? „Wir hatten einen großen Umbruch in diesem Sommer – 14 von 25 Spielern waren neu. Bei Bayern waren es drei – zum Vergleich. Das erklärt viel“, sagt Hjulmand. „Aber wir sind auf dem Weg, und nächste Saison müssen wir diesen Abstand verringern. Dortmund hat gegen Stuttgart zuletzt zwei Tore in der Nachspielzeit erzielt – das ist Klasse. Die haben eine starke Saison gespielt, keine Frage.“
Leverkusen zeigte seine Qualität in dieser Spielzeit immer wieder. Über eine längere Strecke kam die Werkself jedoch zu selten an ihr Leistungsniveau heran. Allen voran sind da die teuren Sommerzugänge zu nennen. Für Loïc Badé, Equi Fernández, Malik Tillman und Eliesse Ben Seghir zahlte Bayer 04 im vergangenen Sommer mehr als 100 Millionen Euro. Ihr Ertrag auf dem Platz war bisher überschaubar. „Da ist viel Qualität, es sind gute Spieler“, sagt Hjulmand. „Die Spieler haben Qualität, aber die Mannschaft als Ganzes braucht Zeit, um das auch konstant zu zeigen. Und für viele Spieler ist es auch neu, jeden dritten Tag zu spielen.“ Die englischen Wochen sind – bis auf das Pokalspiel gegen Bayern – nach dem Ausscheiden gegen den FC Arsenal im Champions-League-Achtelfinale für diese Saison aber erledigt. Hjulmand hat nun deutlich mehr Zeit auf dem Trainingsplatz.
Die Forderung der sportlichen Führung um Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes ist klar: Hjulmand muss in den verbleibenden Wochen zeigen, dass er mehr aus dem Kader herausholen kann als bisher. Andernfalls – vor allem beim Verpassen der Champions League – ist eine Trennung vom früheren dänischen Nationaltrainer wahrscheinlich. Hartnäckig halten sich bereits zwei Namen aus der Premier League als mögliche Nachfolger: Fabian Hürzeler (Brighton & Hove Albion) und Oliver Glasner (Crystal Palace).
Hjulmand beschäftigt sich natürlich nur mit dem, was er beeinflussen kann. Und da steht vor allem die Verbesserung der Leverkusener Defensive auf dem Programm. Sechs Gegentore kassierte Bayer 04 gegen die Kellerkinder Heidenheim und Wolfsburg. „Das war das zentrale Thema in dieser Woche – individuell, als Gruppe, als Mannschaft. Was wir gegen Heidenheim und Wolfsburg gemacht haben, geht gegen Dortmund nicht. Das wissen alle. Wir müssen das besser machen“, betont Hjulmand. Eine Rückkehr des zuletzt stabilen Jarell Quansah in die Innenverteidigung würde helfen. Sein Einsatz ist nach Oberschenkelproblemen aber fraglich. Schienenspieler Lucas Vázquez steht hingegen nach seiner Wadenverletzung wieder im Kader.
Dortmund: Kobel - Anton, Schlotterbeck, Bensebaini - Ryerson, Bellingham, Svensson - Sabitzer, Brandt - Guirassy, Beier; Leverkusen: Flekken – Oermann, Andrich, Tapsoba – Culbreath, Palacios, García, Grimaldo – Maza, Tillman – Schick; Schiedsrichter: Aytekin (Oberaspach).
