Leverkusen – „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften“ lautet eine gerne im US-Sport verwendete Floskel. Furiose Angriffsreihen könnten also für kurzfristige Erfolge sorge, der Triumph am Saisonende sei aber nur mit einer stabilen Abwehrreihe möglich. In diese Richtung geht auch der gern zitierte Grundsatz von Huub Stevens: „Die Null muss stehen.“
Leverkusener Ergebnisse im Eishockey-Stil
Bei Bayer 04 Leverkusen geht Gerardo Seoane einen anderen Weg, und das sehr erfolgreich. „Entscheidend ist, dass man ein Tor mehr gemacht hat als der Gegner“, sagte der Schweizer am Donnerstag mit Blick auf die spektakulären Auftritte der vergangenen Wochen samt Ergebnissen im Eishockey-Stil (5:1, 5:2, 4:2). Platz drei und der beste Rückrundenstart der Klub-Historie geben Seoane Recht.
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Der Trainer der Werkself macht sich keine zu großen Sorgen um die Defizite seiner Mannschaft beim Verteidigen des eigenen Tores. Denn die Leverkusener Offensivwucht überstrahlt alle Probleme. „Ich versuche, diese Welle mitzunehmen“, sagte Seoane. „Wenn wir eine Welle haben, in der wir viele Tore erzielen, nehme ich die Gegentore gerne entgegen. Wenn wir eine Phase haben, in der wir vorne weniger effizient und nicht im Flow sind, werden wir sicher viel mehr Augenmerk auf das zu null setzen.“ Bayer 04 war zuletzt am 20. November beim 1:0 gegen den VfL Bochum ein Spiel ohne Gegentor gelungen.
Seoane sind die Schattenseiten seines offensiven Systems bewusst, die Auswirkungen werden in Kauf genommen. „Wir planen keine Lücken ein. Aber wir wissen, dass es sie gibt“, sagte der Coach. „Wenn die Außenverteidiger bei Angriffen ballseitig mitgehen, dann ist diese Seite offen. Das versucht der Gegner natürlich auszunutzen und nach Ballgewinnen in diese Räume reinzustoßen.“ Deshalb müsse möglichst jeder Angriff mit einem Abschluss ins Tor oder ins Toraus enden, so dass dem Gegner keine Möglichkeit zu einem schnellen Konter eröffnet wird. In der Praxis klappt dies kaum über 90 Minuten, weshalb auch offensiv harmlose Teams wie Stuttgart, Augsburg oder Fürth gegen Bayer 04 zu ihren seltenen Torerfolgen kamen.
Bayer 04 ist zu Gast beim FSV Mainz 05
Am Freitag ist Leverkusen beim FSV Mainz 05 zu Gast (20.30 Uhr/Dazn). Trainer Seoane muss seine Abwehr aufgrund der Gelbsperre von Mitchel Bakker umstellen. Daley Sinkgraven könnte die Linksverteidiger-Position seines niederländischen Landsmannes einnehmen. Doch hat es der frühere Ajax-Profi schwer unter Seoane. Wahrscheinlicher ist die Option, dass Piero Hincapie aus dem Zentrum nach außen rückt und Edmond Tapsoba neben Abwehrchef Jonathan Tah aufläuft. Odilon Kossounou ist nach seiner Muskel-Blessur noch kein Startelf-Kandidat.
Bei Gegner Mainz liegen die Prioritäten anders als in Leverkusen. Bei den Rheinhessen steht die Null gerade bei Heimspielen regelmäßig. Der FSV stellt mit 24 Gegentoren die beste Defensive der Liga und musste in dieser Saison im eigenen Stadion erst fünf Treffer hinnehmen – mit großem Abstand der Bestwert aller 18 Vereine. „Sie lassen dem Gegner kaum Entfaltungsmöglichkeiten“, sagte Seoane. „Standardsituationen oder Individualaktionen können entscheidend sein.“ Der Schweizer erwartet, Bayer-untypisch, ein Spiel mit wenigen Toren.
Bo Svensson schwärmt von Leverkusens Offensive
„Wie die Mannschaft gegen den Ball arbeitet, ist schon positiv“, sagte FSV-Trainer Bo Svensson. „Das ist ein Schlüssel für uns. Aber gegen die derzeit beste Offensive der Liga wird das natürlich schon eine Aufgabe.“ Svensson hält Bayer 04 für „die Mannschaft, die den besten Fußball in der Bundesliga spielt“. Die „extrem guten Einzelspieler“ gelte es geschlossen als Team zu bekämpfen. „Über außen kommen Frimpong, Diaby und Adli. Da kommt so viel Qualität und Tempo. In der Mitte spielen Wirtz und Schick, das ist auch nicht so schlecht“, sagte Svensson. „Wenn du gegen die Allerbesten spielst, musst du dein Spiel optimal auf den Platz bringen und darfst dir weniger Fehler erlauben.“