Der dänische Trainer erklärt die Bedeutung seines Grönland-Grußes und hofft auf drei Punkte im Spitzenspiel.
Bayer 04 LeverkusenKasper Hjulmand will die Welt verbessern und Stuttgart schlagen

Leverkusens dänischer Cheftrainer Kasper Hjulmand
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Bei Bayer 04 Leverkusen ist es in den vergangenen Jahren fast zu einer Art Tradition geworden, dass Trainer, wenn sie etwas abseits der typischen Fußballfloskeln um Intensität, Einsatz und Qualität erklären wollen, ins Englische wechseln. Xabi Alonso praktizierte es, und auch Kasper Hjulmand ist es wichtig, korrekt verstanden zu werden, wenn es drauf ankommt. So am Freitagnachmittag auf der Pressekonferenz vor dem Jahresauftakt gegen den VfB Stuttgart (Samstag, 18.30 Uhr, Bay-Arena): Der Däne wurde darum gebeten, seinen Neujahrsgruß – er hatte seine „herzlichsten Gedanken“ an das „wunderschöne grönländische Volk“ gesendet – zu erklären. Die Zeilen waren als klare Kritik an den kolonialistischen Allmachtsfantasien von Donald Trump interpretiert worden, obwohl der Name des US-Präsidenten, der Grönland gerne annektieren würde und auch einen Militäreinsatz nicht ausschließt, nicht genannt wurde.
„Das hat nichts mit Politik zu tun“
So handhabte es Hjulmand auch bei seiner Erläuterung. „Um eins klar zu sagen: Das hat nichts mit Politik zu tun. Ich war nie Politiker, das hat auch nichts mit links oder rechts zu tun“, sagte der 53-Jährige, der mit der in Grönland aufgewachsenen Politikerin Maliina Abelsen liiert ist und einen entsprechend engen Bezug zur riesigen Insel im Nordatlantik hat, die aktuell aufgrund der US-Außenpolitik mehr denn je um ihren Status als autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark bangen muss. „Da geht es um grundsätzliche Menschenrechte und um Grundsätzliches im Leben allgemein“, sagte Hjulmand. Er habe schon immer über den Tellerrand hinausgeschaut. „Ob ich nun Trainer, Lehrer oder Arzt bin – ich will die Welt für die nachkommende Generation zu einem besseren Ort machen. Die Dinge, an denen ich beteiligt bin, werde ich tun, damit wir es schaffen, dass die Welt für die nächste Generation ein besserer Ort ist“, ergänzte der Coach, der auch für Unicef als Botschafter tätig ist. „Und ich denke, dass wir alle, egal wo wir sind, versuchen sollen, uns mit Respekt und Empathie zu begegnen, um vielleicht mehr positive Gefühle zu spüren.“
Es ist allerdings kaum von der Hand zu weisen, dass Hjulmands Worte auf Trumps Handlungen folgen: „In einer verrückten und sich rasant verändernden Welt sind für manche politische Führer Wissen, internationale Strukturen, Dialog und der Respekt vor kulturellen Unterschieden zum Feind geworden. Für Menschen wie sie ist die Welt ein Jagdrevier. Doch es gibt einen anderen Weg“, hieß es im Neujahrsgruß des Leverkusener Trainers. Am Freitag schloss er seine englischen Ausführungen mit: „Aber jetzt sollten wir wieder nur über Fußball reden.“
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Duelle zwischen Leverkusen und Stuttgart versprechen Spektakel
Hier war die Flughöhe seiner Aussagen dem Thema entsprechend eine andere. Hjulmand freue sich auf das Spitzenspiel gegen Stuttgart. „Ich liebe diese Spiele gegen Top-Mannschaften“, so der Däne. Es sei eine „super Möglichkeit“, sich im Kampf um die Champions-League-Ränge „Luft zu verschaffen“. Duelle der beiden fußballerisch starken Teams waren in den vergangenen Jahren eine Garantie für Spektakel und viele Tore. Im März 2025 hatte Bayer 04 beim VfB ein 1:3 in ein 4:3 gedreht, beim Supercup 2024 gewann die Werkself nach Elfmeterschießen (4:3) und Victor Boniface zeigte der Stuttgarter Bank den Mittelfinger. „Stuttgart ist wie ein kleines Derby“, freute sich Kapitän Robert Andrich. Zuletzt immer mit dem besseren Ausgang für Leverkusen. Stuttgarts letzter Sieg gegen Bayer 04 datiert vom 28. April 2018. „Damals hieß der Torschütze noch Christian Gentner“, sagte VfB-Coach Sebastian Hoeneß über den heutigen Sportdirektor der Schwaben.
Leverkusen möchte die Serie gerne ausbauen, muss dabei allerdings weiter auf sein Afrika-Cup-Quartett Christian Kofane, Eliesse Sen Seghir, Ibrahim Maza und Edmond Tapsoba verzichten. Der Innenverteidiger war zwar mit Burkina Faso ausgeschieden, erhielt vom Verein allerdings ein paar Tage Sonderurlaub. Ob er am Dienstag beim Hamburger SV (20.30 Uhr) zur Verfügung steht, ist noch unklar. „Es wäre schön, wenn wir am Samstag mit drei Punkten einschlafen könnten“, meinte Hjulmand. Das zu erwartende Winterwetter bereite ihm keine Sorgen. „Ich komme aus Dänemark, da ist es viel schlimmer“, sagte Leverkusens Trainer – auf Deutsch und mit einem Grinsen.
Leverkusen: Flekken - Quansah, Andrich, Belocian - E. Fernandez, Aleix Garcia - Arthur, M. Tillman, Grimaldo, Poku - Schick. – Stuttgart: Nübel - Assignon, Chabot, Hendriks, Mittelstädt - Karazor, Stiller - Leweling, Nartey, Führich - Undav.


