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Bayer-Trainer schweigtXabi Alonso hat vorerst nichts zu sagen

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Xabi Alonso

Der baskische Trainer beantwortet keine der vielen Fragen zum Neustart der Liga mit seinem Leverkusener Team, das eine Aufholjagd braucht.

In gut zwei Wochen öffnet sich im deutschen Fußball eine Wundertüte. Nach zwei Monaten Spielpause startet Mitte Januar eine Saison, die nicht einmal mit der Hinrunde fertig ist. Und niemand weiß, was diese Zeit der Doppel-Unterbrechung, PR-Reisen und Selbstbeschäftigung mit Klubs und ihren Mannschaften gemacht hat. In welcher körperlichen und geistigen Verfassung sich die Profis befinden, von denen manche den Stress, die Freude und den Frust einer Weltmeisterschaft durchlebt haben und andere nur eine Phase bisher nicht dagewesener Sinnentleerung.

Während die Kollegen in England, Frankreich und jetzt auch Italien über die Plätze rennen, als habe es die bizarre WM in Katar nie gegeben, ohne Anzeichen von Entkräftung und Verwirrung übrigens, übt sich die Bundesliga im Vorbereitungsritual, das trotz ausstehender Tests keine verlässlicheren Rückmeldungen liefern wird als die Horoskope der Astrologen. Und da ist es fast schon konsequent, wenn sich dann auch der Trainer erst einmal in Schweigen hüllt. Xabi Alonso hat der vor Ort versammelten Presse nach dem Auftakttraining von Bayer 04 Leverkusen ausrichten lassen, dass er sich erst ein Bild machen wolle, bevor er darüber sprechen wird, wie er die vor ihm liegende Aufgabe angehen will.

Ein großer Redner war der Baske schon als Spieler nicht. Und als Trainer wird er es über die immer noch sperrige Sprachbarriere ins Deutsche hinweg auch nicht werden. Verlässliche Antworten kann ohnehin erst das Auftaktspiel der Leverkusener in Mönchengladbach liefern (Sonntag, 22. Januar, 17.30 Uhr). Selbst die Tests gegen den italienischen Zweitligisten Venedig (Samstag, 15 Uhr, Ulrich-Haberland-Stadion) und eine Woche später in der Bay-Arena gegen den dänischen Meister FC Kopenhagen (13 Uhr) werden nur begrenzte Aussagekraft haben.

Noch steht nicht einmal fest, ob der wichtigste Stürmer mittun kann. Die Adduktorenproblematik von Patrik Schick hat sich trotz der OP im Anschluss an die vergangene Saison zur schier unendlichen Geschichte ausgewachsen, die man ohne eine zweite Operation in den Griff bekommen wollte. So verpuffte auch der gewünschte Effekt der im Mai 2022 mit viel Stolz verkündeten Vertragsverlängerung des besten Bundesliga-Torjägers hinter Robert Lewandowski. Mit Schmerzen fand Schick nie zur gewohnten Leistung, fiel immer wieder aus und liegt mit aktuell drei Saisontoren wettbewerbsübergreifend weit hinter den Ansprüchen. Diese ausgebliebenen Tore und das Fehlen des jetzt fitten Florian Wirtz erklären ja einen Teil der Krise schon allein.

Was wird aus Patrik Schick, was aus Sardar Azmoun?

Die Frage nach Schick, dem Geschäftsführer Simon Rolfes kleine Schritte in der Reha attestiert, kann also eben so wenig beantwortet werden wie die nach Sardar Azmoun, der vor einem Jahr als sein sozusagen legitimer Vertreter in Abwesenheitsfällen aus St. Petersburg verpflichtet wurde. Der talentierte Iraner hat durch seinen bewundernswerten Kampf für die Menschenrechte in seiner Heimat für Aufsehen gesorgt, sportlich wurde er aber durch mehrere Verletzungen, fehlende Fitness und sagenhaft schlechte Chancenverwertung zu Saisonbeginn gehindert.

Bayer will es vermeiden, Druck auf den Volkshelden und Kämpfer für die Sache der iranischen Frauen auszuüben. Man hofft aber, dass Multiunternehmer Azmoun, der sehr erfolgreich ein iranisches Frauen-Volleyball-Team und eine Pferdezucht betreibt, seine Leidenschaft für Fußball mit Toren für Bayer 04 ausdrückt. Ein Treffer im letzten Test des Jahres gegen den FC Zürich (4:1) könnte mit viel Optimismus als ein Anfang interpretiert werden. Xabi Alonso folgt in seinem Schweigen den Gepflogenheiten der spanischen Fußball-Kultur, die eine laufende Diskussion mit den Medien nicht kennt. Bayer 04 hat dieses Selbstverständnis bei seiner Verpflichtung nicht gestört. Man erwartet, dass der Baske den Fußball sprechen lässt und nach den drei wichtigen Siegen zum Ende des letzten Spieljahres mit dem Tabellenzwölften eine Aufholjagd startet.

Wir wollen weiterhin zu den Top Vier gehören
Bayer-Klubchef Fernando Carro

„Wir wollen weiterhin zu den Top Vier der Bundesliga gehören. Das ist unser Anspruch“, hat Klubchef Fernando Carro vergangene Woche im Interview mit dieser Zeitung formuliert. Unabhängig davon, ob und wie weit der Werksklub dieses Ziel in der aktuellen Saison verfehlt. Allerdings solle alles dafür getan werden, trotz der sieben Punkte Rückstand auf Platz sechs und neun Zähler auf Platz vier den Totalschaden abzuwenden. Immerhin sind noch 19 Spiele in dieser seltsamen Saison zu spielen. Bis Ende Januar heißen die Gegner Mönchengladbach (auswärts), Bochum (heim) und Dortmund (heim). Danach wird man mehr darüber wissen, was sich in der Wundertüte befindet.