Der Anpfiff der Bundesligapartie zwischen Bayer 04 und dem SC Freiburg war kaum verklungen, da flogen die ersten Tennisbälle aus dem Freiburger Gästeblock auf den Rasen. Schiedsrichter Florian Badstübner stoppte das Spiel in der dritten Minute. Ordner sammelten die Bälle ein, nach rund fünf Minuten Unterbrechung ging es weiter. Auf einem Banner im Gästeblock stand: „Fankultur eingeschränkt – Spielbetrieb unterbrochen – gegen Materialverbote“. Die Freiburger Anhänger protestierten damit gegen die Regeln in der BayArena.
Auch auf der Gegenseite wurde protestiert. In der Nordkurve zeigten sich die Leverkusener Fans solidarisch mit den Freiburgern, zeigten ein Spruchband, das immer mal wieder enthüllt wird: „Bayer 04-Verbotspolitik stoppen.“ Zu Beginn der zweiten Halbzeit folgte ein weiteres Banner in der Heimkurve: „Fankultur ist Herzblut, keine Verhandlungssache – gegen Materialverbote.“ Dazu zündete die Nordkurve sechs Bengalos. Eine Art der Bestrafung für den eigenen Verein, denn nach Strafenkatalog des Deutschen Fußball Bundes (DFB) müssen Klubs pro abgebranntem Bengalo rund 1000 Euro Strafe zahlen. Bei geworfenen Gegenständen. Für das Abschießen von Raketen bzw. geworfenen pyrotechnischen Gegenständen ist eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro fällig.
Der Konflikt zwischen Anhängern und dem Verein ist älter als der Herbstnachmittag am Sonnatg. Seit mehr als einem Jahr streiten Fans und Verein über Materialverbote. Im Gästebereich sind Schwenkfahnen und Doppelhalter untersagt. Beim Spiel gegen Borussia Dortmund wurde die Verbotspolitik zuletzt noch verschärft. Auch kleine Fahnen durften die Dortmunder nicht mitbringen. Die Ultras kamen trotzdem. Die Leverkusener Nordkurve reagierte mit einer kleinen Choreografie und dem Spruchband „Bayer 04 Sicherheit – Totengräber der Fankultur“. Es gab auch bereits Schmähbotschaften aus der Kurve in Richtung von Ayhan Goevercin, dem Sicherheitschef von Bayer 04. Er steht im Zentrum der Kritik, gilt als Hardliner, hat Rückendeckung von Klubboss Fernando Carro.
Eskalation beim Derby gegen den 1. FC Köln
Im Dezember 2025 eskalierte die Lage beim Derby gegen den 1. FC Köln. Die Kölner Fanszene verließ rund eine Stunde vor dem Anpfiff das Stadion. Die Kölner Fanhilfe berichtete von Nacktkontrollen am Einlass. Die Polizei bestritt später eine solche Kontrolle, bestätigte aber den Fund einer passiven Waffe. Während der Partie verzichteten auch die Leverkusener Ultras auf jede Unterstützung und verließen die Tribüne. Die Kurvenhilfe Leverkusen schrieb damals, den eigenen Verein „an der deutschen Spitze der Fanfeindlichkeit“ zu sehen, beschäme sie zutiefst. Carro sagte in dieser Zeit: „Man sollte in unserem Land schon der Polizei vertrauen.“
Auch Gästefans des SC Freiburg kennen Materialverbote aus früheren Auswärtsspielen in Leverkusen. Für sie ist der Protest also kein neues Thema. Trainer Julian Schuster übt Kritik, aber auch Nachsicht. Er lief während des Zwischenfalls mit den Tennisbällen mehrfach in Richtung des Gästeblocks, um die Fans mit Gesten zu beruhigen. Später sagte er: „Ich bin maximal offen für Proteste. Worüber ich kein Verständnis entwickeln kann, ist, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Das geht für mich zu weit, und das ist nicht in Ordnung.“
Die Tennisbälle haben den Konflikt am Sonntag für einige Minuten sichtbar gemacht. Der eigentliche Streit ist damit jedoch nicht gelöst. Er dreht sich um die Frage, wie viel Fankultur ein Stadion im Alltag zulässt und wo Sicherheit zur Abschottung wird.


