Bayer 04 Leverkusen läuft im neuen Jahr den eigenen Ansprüchen hinterher. Das Problem ist nicht nur die Defensive, meint unser Autor.
Kommentar zur Krise von Bayer 04Es ist eine Frage der Qualität


Betrübte Gesichter bei den Profis von Bayer 04 Leverkusen.
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In Piräus ging regelmäßig ein Raunen über die Tribünen, wenn sich Loic Badé, Robert Andrich, Jarell Quansah und Janis Blaswich den Ball durch den Leverkusener Strafraum hin- und herschoben. Jedermann hoffte oder fürchtete – je nachdem, mit welcher Seite man es hielt – dass der Ball in wenigen Momenten im Aus oder am Fuß eines Olympiakos-Profis landen würde. Aus Bayer-04-Sicht bewahrheiteten sich diese Ahnungen nicht nur am Dienstagabend deutlich zu oft.
Das Phänomen der Ratlosigkeit bei gegnerischem Pressing ist im Jahr 2026 bislang ein treuer Begleiter der Werkself. Auch in der Hinrunde war es bereits hin und wieder zu beobachten. In ihrer aktuellen Form fehlt den Leverkusener Verteidigern die Qualität, um unter Gegnerdruck das Spiel mit Ruhe und Übersicht zu eröffnen. Gleichzeitig kommt aus dem Mittelfeld zu wenig Unterstützung. Jeder scheint hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Vorbei ist die Zeit, als der Ball irgendwie nur bei Granit Xhaka landen musste, um die dominante Leverkusener Angriffsmaschinerie anzuwerfen.
Auch die Offensive bleibt blass
Die mangelnde Druckresistenz ist nicht das einzige Problem der Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand. Auch das Flügelspiel ist nicht auf dem Niveau, wie es sich für ein europäisches Topteam – dem wiederholt formulierten eigenen Anspruch – eigentlich gehört. Ernest Poku ist von den diversen und teilweise teuren Kader-Optionen für die Außenbahn aktuell die vielversprechendste. Auch gegen Piräus hatte der Niederländer, wenn Bayer 04 das Pressing mal überspielen konnte, erstaunliche Freiräume. Doch der Ertrag lag bei null. Ob Dribbling, Flanke oder Abschluss – die letzte Aktion wollte einfach nicht gelingen.
In 80 Minuten kam Poku auf einen Torschuss und eine Torschussvorlage. Es sind die beiden dringlichsten Baustellen. Coach Hjulmand muss sich kurzfristige Lösungen einfallen lassen, um für Besserung zu sorgen. Denn der Däne hat für die kommenden Spiele gegen Bremen und Villarreal eine Siegpflicht ausgerufen. Damit sich Bayer 04 nicht schon im Januar von Saisonzielen verabschieden muss.
