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Nations LeagueBei der DFB-Elf fehlt es an Effizienz und Konsequenz

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Hofmann und Neuer

Paralleles Winken im Duett: Jonas Hofmann (l.) und Torwart Manuel Neuer gehörten gegen England zu den besten deutschen Spielern.

München – Es ist ja nicht so, dass sich Hansi Flick in dem Pressesaal der Münchner Arena nicht gut auskennen würde. Schließlich hat er in seiner Funktion als Cheftrainer des FC Bayern hier schon oft genug gesprochen. Trotzdem blickte sich der Bundestrainer nach dem Nations-League-Klassiker zwischen Deutschland und England (1:1) erstmal ein bisschen um, ehe er sich auf einen Stuhl setzte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon ausreichend Abstand zu einem aufregenden Abend gewonnen, der mit Beifall für ihn beim Erscheinen auf dem Rasen anfing und mit Applaus für seine Spieler bei ihrer Ehrenrunde auf dem Rasen endete.

Jene der 66 289 Augenzeugen, die noch nicht sofort zu den überfüllten U-Bahnen der Station Fröttmaning gehetzt waren, fügten sich mit ihrer positiven Grundstimmung perfekt in den Flick-Duktus. Denn der Bundestrainer hatte vor der Rückreise nach Herzogenaurach mal gar nichts zu meckern.

Gespielt wie erwünscht

„Wir haben genau so Fußball gespielt, wie wir uns das vorstellen, die Art und Weise war für die Fans einfach toll.“ Man habe schließlich gegen eine ganz große Fußballnation gespielt, „die Premier League ist die beste Liga der Welt – ich bin stolz auf die Mannschaft.“ Der 57-Jährige klang fast schon überschwänglich, aber er fühlte sich ja auch bestätigt, dass seine Mannschaft bereits wieder eine so „hohe Qualität und Leistungsdichte“ vereint, dass sie keinen Topgegner fürchten muss. Flick hatte der Gesamtauftritt gefallen, die Körpersprache, der Einsatz, die Spielanlage: „Wir haben da gut gezockt, teilweise.“ Das Risiko für Flicks Zocker steckt in den Resultaten: Keiner der drei Härtetests gegen die Hochkaräter Niederlande, Italien und nun England (jeweils 1:1) wurde bislang gewonnen. Beim Weg zurück in die Weltspitze fehlen mindestens noch die Effizienz und Konsequenz.

Das bayrische Sprachrohr Thomas Müller ärgerte sich am ZDF-Mikrofon über einen abermals spät verspielten Sieg. Der bei Welt- und Europameisterschaften mit allen Höhen und Tiefen vertraute Routinier fand, dass man nach einem „Freundschaftsspiel verpackt in Turniermodus“ (O-Ton Müller über die Nations League) über den gemachten Schritt auf jeden Fall zufrieden sein könne, „wenn wir das Ergebnis ausklammern“. Die feine Ironie war nicht zu überhören. Und so muss zur Aufarbeitung gehören, warum es am Ende immer irgendwo hakte.

Diesmal war es Nico Schlotterbeck, der gegen den erfahrenen englischen Mittelstürmer Harry Kane den Körperkontakt nicht vermied: Der Tottenham-Torjäger fiel schnell, der Videoassistent schaltete sich ein und Kane selbst stellte per Elfmeter mit seinem 50.Länderspieltreffer auf 1:1 (88.). Damit war die fein herausgespielte Führung von Jonas Hofmann (51.) dahin. „Wichtiger Punkt auswärts gegen eine starke Mannschaft“, teilte der 28-Jährige später via Twitter mit.

Schlotterbecks Reifeprüfung

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch Flick wieder beruhigt, der eine lange Diskussion mit dem spanischen Unparteiischen Carlos del Cerro Grande gesucht hatte. „Ich glaube, dass Nico Schlotterbeck Harry Kane gar nicht sieht. Es ist so, der Schiedsrichter hat gepfiffen.“

Fakt ist auch, dass der Noch-Freiburger und Bald-Dortmunder Schlotterbeck trotz aller Befähigung für den Spielaufbau im Abwehrverhalten noch lernen muss, denn bereits gegen Israel (2:0) hatte der 22-jährige kurz vor Schluss einen Strafstoß verursacht. Flick aber urteilte milde: „Wenn er Fehler macht, was passieren kann, macht er einfach weiter. Das brauchen wir!“

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Von seinen sieben neuen Kräften punkteten vor allem der agile Linksverteidiger David Raum, der vielseitig einsetzbare Hofmann und der sagenhafte Edeltechniker Jamal Musiala. Die Begabung des mit Ovationen bedachten 19-jährigen Deutsch-Engländers wirkte beeindruckend. Neben dem Jüngsten glänzte auch der Älteste: Kapitän Neuer lieferte eine Weltklasse-Vorstellung ab.

Lob für Manuel Neuer

Flick stellte erneut heraus, dass es sich bei dem 36-Jährigen immer noch um „den besten Torhüter der Welt“ handelt. Neuer ist Teil von Flicks Achse, die über Abwehrchef Antonio Rüdiger, Organisator Joshua Kimmich bis zu Allesmacher Müller reicht. Der Cheftrainer will den Konkurrenzkampf zwar nicht aussetzen („im Fußball und im Leben kann sich vieles schnell ändern“), aber im Grunde hat er seinen festen Kreis für die WM in Katar jetzt zusammen.

Weil er aber „nicht so weit nach vorne“ schaue, gilt der Fokus zunächst den letzten Nations-League-Partien vor der Sommerpause in Budapest gegen Ungarn (Samstag) und dann in Mönchengladbach gegen Italien (Dienstag). Der Bundestrainer wird seinen Akteuren nun einen freien Donnerstag gönnen, damit alle mal durchschnaufen können – dann geht es am Freitag nach Budapest. Dazu sagt Thomas Müller: „Konstanz und Ergebnisse müssen sich dazugesellen, um eine Spitzenmannschaft zu sein.“ Erst dann würde der 32-jährige Oberbayer von einem „runden Abend“ sprechen.