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Krise beim Vize-WeltmeisterFünf Gründe für das drohende Aus bei der Eishockey-WM

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Schweiz - Deutschland

Im eigenen Überzahlspiel ein Gegentor: Deutschland hat viele Probleme bei der WM in der Schweiz.

Ein Jahr nach dem WM-Silber steckt das deutsche Eishockey-Team in der Krise. Die Analyse zeigt fünf Ursachen dafür.

Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft könnte die Weltmeisterschaft in der Schweiz zur dritten Turnier-Enttäuschung in Folge werden, ein vorzeitiges Ausscheiden ist möglich. Dieser Verlauf steht in deutlichem Gegensatz zum unerwarteten Vizeweltmeistertitel, den das Team von Bundestrainer Harold Kreis 2023 noch holte. Zwölf Monate vor der Heim-WM sieht sich der Deutsche Eishockey-Bund mit etlichen Schwierigkeiten konfrontiert. Es gibt fünf Hauptursachen für die bisherige Leistungsschwäche.

Eine wesentliche Schwäche ist die mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive. Die Statistik von nur zwei Toren in drei Spielen erinnert an die eines abstiegsgefährdeten Teams. „Es ist frustrierend“, äußerte Bundestrainer Kreis. „Bitter ist auch ein Begriff, den man nutzen kann. Aber es ist frustrierend.“ Zwar stehen mit Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) und Tim Stützle (Ottawa Senators) hochkarätige Akteure nicht zur Verfügung, aber die Darbietungen in Überzahlsituationen sind teils mangelhaft. Viele Chancen bei numerischer Überlegenheit wurden nicht verwertet.

Offensivschwäche und umstrittene Kader-Nominierungen

In diesem Kontext wirkt es besonders verwunderlich, dass zwei Angreifer aus dem erweiterten WM-Aufgebot entfernt wurden, die ihre Torgefährlichkeit in der DEL-Saison nachgewiesen hatten: Dominik Bokk von den Kölner Haien und Alexander Blank aus Augsburg. Bokk traf sechsmal in den Playoffs, während Blank in der Hauptrunde 19 Tore erzielte.

Die vielen Ausfälle der NHL-Akteure lassen sich durch Spieler aus der Deutschen Eishockey Liga qualitativ nicht ersetzen. Als offizieller Grund für die Absagen werden meist Verletzungen genannt. Es wird jedoch berichtet, dass nach dem enttäuschenden Olympia-Turnier bei den Stars großer Unmut über die Trainerleistung und die Organisation in Mailand herrschte.

Mangelnder Mannschaftsgeist und Führungsvakuum

Mit Ausnahme von Kapitän Moritz Seider (Detroit Red Wings), Goalie Philipp Grubauer (Seattle Kraken) und einer Angriffslinie mit Frederik Tiffels (Eisbären Berlin) verfügt der Kader bestenfalls über durchschnittliches WM-Niveau. Auch diese Reihe hat bisher lediglich einen Treffer beigesteuert. „Die Mannschaft macht alles, um erfolgreich Eishockey zu spielen“, hob Kreis hervor, aber für anspruchsvollere Gegner scheint die Leistung nicht auszureichen.

Darüber hinaus kämpft die Mannschaft mit einem Identitätsproblem. Es fehlen zwei zentrale Anführer der letzten Jahre: Moritz Müller, der mittlerweile als Experte für MagentaSport arbeitet, sowie der wiederholt nicht nominierte Marcel Noebels. Ihre Funktion innerhalb des Teams war ein entscheidender Baustein für den Gewinn der Vizeweltmeisterschaft 2023.

Bundestrainer Harold Kreis

Bundestrainer Harold Kreis und seine Mannschaft enttäuschen bislang bei der WM in der Schweiz.

Stattdessen fokussierten sich die Mitspieler schon im Vorjahr auf die Akteure aus der NHL. Diese sind sportlich zwar herausragend, zeigten aber Tendenzen, Situationen im Alleingang entscheiden zu wollen. Ein gemeinschaftlicher Team-Ansatz entwickelte sich dadurch nicht. Diese Kluft wurde Berichten zufolge schon bei Olympia deutlich, wo die 2:6-Niederlage im Viertelfinale gegen die Slowakei alle Medaillenhoffnungen zunichtemachte.

Unentschlossenes Handeln von der Trainerbank

Vom Trainerstab gehen ebenfalls kaum entscheidende Signale aus. Bei der 1:6-Niederlage gegen die Schweiz am Montag sorgte der Gegner mit zwei Treffern binnen 35 Sekunden für die Vorentscheidung zum 3:0. In einer derartigen Situation hätten viele Coaches eine Auszeit beantragt, um das Team neu zu justieren. Kreis beschränkte sich jedoch auf Ansprachen in den TV-Unterbrechungen. „Wir haben dann diese Pausen genutzt, um etwas durchzuatmen“, erläuterte der 67-jährige Coach.

Schweiz - Deutschland

Wieder ein Gegentor: Schweiz trifft gegen Deutschland nach Belieben.

Genauso passiv verhielten sich Kreis und sein Stab, als Goalie Grubauer im Auftaktspiel der WM gegen Finnland (1:3) vor dem ersten Gegentreffer im Torraum behindert wurde. „Grubi moniert das sofort. Das hätte man challengen können“, kommentierte der MagentaSport-Experte Müller die Situation. Obwohl die Trainer die Szene sichteten, wurde auf eine Videoüberprüfung verzichtet.

Psychische Belastung im Team

Trainer Kreis verneinte die Existenz eines mentalen Problems. Dieser Darstellung widersprach Kapitän Seider allerdings nach der deutlichen Niederlage gegen die Schweiz: „Nach unserem Pfostenschuss haben wir direkt das erste Tor kassiert. Danach noch das Zweite und dann ging das Kopfkino los. Dann fangen die Köpfe an zu hängen.“ Sportvorstand Christian Künast räumte ebenfalls ein: „Wenn eine kleine Sache nicht passt, bricht bei uns direkt ein Kartenhaus zusammen.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.