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Verstappens Formel-1-FrustWas für und gegen einen Abschied aus der Königsklasse spricht

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Max Verstappen

Max Verstappen denkt über seine Zukunft in der Formel 1 nach. (Archivbild)

Die Enttäuschung von Max Verstappen über die Formel 1 wächst. Dies heizt die Diskussion über ein mögliches Karriereende an. Eine Analyse der Argumente.

Um seine Enttäuschung zu bewältigen, nimmt sich Max Verstappen eine erneute Pause von der Formel 1 und fährt auf dem Nürburgring. Der Niederländer nutzt zwei Sportwagenrennen am Wochenende als Vorbereitung für den 24-Stunden-Klassiker im Mai. Er sucht dort das Vergnügen am Fahren, welches ihm in der höchsten Motorsportklasse aktuell abhandengekommen ist. „Wenn man für 22 Rennen von zu Hause weg ist, dann muss man am Ende etwas in seinem Leben tun, das einem Freude bereitet“, äußerte Verstappen vor Kurzem gegenüber der BBC.

Die vermehrten Teilnahmen an anderen Rennwettbewerben sowie die immer lauter werdende Kritik des 28-Jährigen an der aktuellen Ausrichtung der Formel 1 nähren die Diskussionen über ein mögliches Karriereende. Laut dpa kam das Fachportal „The Race“ kürzlich zu dem Schluss: „Der Red-Bull-Fahrer ist näher als je zuvor an einem Ausstieg aus der Formel 1.“

Argumente, die für einen Verstappen-Abschied sprechen

Ein wesentlicher Grund für seinen Unmut ist das Regelwerk. Den vierfachen Weltmeister verärgert die neue Motoren-Spezifikation, die seit diesem Jahr einen signifikanten Elektro-Anteil erfordert. Dadurch können die Fahrer seltener mit voller Leistung ihre Fähigkeiten demonstrieren. „Sie sind nur damit beschäftigt, die Batterie zu verwalten. Das macht es auch für einen Fahrer wie Max schwieriger, den Unterschied auszumachen“, erläuterte Jos, der Vater von Verstappen. Der Sohn selbst schwankte kürzlich zwischen Ärger und Aufgabe: „Ich bin nicht einmal mehr enttäuscht. Das habe ich längst hinter mir.“

Max Verstappen

Mit dem Red Bull auf Abwegen: Max Verstappens Dienstwagen ist nicht titeltauglich

Zudem sind die Aussichten auf den Titel unter dem geänderten Reglement schlecht, weil Verstappens Rennwagen momentan nicht siegfähig ist. „Offensichtlich ist das Auto ja eine Katastrophe“, kommentierte Sky-Fachmann Ralf Schumacher spitz. Dies wird durch die bisherigen Ergebnisse der Saison – ein sechster Rang, ein achter Rang und ein vorzeitiges Ende – verdeutlicht. „Der Max-Faktor ist nur dann da, wenn er ein Auto hat, zu dem er ein Vertrauen hat, das vorhersehbar ist. Das ist momentan nicht der Fall“, konstatierte Helmut Marko, der langjährige Berater von Red Bull.

Des Weiteren hat eine ganze Serie von bedeutenden Vertrauenspersonen und Erfolgsarchitekten das Team von Red Bull in jüngster Zeit verlassen. Sein Mentor Marko ist nicht mehr dabei, ebenso wie der langjährige Teamchef Christian Horner und der Konstrukteurs-Visionär Adrian Newey. Der frühere Sportdirektor Jonathan Wheatley sowie der ehemalige Chefingenieur Rob Marshall suchten ebenfalls neue Herausforderungen. Spätestens nach der nächsten Saison wird auch Gianpiero Lambiase, Verstappens Renningenieur, zu McLaren gehen.

Ein vorzeitiges Karriereende könnte für Verstappen vertraglich realisierbar sein. Eine Regelung in seinem Kontrakt, der bis Ende 2028 gültig ist, soll ihm eine Kündigung zum Ende der Saison gestatten, falls bis Mitte des Jahres definierte sportliche Ziele nicht erreicht werden. Über eine solche Entscheidung müsste er sein Team bis Oktober in Kenntnis setzen.

Faktoren, die gegen ein Karriereende sprechen

Verstappens starker Ehrgeiz spricht gegen einen Abschied. Ähnlich wie zahlreiche andere Top-Athleten wird er vom Wunsch nach weiteren Titeln und Siegen motiviert. Schon in der vergangenen Saison äußerte er zu Beginn Unzufriedenheit, begann jedoch in der zweiten Hälfte des Jahres eine beeindruckende Aufholjagd. „Was seine Meinung über die Formel 1 ändern wird, ist der Moment, in dem er wieder anfängt, Rennen zu gewinnen“, meinte der ehemalige Weltmeister Jenson Button. Teamchef Laurent Mekies fügte hinzu: „Sobald wir ihm ein schnelles Auto geben, wird er ein viel glücklicherer Max sein.“

Darüber hinaus besteht eine enge Verbundenheit zwischen Verstappen und Red Bull. Bereits als junger Fahrer wurde er vom Energy-Drink-Konzern unterstützt, und seine komplette Laufbahn in der Formel 1 hat er in den Rennställen der Firma verbracht. Er erhält ein beträchtliches jährliches Salär und fühlt sich im Umfeld der Mitarbeiter weiterhin wohl. „Es ist ein bisschen widersprüchlich, denn das Autofahren macht mir nicht wirklich Spaß, aber die Zusammenarbeit mit allen im Team (...) gefällt mir sehr gut“, äußerte Verstappen.

Max Verstappen

Spaß im Team: Max Verstappen hat Red Bull viel zu verdanken. (Archivbild)

Zusätzlich stellt die Formel 1 weiterhin die absolute Elite im Motorsport dar. Obwohl er auch in anderen Wettbewerben Freude empfindet, bleibt zweifelhaft, ob diese den besonderen Anreiz der Königsklasse auf Dauer kompensieren können. „Als Kind wollte ich genau das machen“, so Verstappen. Ralf Schumacher äußert sich dazu: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Max das so schnell aufgeben wird.“

Sollte Verstappen seiner Tätigkeit bei Red Bull tatsächlich müde werden, würde dies nicht zwangsläufig sein Ende in der Formel 1 bedeuten. Es kursieren regelmäßig Gerüchte über das Interesse oder sogar konkrete Offerten von konkurrierenden Teams. Toto Wolff, der Teamchef von Mercedes, gilt seit langer Zeit als Bewunderer von Verstappen. Auch Lawrence Stroll, der Eigentümer von Aston Martin, würde den vierfachen Champion wahrscheinlich gerne verpflichten. Kürzlich gab es zudem Spekulationen über einen möglichen Wechsel zu McLaren. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.