Nico Schlotterbeck verlängert seinen Vertrag langfristig, doch die Fans von Borussia Dortmund reagieren mit Pfiffen. Die Gründe liegen in heiklen Vertragsdetails.
Pfiffe statt ApplausBVB-Fans reagieren auf Schlotterbecks Vertragsverlängerung

Schlotterbeck hat verlängert, doch wie lange bleibt er?
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Anstelle von Beifall erntete Nationalspieler Nico Schlotterbeck gellende Pfiffe von der Südtribüne. Kurz vor dem Anpfiff der Bundesliga-Partie gegen Bayer Leverkusen (0:1) blieb die positive Resonanz auf seine Vertragsverlängerung bis 2031 aus. Schlotterbeck führte an jenem Tag Borussia Dortmund als Kapitän auf das Spielfeld.
Cheftrainer Niko Kovac äußerte sein Unverständnis für das Verhalten der Fans. „Der Junge hat sich zum BVB bekannt. Wenn es mal ein bisschen länger dauert, heißt das ja nicht, dass es schlecht sein muss“, kommentierte Kovac die wochenlangen Verhandlungen. Er betonte jedoch unmissverständlich: „Natürlich geht sowas nicht.“
Sportliche Situation des BVB
Die Personalie Schlotterbeck erzeugt in einer sportlich ansonsten ereignisarmen Phase für den BVB erhebliche Unruhe. Fünf Spieltage vor dem Saisonabschluss liegt der Klub mit 64 Punkten jeweils zwölf Zähler hinter der Tabellenspitze und vor den Nicht-Champions-League-Plätzen. Da Dortmund sowohl aus der Champions League als auch aus dem DFB-Pokal ausgeschieden ist, steht ein eher unspektakulärer Saisonausklang bevor.
Der Ärger der Anhänger rührt nicht allein von der langen Wartezeit her. Wie die Nachrichtenagentur dpa meldet, sind Vertragsinhalte an die Öffentlichkeit gelangt, die für Missstimmung sorgen. Demzufolge soll der 26 Jahre alte Abwehrspieler eine Ausstiegsklausel in seinem neuen Arbeitspapier besitzen, die schon im kommenden Sommer für ausgewählte Vereine aktivierbar wäre.
Das hat zur Folge, dass Schlotterbeck den Verein nach einer erfolgreichen Weltmeisterschaft mit der Nationalmannschaft noch vor Beginn der nächsten Saison verlassen könnte. Obwohl der BVB durch die Verlängerung seine Verhandlungsposition gestärkt und einen ablösefreien Wechsel im Jahr 2027 abgewendet hat, verschafft die neue Konstellation Sportchef Lars Ricken und den übrigen Verantwortlichen keine wirkliche Planungssicherheit.

Enttäuschung pur: Der BVB kassiert die dritte Bundesliga-Niederlage.
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Rückendeckung von Verein und Teamkollegen
Die Vereinsführung positioniert sich klar hinter ihrem Spieler. „Spieler im Trikot von Borussia Dortmund verdienen mit dem Betreten des Rasens die Unterstützung. Für mich als Verantwortlichen fühlt sich das nicht gut an“, erklärte Klubchef Carsten Cramer. Ein solches Verhalten sei unangebracht, ergänzte er nach dem Spiel, das durch einen Treffer von Robert Andrich entschieden wurde.
Schlotterbeck selbst hatte bei der Verkündung der Vertragsverlängerung unterstrichen, er habe sich „bewusst“ Zeit für seine Entscheidung gelassen. „Mein Ziel ist es, gemeinsam mit Borussia Dortmund Titel zu gewinnen“, führte er aus. Dieses Vorhaben konnte er seit seinem Eintritt beim BVB 2022 bisher nicht verwirklichen.
Berichten zufolge beläuft sich die Ausstiegsklausel auf eine Summe zwischen 50 und 60 Millionen Euro und gilt für europäische Spitzenvereine. Laut Informationen der „Bild“, über die auch die dpa berichtet, ist der FC Bayern München von dieser Regelung explizit ausgenommen.
Auch die Mitspieler von Schlotterbeck zeigten sich solidarisch. „Ich glaube, keiner hat es verdient, ausgepfiffen zu werden, und vor allem auch nicht hier im eigenen Stadion. Das sind die Dinge, die überhaupt nicht funktionieren“, äußerte sich Verteidiger Waldemar Anton. Pfiffe gegen die eigenen Akteure seien „ein Unding“.
Julian Brandt, der den Klub im Sommer ablösefrei verlassen wird, äußerte sich ebenfalls zu der Angelegenheit: „Für den Verein ist es sensationell, dass es hinbekommen wurde, eine Lösung zu finden. Alles andere sind dann immer ein paar Echos, die dazugehören.“ (red)
Schlotterbeck selbst verließ nach der Partie wortlos die Umkleidekabine. Von dem strahlenden Lächeln, das er einen Tag zuvor bei der Bekanntgabe seines neuen Vertrags gezeigt hatte, war nichts mehr zu sehen. (red)

Ist das Thema Schlotterbeck nicht los: Lars Ricken.
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