Letztes WM-Viertelfinale stehtSchweiz folgt Argentinien nach Elfer-Drama

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Schweizer Spieler jubeln über Einzug ins Viertelfinale.

Riesenjubel bei der Schweiz über den Viertelfinal-Einzug.

Dramatischer letzter Achtelfinal-Tag bei der WM: Erst gab es ein unglaubliches Comeback von Argentinien, dann ein Elfmeterschießen zum Abschluss.

Die Schweiz hat sich das letzte verbliebene Viertelfinal-Ticket gesichert. Nach dem unfassbaren Comeback der Argentinier gegen Ägypten wurde es bei den Eidgenossen erst nach 120 Minuten dramatisch.

Die Schweizer stürmten auf ihren Matchwinner Ruben Vargas zu, die Kolumbianer sackten am Mittelkreis auf den Rasen – und das Stadion verstummte. Nur ein kleiner Block in Rot feierte den 4:3-Sieg der „Nati“ im Elfmeter-Krimi von Vancouver, während das Meer aus gelbgekleideten Fans im Schock erstarrte.

Der Schweizer Traum lebt: Dank des entscheidenden Treffers von Vargas im Elfmeterschießen kämpfte sich die Mannschaft von Trainer Murat Yakin bei der WM in Nordamerika auch ohne Jungstar Johan Manzambi nach 120 intensiven, aber torlosen Minuten ins Viertelfinale. Jetzt reist die „Nati“ weiter nach Kansas City zum Duell mit Titelverteidiger Argentinien und Superstar Lionel Messi in der Nacht zu Sonntag (3.00 Uhr MESZ).

Messi führt Argentinien zu historischem Comeback

Die Südamerikaner hatten in ihrem Achtelfinale gegen Ägypten einen 0:2-Rückstand innerhalb von 13 Minuten gedreht und am Ende noch 3:2 gewonnen. „Es war sehr schwer, wir haben gelitten, aber diese Gruppe gibt nie auf, sie kämpft bis zum Ende“, sagte Messi, „es ist verrückt, was sie in dieser K.o.-Runde geleistet hat. Wir haben das Spiel noch gedreht. Ich freue mich, dass die Leute jetzt feiern können.“ Julian Alvarez lobte seinen Kapitän als „Legende“ und den „besten Spieler der Welt – der Geschichte“.

Es war Messi, wer sonst, der ein „Comeback, das in die Geschichte eingehen wird“ („Clarin“), möglich machte: 0:2 lag der Weltmeister gegen tapfer kämpfende Ägypter zurück, dann legte der 39-Jährige den Anschlusstreffer von Cristian Romero (79.) auf und traf kurz darauf selbst (83.). Enzo Fernández gelang in der Nachspielzeit noch das Tor zum 3:2 (0:1) und zum Einzug ins Viertelfinale.

„Episch! Herz eines Champions!“, feierte „La Nacion“ das Comeback. Trainer Lionel Scaloni musste das Interview nach dem Schlusspfiff von seinen Emotionen überwältigt abbrechen: „Ich kann nicht mehr. Das ist zu viel. Was für eine Gruppe an Spielern! Ich kann nicht mehr, ich muss aufhören. Es tut mir leid.“ Für Messi, der den Ausgleich mit seinem 21. WM-Tor erzielte, geht die Mission Titelverteidigung weiter: Am Sonntag (3.00 Uhr MESZ/MagentaTV) geht es in Kansas City gegen die Schweiz.

„Historisch“, jubelte das Schweizer Boulevardblatt „Blick“ über den ersten Einzug unter die letzten Acht einer WM seit 72 Jahren. „Ich realisiere es noch nicht ganz“, sagte Vargas, der den entscheidenden Elfmeter verwandelte: „Gott seid gedankt für diesen Moment. Ich bin dankbar und glücklich, der Mannschaft geholfen zu haben. Jetzt haben wir Geschichte geschrieben, das ist geil.“

Zuvor hatte Gregor Kobel gegen Cucho Hernandez pariert. Die Schweiz, die bei einem Lattentreffer von Jhon Lucumi (99.) großes Glück hatte und sich schon zuvor auf einen starken Kobel verlassen konnte, hat ihr großes Ziel von der besten WM ihrer Geschichte bereits erreicht. Ins Viertelfinale hatten es die Eidgenossen zuletzt 1954 im eigenen Land geschafft, mussten dafür aber nur die Gruppenphase überstehen. Die Turniere 1934 und 1938, bei denen es die „Nati“ ebenfalls in die Runde der besten acht geschafft hatte, begannen gleich mit dem Achtelfinale.

In Vancouver zeigten sich die Schweizer in einem ausgeglichenen Duell völlig unbeeindruckt von der intensiven Spielweise der Kolumbianer, die sich nach einer starken Vorrunde zu einem Geheimfavoriten aufgeschwungen hatten. Das Erreichen des Viertelfinals in Brasilien 2014 bleibt für James Rodríguez und Co. der größte WM-Erfolg.

Freiburg-Profi Manzambi fehlt Schweiz verletzt

Dabei hatte die Schweiz vor dem Anpfiff einen Rückschlag verkraften müssen. Manzambi, bislang überragender Akteur der Mannschaft um Kapitän Grani Xhaka, fehlte wegen einer Knieprellung. Im Stadion war der 20-Jährige vom SC Freiburg, der etwas überraschend von Ardon Jashari von der AC Mailand ersetzt wurde, natürlich trotzdem - mit einem goldenen WM-Pokal aus Lego stieg er aus dem Mannschaftsbus.

Im BC Place waren die Schweizer deutlich in der Unterzahl. Zehntausende kolumbianische Fans waren am Vormittag (Ortszeit) auf einem Fanmarsch durch Vancouver gezogen, das Stadion war nahezu komplett in Gelb getaucht. Man habe bei den bisherigen Partien jedoch „gezeigt, dass wir damit umgehen können“, sagte Yakin selbstbewusst. Man wolle Kolumbien „mit Fußball schlagen, nicht mit den Fans“.

Die Intensität auf den Rängen übertrug sich dennoch auf den Rasen. Beide Mannschaften gingen von Beginn an mit vollem Einsatz zu Werke und schreckten vor keinem Zweikampf zurück. Das hieß aber auch: Spielfluss kam nicht zustande, stattdessen prägten viele Unterbrechungen die Partie.

Bei der Schweiz machte sich Manzambis Fehlen deutlich bemerkbar. Zwar kamen Fabian Rieder (30.) und Dan Ndoye (32.) aus jeweils halblinker Position zu guten Abschlüssen, für die Unberechenbarkeit des Jungstars fand die Mannschaft aber schlicht keinen Ersatz.

Entsprechend reagierte Yakin zur Halbzeit und nahm den glücklosen Jashari wieder aus dem Spiel. Der eingewechselte Djibril Sow verfehlte das Tor kurz nach dem Wiederbeginn (47.) nur knapp. Auch Rieder fehlte bei einem Freistoß (53.) nicht viel. Es blieb zu wenig, um eine Verlängerung zu vermeiden. Dort hatte Kobel Glück, als Lucumi die Latte traf (99.) und Jaminton Campaz knapp verzog (115.). Auf der Gegenseite scheiterte der eingewechselte Zeki Amdouni an Torhüter Camilo Vargas (104.). (sid)