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Aufarbeitung erst nach der SchockstarreDas Halbfinal-Aus trifft die Kölner Haie hart

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Die Spieler der Kölner Haie stehen nach dem Halbfinal-Aus enntäuscht auf dem Eis.

Konsterniert und enttäuscht: die Spieler der Kölner Haie nach dem Halbfinal-Aus gegen die Eisbären Berlin

Es wird sich einiges ändern beim KEC. Trainer Jalonen geht, der Schwede Berglund übernimmt. Auch im Kader wird es Bewegung geben.  

Das Saisonende des KEC war sehr traurig. Es flossen am Montag nach dem 1:4 gegen die Eisbären Berlin, das zu einem 2:4 in der Playoff-Halbfinalserie führte, viele Tränen in der Lanxess-Arena. Nach der Hauptrunde, die der KEC auf Tabellenplatz eins mit der Rekordpunktzahl von 116 beendete, hatte man sich mehr versprochen. Da die Eisbären aber wieder einmal abgeklärter spielten als der KEC, war es verdient, dass sie – und nicht die Haie – ins Playoff-Finale gegen die Adler Mannheim einzogen, das am Freitag beginnt. Fragen und Antworten nach dem Halbfinal-Aus.

Was lief am Ende schief?

Kurz gesagt waren die Haie in den Spielen gegen den Titelverteidiger weder gedankenschnell noch effizient noch zweikampfstark genug. Das verhaltene Spiel, das noch gereicht hatte, um den Pre-Playoff-Qualifikanten Schwenninger Wild Wings im Viertelfinale in vier Begegnungen zu besiegen, war gegen Berlin zu wenig. Dass sie am Ende im Halbfinale nicht in Bestform waren, deutet auf Fehler in der Trainingssteuerung hin. Auch das sehr defensive Coaching ist zu hinterfragen.

Am Dienstag sagten die Vertreter der Haie nicht viel, sie befanden sich in einer Art Schock- und Trauerstarre. Sportdirektor Matthias Baldys meinte nur: „Am Tag nach dem Saisonende ist es schwer, einzelne Punkte für das Ausscheiden zu benennen. Wir werden die Saison in den kommenden Tagen analysieren und dazu auch viele Gespräche führen. Diese Zeit werden wir uns bewusst nehmen. Wir entscheiden mit Bedacht, nicht aus der Emotion heraus.“ Noch in dieser Woche sollen die Saisonabschlussgespräche mit den Spielern beginnen, die Baldys führen wird. Trainer Kari Jalonen wird dabei keine Rolle mehr spielen, denn er kehrt nach zwei Jahren in Köln in seine finnische Heimat zurück, wo er Trainer  bei Tappara Tampere wird. „Ich habe aus der Zeit mit Kari viel mitgenommen“, sagte Baldys. 

Worauf können die Haie stolz sein?

Zum einen funktionierte die Zusammenstellung der Mannschaft sehr gut. Kein einziger der insgesamt elf Profis, die zum Team der DEL-Saison 2025/26 kamen, enttäuschte. Einige ragten sogar heraus, allen voran der Finne Janne Juvonen, der als DEL-Spieler sowie Torhüter des Jahres ausgezeichnet wurde – und einen Dreijahresvertrag beim KEC unterschrieb. Zusammen spielten sie eine so stabile Hauptrunde, dass die Haie zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 wieder als Spitzenreiter in die Playoffs gingen und einen Ligarekord von 16 Siegen nacheinander aufstellten.

In der Lanxess-Arena holten die KEC-Profis 60 Punkte und waren damit neben dem ERC Ingolstadt das heimstärkste Team. Und dann sind da die Zuschauerzahlen: In 20 von insgesamt 31 Heimpartien war die Arena mit 18.600 Besuchern ausverkauft. Rechnet man Playoffs und Hauptrunde zusammen, kommen die Haie auf einen Schnitt von 18.190, was einer Auslastung von fast 98 Prozent entspricht. In Europa ist das im Eishockey ein einsamer Spitzenwert. 

Welchen Einfluss hatte der Arena-Vertrag?

Die Haie hatten sich schon in der vorigen Saison mit der Arena darauf geeinigt, auswärts in sämtlichen Playoff-Serien zu starten. Es war ein Entgegenkommen des Vereins an die Hallenbetreiber, die so deutlich weniger Termine für den KEC freihalten müssen. 2025 hatte es keinen Einfluss, da der KEC nur Tabellensechster war und gegen besser platzierte Mannschaften spielte. Diesmal mussten sie tatsächlich auf das Heimrecht in Spiel eins verzichten, und das war in der Serie gegen die heimstarken Eisbären, die sofort 1:0 in Führung gingen, wohl ein Nachteil.

Da der Vertrag auch in der kommenden Spielzeit gilt, werden die Haie Wege finden müssen, besser damit zurechtzukommen. Es ist ein altes Problem des KEC: Da die Lanxess-Arena weder der Stadt noch dem Verein, sondern asiatischen Investoren gehört, müssen Arrangements getroffen und zudem hohe Mietsummen gezahlt werden. Die Rede ist von etwa 60.000 Euro pro Spiel. Die Eisbären – und auch Finalist Mannheim – haben es einfacher: Die Arenen in Berlin und Mannheim gehören den jeweiligen Klubbesitzern. 

Wie geht es weiter?

Schon länger bekannt, aber noch nicht bestätigt, ist, dass der Schwede Thomas Berglund, langjähriger Cheftrainer des schwedischen Topklubs Luleå HF, bei dem er seit Jahren erfolgreich arbeitet, Jalonens Nachfolger an der Haie-Bande wird. Der 57-Jährige gilt als Trainer, der großen Wert auf taktische Ordnung, defensive Stabilität und mannschaftliche Geschlossenheit legt. Er dürfte also auf Jalonens Arbeit aufbauen und ist, wie zu hören ist, voller Vorfreude auf die Aufgabe in Köln. Noch ist nicht bekannt, wann er eintreffen wird.

Man kann davon ausgehen, dass er nicht nur einen Assistenztrainer, sondern auch den ein oder anderen schwedischen Spieler mitbringen wird. Ihm zur Seite stehen wird Manuel Kofler, der weiter Co-Trainer beim KEC bleibt. Verlassen werden die Haie wahrscheinlich die Profis Nate Schnarr, Oliwer Kaski, Tobias Ancicka, Dominik Uher, Parker Tuomie, Tanner Kero und Markus Nutivaara. Als Zugänge werden Tim Fleischer (Straubing), Daniel Fischbuch (Iserlohn), Marcel Noebels (Berlin) und U-20-Nationalspieler Carlos Händel gehandelt.