Abo

Eisbären im Halbfinale zu cleverDer Meister-Traum der Kölner Haie ist mal wieder geplatzt

4 min
Die Spieler der Kölner Haie stehen nach dem Spiel auf dem Eis.

Trauer und Enttäuschung: die Haie um Moritz Müller (l.) nach dem Aus im Playoff-Halbfinale gegen Berlin

KEC verliert mit 1:4 gegen Titelverteidiger Berlin und scheidet in der Serie aus. Möglicherweise war es das letzte Spiel für Haie-Legende Moritz Müller.

Um kurz vor 22 Uhr am Montagabend war die Saison 2025/26 der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) für die Kölner Haie beendet. Die Mannschaft von Trainer Kari Jalonen verlor vor 18.600 Zuschauern in der Lanxess-Arena Spiel sechs des Playoff-Halbfinals gegen die Eisbären Berlin mit 1:4 (1:2, 0:0, 0:2) – und damit die Serie „Best of 7“ mit 2:4. Berlin spielt damit im Finale gegen die bereits qualifizierten Adler Mannheim um die deutsche Meisterschaft, auf deren Gewinn der KEC seit 24 Jahren wartet.

„Ich gratuliere Berlin. Ich bin trotzdem stolz auf meine Spieler, es war für mich eine Ehre, mit den Haien zu arbeiten. Ich hatte hier zwei sehr schöne Jahre“, sagte Jalonen, der den KEC verlässt und in seine finnische Heimat zurückkehrt. Die Fans in der Arena, traurig wie die Akteure auf dem Eis, verabschiedeten die KEC-Spieler mit viel Applaus. Möglicherweise war es für Haie-Legende Moritz Müller (39) das letzte Spiel.

Obwohl die Haie sich in den Playoffs insgesamt ordentlich verkauften, ist das Aus gegen die Eisbären doch eine große Enttäuschung für den Verein. Der KEC war Hauptrundensieger mit der Rekordpunktzahl von 116 Zählern, stellte unterwegs einen Ligarekord von 16 Siegen in Serie auf. Berlin kam als Tabellensechster nur auf 85 Punkte. Dennoch waren die Eisbären in der Halbfinalserie insgesamt ein Stück effizienter, selbstbewusster und auch taktisch ein wenig besser eingestellt als der KEC.

Ich gratuliere Berlin. Ich bin trotzdem stolz auf meine Spieler, es war für mich eine Ehre, mit den Haien zu arbeiten. Ich hatte hier zwei sehr schöne Jahre.
Der scheidende Haie-Trainer Kari Jalonen

Spiel sechs begann deprimierend für die Haie, nämlich mit zwei schnellen Treffern für Berlin, die dem KEC zum Verhängnis werden sollten, erzielt von Jonas Müller (7.) und Frederik Tiffels (10.). Müller war erfolgreich, indem er einen Rebound nach einem Schuss von Liam Kirk verwandelte. Ex-Hai Tiffels traf nach Zuspiel von Ty Ronning, der vor dem Tor von Janne Juvonen einen Pass aus der Drehung gespielt hatte.

Vorausgegangen waren den Treffern defensive Abstimmungsfehler der Haie, die ihrerseits im Abschluss  nicht effizient waren. Ob Dominik Bokk, Gregor MacLeod oder Frederik Storm – alle zeigten sich zwar gefährlich vor Jonas Stettmers Tor, ohne jedoch zu verwandeln.

Doch dann schlug Parker Tuomie für Köln zu, der zuvor zuletzt im Dezember einen Torerfolg gefeiert hatte. Er überwand Stettmer in der 16. Minute mit einem Schuss von rechts, mit dem der Berliner Goalie nicht gerechnet hatte – 1:2. Die Haie blieben dennoch  nervös. Berlin kassierte danach zwar zwei Strafen nacheinander. Aus dem Powerplay, das in der Hauptrunde noch die große Stärke der Haie war, machten sie aber nichts – und das, obwohl sie 36 Sekunden mit fünf gegen drei angreifen durften.

Die Profis der Kölner Haie jubeln über den Anschlusstreffer.

Kurze Hoffnung: Die Haie konnten nach 16 Minuten durch Parker Tuomie auf 1:2 verkürzen. Was da noch keiner wusste: Es war das letzte KEC-Tor an diesem Abend.

„Wir haben eigentlich gut gespielt, aber zwei Fehler in der eigenen Zone gemacht. Wir müssen einfacher spielen“, sagte Storm in der Pause. Das gelang den Haien gut. Sie wurden zweikampfstärker, dominanter und spielten auch eine sehr gute Unterzahl. So überstanden sie Anfang des Mitteldrittels 53 Sekunden mit drei gegen fünf ohne Gegentreffer – das gab ihnen Energie. So entwickelte sich ein sehr spannender Playoff-Kampf mit Chancen auf beiden Seiten. Das Spiel wog phasenweise wild hin und her. Da beide Torhüter aber sehr stabil hielten, fiel im Mitteldrittel kein Tor.

„Wir haben im zweiten Drittel sehr gut gespielt, jetzt legen wir alles ins letzte Drittel, um zwei Tore zu schießen“, sagte Haie-Co-Trainer Manuel Kofler vor dem Schlussabschnitt. Doch das war leichter gesagt als getan. Die Berliner, die im Gegensatz zum KEC nicht mit dem Rücken zur Wand standen, spielten selbstbewusst weiter, während die Haie nervös wirkten. Die Zeit lief gegen sie, sie versuchten einiges, doch Stettmer ließ einfach keine Pucks durch. Drei Minuten vor Ende nahmen die Haie den Goalie vom Eis. Yannick Veilleux und Markus Vikingstad trafen ins leere Tor.

Kölner Haie: Juvonen – Kaski, Austin – Kemiläinen, Vittasmäki – Müller, Sennhenn – Russell, MacLeod, Tuomie – Bokk, Aubry, Storm – Schnarr, Tyrväinen, Kammerer – Niedenz, MacInnis, van Calster - Münzenberger. – Zuschauer: 18.600 (ausverkauft). – Schiedsrichter: MacFarlane, Ansons. – Strafminuten: Köln 4/ Berlin 6. – Tore: 0:1 J. Müller (6:59), 0:2 Tiffels (9:24), 1:2 Tuomie (15:41), 1:3 Veilleux (58:46), 1:4 Vinkingstad (59:27).