Der Routinier spricht über die Forsetzung seiner Karriere und den neuen Trainer Thomas Berglund.
KEC-Kapitän Moritz Müller„Ich kann auf dem hohen Niveau mithalten“

Hängt noch ein Jahr dran: Haie-Kapitän Moritz Müller
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Herr Müller, Sie werden im November 40 Jahre alt. Was hat Sie dazu bewogen, noch ein Jahr bei den Kölner Haien dranzuhängen, das insgesamt 24.? Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft waren Sie als TV-Experte im Einsatz und schienen auch daran Gefallen gefunden zu haben.
Das war tatsächlich eine Zeit mit gemischten Gefühlen. Das Kommentieren hat mir Spaß gemacht, aber gleichzeitig habe ich beim Blick aufs Eis auch manchmal gedacht: Schade, da würde ich jetzt gerne selbst spielen. Letztlich war es ein Abwägen. Die vergangenen Jahre bei den Haien haben mir unglaublich viel Spaß gemacht. Es gab in meiner Karriere auch andere Phasen, in denen es wahrscheinlich leichter gewesen wäre aufzuhören. Aber der Weg, den wir als Verein eingeschlagen haben, macht einfach Spaß. Ich wollte mir die Zeit nehmen und genau überlegen, wie es weitergehen soll. Mir war klar: Wenn ich weitermache, dann bedeutet das noch einmal ein Jahr volles Commitment. Eishockey ist ein Verschleißsport, gerade in meinem Alter. Und wenn ich etwas mache, dann richtig – mit Training, Ernährung, Schlaf und allem, was dazugehört. Deshalb habe ich die Entscheidung auch intensiv mit meiner Familie besprochen. Es hat etwas gedauert, aber letztlich war sie dann doch klar.
In den letzten Playoffs waren Sie einer der besten Haie-Profis – war auch das ein Grund?
Das war tatsächlich ein wichtiger Faktor. Die Playoffs haben mir gezeigt, dass ich auf diesem Niveau noch mithalten kann, wenn es wirklich darauf ankommt. Auch bei Olympia war das so. Wenn man merkt, dass man noch einen Beitrag leisten kann und das Niveau noch hat, stellt sich natürlich die Frage: Warum sollte ich jetzt aufhören?
Bei Olympia im Februar in Mailand bekamen Sie zuerst kaum Eiszeit, spielten am Ende aber viel und waren dann neben Moritz Seider der beste deutsche Verteidiger – was war da los?
Das war schon eine besondere Situation. Ich glaube, die Verantwortlichen wollten mich unbedingt dabeihaben, waren sich aber vielleicht nicht ganz sicher, in welcher Rolle. Im Verlauf des Turniers haben sie dann offenbar gemerkt, dass dieser Prozess unnötig war. Nach dem Turnier wurde mir gegenüber kommuniziert, dass das ein Fehler gewesen sei und ihnen leidtue. So etwas passiert im Sport. Ich habe in meiner Karriere schon verrücktere Dinge erlebt.
Es hat Sie sicher gefreut, dass Sie auf dem hohen olympischen Niveau gut mitspielen konnten?
Ja. Mir liegt schnelles Eishockey. Wenn das Spiel schnell wird, Entscheidungen schnell getroffen werden müssen und athletische Komponenten gefragt sind, dann komme ich gut zurecht. Mit langsamem Hockey und einer zusätzlichen Sekunde Zeit kann ich oft weniger anfangen.
Harold Kreis ist als Bundestrainer entlassen worden. Hat Sie das überrascht?
Ich wusste zwar nicht, was passieren würde, aber wir haben nun mehrere Turniere erlebt, bei denen die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht wurden. Deshalb kam es für mich nicht überraschend, dass etwas passiert ist. Gleichzeitig hatte Harold Kreis Anteil an den Erfolgen der vergangenen Jahre, wir waren mit ihm 2023 im WM-Finale. Er hat nach seinem Amtsantritt nicht alles umgekrempelt, sondern vieles übernommen, was gut funktioniert hat. Diese Gelassenheit war wichtig.
Bei den Haien beginnt bald die Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer Thomas Berglund. Wie ist Ihr erster Eindruck?
Wir haben bislang nur telefoniert. Nach einem 15-minütigen Gespräch sollte man sich kein Urteil erlauben. Der Eindruck war positiv. Er gilt als sehr intensiver Trainer. Läuferisch und körperlich anspruchsvoll, mit viel Druck und viel Leidenschaft. Er verlangt von seinen Spielern, dass sie auf dem Eis nichts liegenlassen. Das sollte meiner Spielweise eigentlich entgegenkommen.
Ist ein Job als TV-Experte eine mögliche Perspektive für die Zeit nach der Karriere?
Ja, durchaus. Aber nicht ausschließlich. Ich könnte mir vorstellen, verschiedene Dinge parallel zu machen. Ich habe meine zwei Fitnessstudios, interessiere mich für unternehmerische Projekte und werde mir grundsätzlich alles anhören. Es gibt viele Möglichkeiten. Eine endgültige Entscheidung habe ich noch nicht getroffen. Der Job als TV-Experte hat Spaß gemacht. Das Feedback war durchweg positiv. Viele Zuschauer fanden es gut, dass wir Spielsituationen genauer erklärt und analysiert haben. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie anspruchsvoll dieser Job ist. Man denkt vielleicht, man schaut einfach aufs Eis und erzählt etwas dazu. In Wahrheit steckt enorm viel Vorbereitung dahinter: Recherche, Spieler, Systeme, Aussprache der Namen. Und dann muss man die Dinge im richtigen Moment präzise formulieren. Das ist alles andere als einfach.
Wollen Sie vielleicht Trainer werden?
Das kann ich mir eher nicht vorstellen. Man arbeitet als Trainer zwei, drei Jahre bei einem Verein und muss häufig umziehen. Das passt momentan nicht zu meinen Vorstellungen.
Die Haie haben für die neue Saison unter anderem drei Nationalspieler verpflichtet: Marcel Noebels, Daniel Fischbuch und Tim Fleischer – was sagen Sie dazu?
Das sind sehr gute Verpflichtungen. Ich kenne die Spieler gut. Marcel Noebels hat in den letzten Playoffs für Berlin auf höchstem Niveau gespielt, Daniel Fischbuch ist ein Top-Spieler und Tim Fleischer bringt ebenfalls vieles mit. Er kann offensiv und defensiv spielen, ist hungrig und will sich weiterentwickeln.
Können die Kölner Haie also endlich einmal wieder Deutscher Meister werden?
Wir müssen unsere Arbeit machen. Ich glaube fest daran, dass das Meisterschaftsfenster offen ist. In den vergangenen Jahren wurde manchmal über die Meisterschaft gesprochen, obwohl die Voraussetzungen vielleicht noch nicht ideal waren. Heute sehe ich das anders. Dieses Fenster ist offen. Aber es reicht nicht, darüber zu reden. Man muss jeden Tag vernünftig arbeiten. Die Eisbären Berlin machen seit Jahren hervorragende Arbeit. Genau diese Konstanz brauchen wir auch. Wenn wir unseren Weg konsequent weitergehen, dann bin ich überzeugt, dass es in den nächsten Jahren passieren kann.
Auch deshalb hängen Sie ein Jahr dran?
Genau. Ich habe noch Spaß, ich fühle mich fit, ich glaube, dass ich der Mannschaft helfen kann. Und ich möchte erleben, wohin dieser Weg die Kölner Haie noch führt.

