Juristisch korrekt und sportlich fair ist nicht immer deckungsgleich. In der Posse um den SC West und Pesch II sind es sogar verschiedene Welten.
Kölner Kreisliga-SkandalEine krachende Niederlage für das Fairplay


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Kurz bevor der SC West Köln und sein erschöpfter Präsident Kurt Nürnberg die Waffen im Kampf gegen die Verbands-Windmühlen streckten, erhielt der Vereinsvorstand nach einer verpassten Frist zur Zahlung von 50 Euro Bearbeitungsgebühr vom Kreissportgericht den Hinweis, der sich mit Blick auf die vergangenen Wochen wie ein weiterer Nackenschlag angefühlt haben muss: „Abschließend regt das Gericht für die Zukunft an, dass Sie die Schriftstücke sorgfältig und vollständig lesen.“
Am Ende haben die Paragraphen der Fußballverbände und ihre Gerichte sowie deren Hüter gewonnen. Dafür musste der Fairplay-Gedanke, eigentlich der Kern aller Sportarten, eine krachende Niederlage einstecken.
Ein Schlag ins Gesicht aller Schiedsrichter
Rein juristisch lässt es sich herleiten, warum der SC West als unbeteiligter Verein und Leidtragender des Wiederholungsspiels zwischen dem FC Pesch II und dem ESV Olympia einen kampflosen Abstieg hinnehmen muss und Pesch die Großchance zum Klassenerhalt auf dem Silbertablett serviert bekam. Immerhin hatte der Schiedsrichter laut Urteil „nicht alle Mittel zur Spielfortsetzung ausgeschöpft“. Doch juristisch korrekt und sportlich fair ist nicht immer deckungsgleich. Im Kölner Kreisliga-Skandal sind es sogar grundverschiedene Welten.
Dass ein quasi abgestiegener Verein für das Fehlverhalten seines Spielers, zwei Minuten vor Abpfiff, mit einem 90-minütigen Wiederholungsspiel belohnt wird, ist allein schon schwer verständlich. Gleichzeitig war das Urteil des Bezirkssportgerichts ein Schlag ins Gesicht aller Schiedsrichter. Ein Unparteiischer, der sich bedroht fühlt, sollte nicht erst auf eine gewalttätige Eskalation warten müssen, um ein Spiel abzubrechen – trotz aller Schulungen des Verbands und des in der Theorie wunderbar einleuchtenden DFB-Stopp-Konzepts.
Fast nur Verlierer im Kreisliga-Skandal
Dass es das Regelwerk dem Verursacher des Spielabbruchs auch noch einräumt, im Wiederholungsspiel mit einer komplett neuen und für zwei Klassen höher vorgesehenen Mannschaft anzutreten, war die finale Blutgrätsche gegen das Fairplay.
Mit Ausnahme des ESV Olympia, der sich einen Namen als Verfechter des Sportgeists machen konnte, hat die Posse nur Verlierer produziert: Der SC West ist abgestiegen. Der Ruf des FC Pesch hat mehr als nur Kratzer bekommen. Der betroffene Schiedsrichter hat mit dem FVM gebrochen. Der Fußballkreis Köln, der FVM sowie die Sportgerichte haben viel Vertrauen der Basis eingebüßt und könnten sogar einen Präzedenzfall geschaffen haben, falls in Zukunft eine verlierende Mannschaft kurz vor Schluss mit ihrer Niederlage mal nicht einverstanden sein sollte.
Weil trotz aller moralischen Zweifel kein Recht gebrochen wurde, gibt es keinen formalen Grund, warum die Funktionäre des Fußballkreises und des FVM dem Aufruf des SC West folgen und zurücktreten sollten. Doch zumindest müssen sie mit aller Vehemenz dafür eintreten, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholen kann: Die Regelung für Spielabbrüche muss zu Gunsten der Schiedsrichter vereinfacht werden. Abgebrochene Partien sollten nicht in Gänze neu angesetzt werden. Und Wiederholungsspiele sollten von den Akteuren absolviert werden, die auch ursprünglich auf dem Platz standen.
Das repariert zwar nicht die entstandenen Schäden, könnte weitere Fouls am Fairplay aber womöglich verhindern.
