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Nicole Bender-Rummler„Unser Spiel beim 1. FC Köln ist attraktiver geworden“

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Nicole Bender-Rummler, Bereichsleiterin Frauen- und Mädchenfußball beim 1. FC Köln. 

Die FC-Bereichsleiterin spricht im Interview über die Entwicklung der Bundesliga-Fußballerinnen und Perspektiven des Teams.

Frau Bender-Rummler, herzlichen Glückwunsch zu einer Rekord-Hinrunde. Sie dürften mit einem zufriedenen Gefühl in die Weihnachtspause gegangen sein.

So ist es. Wir haben 21 Punkte geholt und stehen auf dem achten Tabellenplatz. Wir sind sehr zufrieden.

Dabei begann die Saison nicht optimal. Hatten Sie nach den ersten drei Niederlagen zum Saisonstart und dem Sturz ans Tabellenende zwischenzeitlich Bedenken?

Für mich war von Anfang an klar, dass sehr viel Potenzial in der Mannschaft steckt. Der Anfang war holprig, aber wir wussten direkt nach den Spielen, was wir besser machen müssen, um die Punkte einzufahren. Fleiß wird am Ende immer belohnt.

War der Sieg im damaligen Kellerduell bei der SGS Essen eine Initialzündung?

Tagesaktuell denken wir nicht mehr an den ersten Sieg in Essen. Irgendwann ist immer ein positiver Anfang. Aber es war ein wichtiger Sieg, weil es danach bergauf ging.

Was macht die Stärke des Kaders aus?

Das sind einige Dinge. Wir haben den Kader aus dem Erfahrungswert der letzten Jahre breiter, aber auch qualitativ besser aufgestellt. Selbst jetzt, wenn drei von vier Torhüterinnen ausfallen, haben wir immer noch eine Frau im Tor, die Bundesliga-Niveau hat. Das ist nur eine Personalie von vielen. Natürlich geht es auch um Tore. Die Offensive hat es auch sehr gut gemacht, unter anderem mit Sandra Jessen und Pauline Bremer. Genau das hat uns in den letzten Jahren gefehlt. Wer hätte gedacht, dass sich eine Spielerin des 1. FC Köln mal oben in der Torjägerinnenliste platziert? Und wir sind endlich in der Defensive stabiler geworden. Zudem ist unser Spiel attraktiver geworden, das ist in den verschiedenen Spielphasen zu sehen.

Sandra Jessen ist mit neun Treffern erfolgreichste Torschützin des 1. FC Köln.

Und wo sehen Sie noch Steigerungsmöglichkeiten?

Das sind leider die Spiele, in denen wir vermeintlich in der Favoritenrolle waren. Das ist der nächste Prozess, bei dem wir uns weiterentwickeln wollen. Es war für uns alle sehr enttäuschend, dass wir gegen Sand aus dem DFB-Pokal geflogen sind. Oder auch die Niederlage gegen Jena. Das ist der nächste Entwicklungsschritt, dass wir mit der Favoritenrolle besser umgehen müssen.

Wie groß ist auch Ihre persönliche Erleichterung, dass in diesem Jahr endlich der ersehnte Entwicklungsschritt raus aus dem Abstiegskampf gelungen ist?

Ich habe immer gesagt, dass wir geduldig sein müssen. Ich will nicht immer von Fehlern sprechen, sondern auch von Erfahrungswerten. Das ist noch mal anders als beim Männerfußball, der einfach weiter ist. Wenn man mich vor zwei Jahren gefragt hätte, wie groß ein Bundesliga-Kader sein muss, der nicht international spielt, hätte ich mit 22 oder 24 Spielerinnen geantwortet. Die Erfahrungswerte haben aber gezeigt, dass eine Frau viel verletzungsanfälliger ist als ein Mann, weil eine Frau einen ganz anderen Körperbau hat, wenn es um die körperliche Belastung geht. Deswegen mussten wir uns breiter aufstellen und haben jetzt eine Kadergröße von 28 Spielerinnen. Wir haben auch wieder sechs Langzeitverletzte, aber es ist nicht so, dass unsere Trainerin in die Bredouille kommt. Britta hat immer wieder Lösungen und Möglichkeiten und musste nicht einmal erwähnen, dass der Kader zu klein sei oder die Qualität nicht passt. Natürlich freut es mich, dass es endlich mal so läuft, wie wir es geplant haben.

Trainerin Britta Carlson ist die Architektin des Aufschwungs. Wie bewerten Sie ihre Arbeit nach fast genau einem Jahr im Amt?

Britta arbeitet sehr akribisch mit ihrem Trainerteam, das wir auch im Sommer noch einmal breiter aufgestellt haben, und natürlich haben wir uns überlegt, wie wir besser werden können. Das betrifft das Gruppentaktische, aber auch die Einzelanalysen. Das macht sich bezahlt.

Eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags scheint zwangsläufig. Wann dürfen die FC-Fans mit der Verkündung rechnen?

Wir sind in guten Gesprächen. Einen genauen Termin haben wir noch nicht, aber beide Seiten können sich sehr gut vorstellen, die Zukunft des 1. FC Köln gemeinsam zu gestalten.

Im Sommer enden auch die Arbeitspapiere von zwölf Spielerinnen, darunter von Leistungsträgerinnen wie Sara Agrez, Adriana Achcinska und der Vize-Kapitänin Laura Feiersinger. Wie sieht Ihr Zeitplan bei diesen Personalien aus?

Da ist es sehr gut, dass wir sportlich so gut dastehen und schon jetzt in die Planung für den Sommer gehen können. Wir sind in Gesprächen und ich gehe davon aus, dass wir zeitnah die ersten Vertragsverlängerungen verkünden können. Was ich jetzt schon sagen kann: Es wird keinen Riesenumbruch geben, wie in den vergangenen Jahren, weil wir den Kern jetzt einfach für uns gefunden haben. Die Mannschaft hat sich gefunden. Es wird ein paar Veränderungen geben, zu einer Zusammenarbeit gehören immer zwei Parteien. Aber es ist so, dass ein Großteil verlängern wird.

Nationalspielerin Kathrin Hendrich hielt sich zwischenzeitlich für das Nations-League-Finale am Geißbockheim fit. Ist ein Transfer zum FC – auch vor dem Hintergrund der langen Verletzungspause von Marina Hegering – komplett ausgeschlossen?

Wir haben mit Kathy nicht über einen Vertrag beim 1. FC Köln gesprochen. Wir haben Kathy hier konzentriert arbeiten lassen. Sie hat noch ein komplettes Jahr lang einen Vertrag in den USA, daher steht im Winter nichts an.

Wann könnte Marina Hegering wieder auf dem Platz stehen?

Das müssen wir abwarten, jeder Körper reagiert unterschiedlich auf eine Verletzung. Daher ist es schwierig, das genau abzuschätzen. Marina wird eine gewisse Zeit fehlen. Sie wird aber auf jeden Fall in der Rückrunde noch Spiele für uns machen.

Ist ansonsten personell noch etwas geplant im Winter?

Wir sind nicht im Zugzwang, halten die Augen aber natürlich offen.

Perspektivisch werden wir nicht die nächsten fünf Jahre von einem frühzeitigen Klassenerhalt sprechen, das ist klar. Aber wir müssen bodenständig bleiben und Schritt für Schritt gehen
Nicole Bender-Rummler, Bereichsleiterin Frauen- und Mädchenfußball beim 1. FC Köln

Nach der Rekord-Hinrunde liegt die Messlatte hoch. Was ist das Ziel für den Rest der Saison?

Wir wollen die Saison positiv abschließen. In der Rückrunde wollen wir die Punkte, die wir in der Hinrunde für unseren Anspruch unnötigerweise haben liegenlassen, noch zusätzlich holen. Perspektivisch werden wir nicht die nächsten fünf Jahre von einem frühzeitigen Klassenerhalt sprechen, das ist klar. Aber wir müssen bodenständig bleiben und Schritt für Schritt gehen.

Wie sieht die Planung für das nächste Highlight-Spiel in der Rückrunde im Rhein-Energie-Stadion aus?

Dazu werden wir im neuen Jahr mehr Einzelheiten veröffentlichen. Bis dahin bitte ich noch um Geduld.

Neben der Bundesliga-Mannschaft sorgt die U 21 in der Regionalliga West für Aufsehen, die vor Borussia Dortmund an der Tabellenspitze steht. Peilen Sie mit dem Team den Aufstieg in die Zweite Liga an?

Wir würden die Zulassung beim DFB für die Zweite Bundesliga beantragen, wenn es soweit ist. Wir werden alles dafür tun, aus eigener Kraft in die Zweite Liga aufzusteigen. Wenn es aber nicht klappen sollte, ist es auch kein Beinbruch. Der Aufstieg ist nicht die oberste Priorität und Vorgabe an das Team, sondern wie sich die junge Mannschaft und die einzelnen Spielerinnen entwickeln. Sie spielen eine tolle Saison. Das steht im Vordergrund.

Wie fällt Ihre Bilanz nach dem ersten halben Jahr mit der neuen separaten weiblichen Akademie-Struktur aus?

Die Akademie wächst, wir bekommen immer mehr Spielerinnen und Personal. Daher bin ich sehr froh, dass ich jetzt Theresa Merk als Akademie-Leiterin an meiner Seite habe. Theresa schaut sich die Spiele der U-Mannschaften an und gibt Rückmeldung an die Trainer-Teams. Unsere Akademie ist ab dem 1. Januar als DFB-Leistungszentrum weiblich zertifiziert. Es geht auch um die Spielidee und die Weiterentwicklung der Spielerinnen und Trainerinnen. Es wird mit der Zeit alles professioneller, wir haben mittlerweile viel mehr Vollzeitstellen als früher. Die Akademie weiblich soll die Basis dafür sein, damit sich unsere Nachwuchsspielerinnen bestmöglich entwickeln.