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Stefan Ruthenbeck vom 1. FC Köln„Es ist ungemein schwer, uns zu schlagen“

4 min
Stefan Ruthenbeck Trainer, 1. FC Köln U19 mit der Meisterschale. Fußball I Junioren I U19 DFB-Nachwuchsliga I Saison 2024-2025 I Deutsche Meisterschaft U19, Finale I Bayer 04 Leverkusen U19 - 1. FC Köln U19 I 18.05.2025 I BayArena *** Stefan Ruthenbeck Coach, 1 FC Köln U19 with the championship trophy Football I Juniors I U19 DFB Junior League I Season 2024 2025 I German Championship U19, Final I Bayer 04 Leverkusen U19 1 FC Köln U19 I 18 05 2025 I BayArena

Stefan Ruthenbeck Trainer der U 19 des 1. FC Köln, nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Mai 2025. 

Der 53-jährige Trainer der U 19 spricht im Interview über die Mentalität und die Qualität seines Teams sowie die Ambitionen der Mannschaft.

Herr Ruthenbeck, trügt der Eindruck, dass die zurückliegenden Wochen und Monate für Sie turbulenter waren als in den Jahren zuvor?

Stefan Ruthenbeck: Wir waren schon ordentlich im Einsatz, das stimmt wohl. Aber die Spieler brauchen diese Minuten und Wettkämpfe, um Fortschritte zu erzielen und im besten Falle oben anzukommen. Von daher dürfen wir nicht klagen. Wir liefern ab, ziehen Spiele und sind weiterhin in drei Wettbewerben vertreten. Aber natürlich müssen wir achtsam sein, was die Belastung angeht. Wir reden hier immer noch von Jugendlichen, die zur Schule gehen und gleichzeitig ihrem Traum nachjagen und dafür einen hohen Einsatz bringen. Die Tage der Jungs sind maximal durchgetaktet.

19 Pflichtspiele stehen im bisherigen Saisonverlauf zu Buche. Nur eines ging verloren. Die Zwischenbilanz liest sich gut.

Das würde ich unterschreiben. Aber gewonnen ist damit noch nichts. Aber ja, die Mannschaft hat eine enorme Entwicklung hinter sich und auch individuell können wir beachtliche Verbesserungen feststellen. Dass wir allerdings gerade bei Fortuna Düsseldorf (0:1; d. Red.) nicht punkten konnten, hat keinem gepasst. Wir waren an diesem Tag einfach nicht gut drauf und alle waren ohne Ende kritisch mit sich selbst. Aber wir haben nach diesem Rückschlag einige, auch taktische Anpassungen vorgenommen und die richtigen Schlüsse gezogen.

Die Mannschaft ist immer da, wenn sie liefern muss
Stefan Ruthenbeck über die Mentalität seines Teams

Wenn es eng wird, trifft Fynn Schenten, der mit wettbewerbsübergreifend 15 Treffern für Ihr Team so etwas wie eine sportliche Lebensversicherung ist.

Fynn macht es ohne Frage überragend. Aber die Mannschaft dahinter ist sein eigentliches Kapital. Jeder hat seine Rolle und füllt sie aus. Und wir haben unsere Spielidee, wenn man so will, auf ihn zugeschnitten, so dass er in erheblichem Maß von dieser Herangehensweise profitiert. Alles ist darauf ausgerichtet, ihn in gute Abschlusssituationen zu bringen. Das ist der Plan und das haben alle verinnerlicht. Auch wenn er längst nicht jede Chance reinmacht, können wir und darf er mit seiner Quote zufrieden sein (lacht).

Der Star ist die Mannschaft. Gehen Sie hier mit?

Zu 100 Prozent. Das war schon in der Meistersaison so und ist auch diesmal nicht anders.

Die DFB-Nachwuchsliga ist Ihr Kerngeschäft. Was ist die Kernkompetenz Ihrer Mannschaft, die am letzten Spieltag der Vorrunde Mainz 05 an der Tabellenspitze abgelöst hat?

Wir haben inhaltlich an einigen Stellschrauben gedreht. Aber die Fähigkeit des Umschaltens ist schon besonders ausgeprägt – in beide Richtungen. Das Gemeinschaftliche ist von immenser Bedeutung und wird von einer herausragenden Mentalität getragen. Und die Mannschaft lebt es auf außerordentliche Weise.

Mit nur neun Gegentoren in der DFB-Nachwuchsliga hat Ihre Mannschaft den bundesweit besten Wert in der höchsten Spielklasse vorzuweisen. Leicht zu knacken sind Sie nicht.

Das würde ich unterschreiben. Es ist wirklich ungemein schwer, uns zu schlagen. Die Mannschaft agiert auf einem ungemein hohen Niveau, auch wenn das für Außenstehende nicht immer erkennbar ist.

Ich habe kein Problem damit, Spiele ohne Glanz und Spektakel und dafür mit größtmöglicher Seriosität zu gewinnen
Stefan Ruthenbeck, Trainer der U 19 des 1. FC Köln

Warum ist das so?

Ich bitte um Verständnis. Aber das sollen andere herausfinden (lacht). Aber im Ernst: Neben dem vorhin Beschriebenen liegt es sicher daran, dass wir unsere Führungsspieler genau in dieser Reihe haben. Luis Stapelmann, Jonathan Friemel (Kapitän der U 19; d. Red.) und Torwart Mikolaj Marutzki verleihen der Abwehrreihe eine unglaubliche Stabilität, vermitteln Verlässlichkeit, Ordnung und Ruhe. Und die Mannschaft ist immer da, wenn sie liefern muss.

Gestatten Sie uns, bei aller Wertschätzung für das Geleistete, einen kleinen Seitenhieb. Die Sterne spielt Ihre Mannschaft nur selten vom Himmel.

Wir haben in den zurückliegenden acht Monaten nur ein Pflichtspiel verloren und im Mai dieses Jahres vor mehr als 24.000 Zuschauern in der Bay-Arena die Deutsche Meisterschaft gewonnen. In einer keineswegs einfachen Saison, in der wir immer wieder Rückschläge zu verkraften hatten. Das ist erstmal ein Fakt. Ansonsten würde ich dem sogar zustimmen. Dass es vornehmlich ums Gewinnen geht, ist eigentlich überflüssig zu erwähnen. Aber es ist auch eine Qualität, Spiele zu gewinnen, in denen es nicht optimal läuft und das gelingt uns bis hierhin recht gut. Ich habe jedenfalls kein Problem damit, Spiele ohne Glanz und Spektakel und dafür mit größtmöglicher Seriosität zu gewinnen.

Am 6. Januar sind Sie mit Ihrem Team in die Vorbereitung gestartet. Bereits am 4. Februar treffen Sie in der Youth League in der Runde der letzten 32 Mannschaften im Rheinenergie-Stadion auf Inter Mailand.

Die Vorfreude ist riesig. Und wir werden alles daransetzen, um den 1. FC Köln bestmöglich zu vertreten und eine Runde weiterzukommen. Aber natürlich ist Inter Mailand ein anderes Kaliber, was sie nicht zuletzt mit dem 5:0-Sieg über den FC Liverpool eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben.

Vier Tage später startet die DFB-Nachwuchsliga. Das Viertelfinale im DFB-Pokal bei Eintracht Frankfurt wird voraussichtlich am 18. Februar ausgetragen. Was ist die Zielsetzung für das neue Jahr?

Wir wollen auf jeden Fall einen Titel gewinnen. Dafür erhalten unsere Jungs auf vielen Ebenen die maximale Unterstützung. Wir müssen weiter hart arbeiten, fleißig und demütig sein und bloß nicht nachlässig werden. Alle müssen die Gier mitbringen, jeden Tag besser werden zu wollen. Das ist mit mir nicht verhandelbar und alternativlos.