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Interview

Viktoria Köln
„Bis Spätsommer wollen wir einen Investor haben“

5 min
Viktorias Joel Agyekum (l.) und Lars Dietz nach dem Sieg in Aachen zum Hinrunden-Abschluss

Viktorias Joel Agyekum (l.) und Lars Dietz nach dem Sieg in Aachen zum Hinrunden-Abschluss

Die Geschäftsführer des Drittligisten, Eric Bock und Axel Freisewinkel, über die Investorensuche und die El-Mala-Millionen

Herr Bock, Herr Freisewinkel, Viktoria Köln hat auf die beste Drittliga-Hinrunde ihre zweitbeste folgen lassen. Das Team hat mit 27 Punkten auf Platz zwölf überwintert. Wie zufrieden sind Sie beide?

Axel Freisewinkel: Insgesamt sind wir sehr zufrieden. Es gab einen Trainerwechsel im Sommer, dazu viele neue Spieler, die du erst einmal integrieren musst. Am Anfang weiß man nie, wo man steht. Aber dann haben wir sehr viele gute Spiele gemacht, mit Ausnahme einer kleinen November-Delle, die bei uns ja fast alljährlich ist.

Eric Bock: Ich stimme dem komplett zu. Jetzt wollen wir möglichst schnell unser erstes Ziel und die 45 oder vielleicht 46 für den Klassenerhalt nötigen Punkte holen.

Welchen Eindruck hat Trainer Marian Wilhelm in seinem ersten halben Jahr gemacht?

Freisewinkel: Es ist ja kein Geheimnis, dass wir von Marian einhundertprozentig überzeugt sind. Er hat als Cheftrainer mit seiner Arbeit da weitergemacht, wie wir es aus den letzten 15 Jahren von ihm kennen. Natürlich hat er sich auch entwickelt, er hat eine gute Ansprache, eine gute Ausstrahlung. Unser Spiel hat sich auch etwas verändert, wir spielen noch einen Tick aggressiver als im letzten Jahr, laufen extrem hoch an. Wir sind sehr froh, dass wir Marian haben.

In der letzten Saison war zum gleichen Zeitpunkt die Kräfteverteilung in der Liga eine andere, die Viktoria war mit einer ähnlichen Punktzahl dran an den Aufstiegsplätzen. Vermissen Sie beide diesen zusätzlichen Kitzel?

Bock: Natürlich war das schön im letzten Jahr. Aber wir wussten von Anfang an, dass es schwierig wird, das so zu wiederholen. Uns ist es fast gelungen – und auf die Verteilung der Punkte bei den anderen Teams haben wir keinen Einfluss.

Zur aktuellen Saison musste der Verein seinen Etat um knapp zehn Prozent eindampfen. Wie sieht es für die kommende Spielzeit aus?

Freisewinkel: Stand heute sieht es so aus, dass wir 2026/27 mit einem ähnlichen Budget wie in der aktuellen Saison rechnen, die Etatplanungen laufen gerade. Mit den Wechseln von Zoumana Keita und Jonah Sticker im Sommer sowie Tyger Lobinger im Winter ist noch einmal etwas Transfererlös dazugekommen.

Sind solche Spielerverkäufe notwendig, um das Etat-Niveau halten zu können?

Freisewinkel: Der Transfer von Lobinger war vorher nicht geplant. Da kam die Anfrage vom MSV Duisburg, mit der sich der Spieler und wir auseinandergesetzt haben. Als dann von unseren sportlich Verantwortlichen grünes Licht gegeben wurde, haben wir es gemacht. Wir waren nicht auf die Einnahmen angewiesen. Als Mann der Finanzen freuen mich die Einnahmen und das eingesparte Gehalt natürlich. Das sind Gelder, die wir nutzen, um das wirtschaftliche Niveau auf Strecke halten zu können.

17.08.2025, xophax, Fussball , DFB - Pokal , 1.Runde Viktoria Köln gegen SC Paderborn 07 Viktoria Köln Geschäftsführer Eric Bock Köln *** 17 08 2025, xophax, Fußball , DFB Pokal , 1 Runde Viktoria Köln gegen SC Paderborn 07 Viktoria Köln Geschäftsführer Eric Bock Köln

Eric Bock (58), Geschäftsführer von Viktoria Köln

Und im Sommer gibt es mehr Spielraum bei der Kaderplanung?

Freisewinkel: Ja, vielleicht können wir dann bei dem einen oder anderen Spieler etwas machen, was ansonsten nicht funktioniert hätte.

Wo rangiert die Viktoria in der Etat-Tabelle der Dritten Liga?

Bock: Eher im unteren Bereich.

Freisewinkel: Aber im sportlichen Bereich überperformen wir erneut. Pro ausgegebenem Euro holen wir im Vergleich zu vielen anderen Klubs mehr Punkte.

Die Viktoria zehrt nach wie vor von dem von Franz Josef Wernze hinterlassenen Geld.

Freisewinkel: Das stimmt, das Geld benötigen wir, um unser finanzielles Niveau halten zu können. Ursprünglich ausgelegt war es auf vier Jahre, wir sind jetzt im sechsten Jahr und haben nach wie vor Rücklagen.

Für die weitere Entwicklung des Vereins läuft seit einiger Zeit die Suche nach einem Investor. Wie ist der Stand der Dinge?

Bock: Sehr positiv. Wir sind jetzt in einer engeren Auswahl mit zwei, drei potenziellen Investoren aus der Region und dem benachbarten Ausland. Wir wollen bis zum Spätsommer eine Entscheidung haben.

Handelt es sich um Unternehmen oder Einzelpersonen?

Bock: Sowohl als auch, im Januar und Februar stehen entscheidende Gespräche an. Es muss ja am Ende für beide Parteien passen. Ermöglicht wurde uns dieser Schritt übrigens auch dadurch, dass die Familie Wernze im letzten Sommer ihre 9,95 Prozent Anteile der Spielbetriebs-GmbH an den e.V. gespendet hat, wofür wir extrem dankbar sind.

Axel Freisewinkel, Geschäftsführer von Viktoria Köln

Axel Freisewinkel, Geschäftsführer von Viktoria Köln

Was bietet die Viktoria einem potenziellen Investor?

Freisewinkel: Wir sind ein schuldenfreier Drittligist, das gibt es zunächst nicht so oft. Wir haben ein erfolgreiches NLZ, mit dem wir uns bundesweit den Ruf als Ausbildungsverein erarbeitet haben. Wir haben eine klare Vereinsstrategie, die sich von der Jugend bis zu den Profis zieht. Und letztlich bieten wir Anteile an unserer Spielbetriebs-GmbH an. Natürlich unter Einhaltung der 50+1-Regel.

Was erhofft sich die Viktoria?

Freisewinkel: Wir wollen den Verein weiterentwickeln. Auf der einen Seite sportlich, auf der anderen Seite infrastrukturell. Hier wäre mit einem Investor als Partner eine langfristige Planung möglich. Sportlich wäre beispielsweise denkbar, dass man Leistungsträger, die man aktuell oft nach vergleichsweise kurzer Zeit an andere Vereine abgibt, um sie nicht ablösefrei zu verlieren, bei Viktoria eine andere Perspektive aufzeigen kann.

Haben Sie ein konkretes Beispiel für die Infrastruktur?

Bock: Unsere U 17 und U 19, die ihre Nachwuchsliga-Heimspiele nach wie vor in Troisdorf austragen müssen. Eine Idee ist es, unseren Trainingsplatz in Brück so auszubauen, dass nicht nur die Profis bessere Bedingungen hätten, sondern auch die Jugend dort Spiele absolvieren könnte.

Freisewinkel: Für einen Investor wäre auch das Stadion ein Thema, auch wenn das der Stadt gehört. Hier würde es vielleicht um eine Überdachung aller Plätze gehen.

Es gibt im Profifußball im Investoren-Bereich viele Negativ-Beispiele, wie bei 1860 München und dem Chaos um Hasan Ismaik. Wie soll eine ähnliche Entwicklung in Höhenberg verhindert werden?

Freisewinkel: Wir sind natürlich darauf bedacht, einen Investor zu finden, der den Weg weitergehen will, den wir vor einiger Zeit eingeschlagen haben. Wir werden weiterhin auf junge Spieler setzen. Es wird keinen Rückfall geben, dass wir jetzt zehn gestandene Profis über 30 verpflichten.

Welche Rolle würde ein Investor in den Vereinsgremien übernehmen?

Bock: Auch da laufen die Gespräche, natürlich mit dem Vorstand der Viktoria. Vermutlich wird es am Ende ein Aufsichtsrats-Posten sein.

Investoren unterscheidet von Mäzenen, dass sie Geld verdienen wollen. Das ist in der Dritten Liga nicht so leicht.

Freisewinkel: Das stimmt. Wir haben noch mit keinem Kandidaten gesprochen, der unbedingt in der Dritten Liga bleiben möchte. Natürlich ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga dann mittelfristig ein Thema.

Ihr Verein sitzt mit der zehnprozentigen Weiterverkaufsbeteiligung für Said El Mala noch auf einem kleinen Schatz – beim sich anbahnenden Rekordtransfer des 1. FC Köln würde die Viktoria einen Millionenbetrag einstreichen, der fast einem ganzen Jahresetat entsprechen könnte.

Freisewinkel: Natürlich denkt man darüber nach, aber wir haben das Heft des Handelns nicht in der Hand, das liegt beim FC. Sollte Said einmal transferiert werden, kommt ja auch noch die Frage auf, für wann die Zahlungsziele festgelegt werden. Es ist ja nicht gängig, dass die komplette Summe direkt am Anfang an Tag X kommt und wir sofort profitieren. Grundsätzlich denke ich, dass wir die Einnahmen über einen längeren Zeitraum einplanen würden oder sie für eine infrastrukturelle Maßnahme nutzen könnten.