Zum Glück ignorierte Taylan Duman den Zuruf eines Teamkollegen in der 15. Minute. „Da meinte noch einer: Nein, schieß nicht!“, berichtet Viktoria Kölns Mittelfeldchef mit einem Lächeln. Doch Duman zog ab. Mit rechts, aus halbrechter Position. Und voller Wucht – Unterkante der Latte, Tor. Sein 1:0 am Freitagabend gegen den 1. FC Saarbrücken, Marke „Tor des Monats“, war der Grundstein zum späteren 5:3-Spektakel, das Viktorias Drittliga-Tabellenführung über die Länderspielpause sicherte. „Ich habe die Lücke gesehen und abgezogen“, sagt Duman. Welcher Mitspieler ihn noch am Schuss hindern wollte, weiß der 29-Jährige nicht. Der Zweifler hat sich nicht gemeldet.
Nicht nur wegen seines Treffers war Duman der wohl wichtigste Mann auf dem Platz an diesem Abend. Zwar hatte auch das Offensiv-Trio mit David Otto, Niklas Castelle und Lucas Wolf geglänzt – alle drei erzielten ein Tor –, doch Duman war zur Stelle, als seine Mannschaft ihn am dringendsten benötigte. Denn nach einer dominanten Stunde geriet der Tabellenführer beim Stand von 3:0 plötzlich ins Wanken. Zunächst leistete sich Junioren-Nationalspieler Niklas Swider am eigenen Strafraum einen Fehlpass, wenig später verpatzte Castelle eine Ballannahme. Saarbrücken verkürzte binnen zwei Minuten auf 3:2. Die Höhenberger wackelten spürbar.
Traumhaft herausgespieltes 2:0
Die Führungsspieler riefen das Team eilig in einen Kreis zusammen, dort ergriff Duman das Wort. „Ich habe gesagt, dass unsere Spielidee ganz klar ist. Aber manchmal gibt der Spielverlauf das einfach nicht her“, so der Routinier. „Wir haben eine Spielidee. Wenn alle zu 100 Prozent da sind, können wir Gegner bespielen. Ich glaube, das sieht man auch.“ So beim 2:0 durch Castelle, als sich die Viktoria nach einem kurz ausgeführten Abstoß über elf Stationen sehenswert bis zum Saarbrücker Tor kombiniert hatte. „Bundesliga-Niveau“, so Sportvorstand Franz Wunderlich.
Die Fehler vor den Gegentoren sind auf einem deutlich niedrigeren Niveau anzusiedeln. „Wenn vielleicht drei oder vier Leute einmal nicht den Ball haben wollen, ist es schwierig, den besser postierten Mitspieler zu finden. In dem Moment muss man einfach vielleicht fünf bis zehn Minuten aushalten“, sagt Duman. „Ich habe einfach gesagt, dass wir auch einmal einen langen Ball spielen sollen. Wir haben David Otto da vorne. Er macht jeden Ball fest. Ich habe dann gesagt, dass wir damit zehn Minuten überbrücken sollen.“ Dumans Ansage zeigte Wirkung: Die Viktoria fand zurück in ihren Rhythmus, und Otto machte mit dem 4:2 nur wenige Minuten später die Führung wieder deutlich. „Ich bin einfach froh, in dieser Mannschaft zu spielen. Es macht unglaublich viel Spaß. Wir müssen diesen Spirit beibehalten und dann von Woche zu Woche schauen“, sagt Duman mit Blick auf die Tabelle.
Weil die Viktoria kurz vor Schluss das dritte Gegentor kassiert hatte, war die Stimmung trotz des Ausbaus der Siegesserie und der Verteidigung von Platz eins nach Abpfiff zunächst frostig. „Bei allen drei Gegentoren hängen wir selbst mit drin. Das ärgert uns ein bisschen“, so Wunderlich. „Das müssen wir abstellen. Da werden wir den Finger in die Wunde legen in der Länderspielpause. Das ist ja am Ende ideal. Da können wir trotz des Sieges noch Dinge kritisch ansprechen.“
Am Donnerstag geht es nach Siegburg
Letztlich überwog aber die Euphorie. „Dass wir dann doch die Ruhe bewahren und wieder zurückkommen, ist ein weiterer Entwicklungsschritt. Und wir gewinnen mit 5:3 gegen eine Topmannschaft. Mehr Ausrufezeichen geht nicht“, lobt Wunderlich.
Eine echte Länderspielpause hat die Viktoria derweil nicht. Am Donnerstag (19 Uhr) geht es im Achtelfinale des Mittelrheinpokals zum Mittelrheinligisten Siegburger SV. In der Meisterschaft wartet anschließend das Spiel beim Schlusslicht TSV Havelse (20. November, 19 Uhr), und dann folgt das Heim-Derby gegen die Fortuna (29. November, 13.30 Uhr).



