Köln – Bevor wir es ganz vergessen und der Formel-1-Tross weiterzieht, als hätte er ein normales Wochenende hinter sich: In Dschidda fand eine der schändlichsten Sport-Veranstaltungen der jüngeren Geschichte statt. Während die Szene das spannende Rennen, den Sieg von Max Verstappen, das harte Racing mit Charles Leclerc feiert, bleibt Saudi Arabien eine islamische Monarchie mit Blut an ihren Händen, die in einem vergessenen Bürgerkrieg im bitterarmen Nachbarland Jemen Menschen in großer Zahl tötet.
Nicht einmal der Drohnenangriff der jemenitischen Huthi-Rebellen auf ein Tanklager nahe der Rennstrecke hat verhindern können, dass dieses furchteinflößende Rennen stattfand. Statt Empörung herrscht Schulterzucken: Ist ja nur Formel 1, was soll man erwarten? Die Nachfahren des legendären Bernie Ecclestone, der Geschäfte immer über den Anstand gestellt hat, würden auch im Hinterhof des Teufels fahren, wenn es lukrativ genug wäre.
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Die Fahrer sehen sich offenbar geschlossen als gut bezahlte Angestellte eines zynischen Zirkus, der funktionieren muss. Dennoch hätte jeder für sich die Entscheidung treffen können, einfach abzureisen. So wie andere Sportler und Teams derzeit für sich entscheiden, nicht gegen Repräsentanten des russischen Systems anzutreten. Man muss mit einem Superstar wie Lewis Hamilton kein Mitleid haben, wenn er sein Unbehagen nach dem Rennen in dem Satz ausdrückt, er sei einfach nur froh, dieses Land verlassen zu können. Er hätte es als Rekordweltmeister zu jeder Zeit verlassen können und wäre mit nur einem WM-Punkt weniger abgereist. Dafür mit einem Zeichen, das die Welt vielleicht erreicht hätte.


