Die Reaktion des Deutschen Eishockey-Bundes kam prompt, und sie war unmissverständlich. „Wir lehnen die Rückkehr russischer Nationalmannschaften zu internationalen Eishockeyturnieren ab“, stellte der DEB-Vorstandsvorsitzende Frank H. Lutz in einer Stellungnahme klar. Doch ob sich dieses Anliegen auch für die WM im kommenden Jahr in Deutschland erfüllt, ist nun mehr als fraglich: Am Freitag gewährte der Internationale Sportgerichtshof CAS Russland auf juristischem Wege die Rückkehr auf die internationale Bühne.
Laut dem Urteil dürfen Nationalmannschaften Russlands künftig wieder an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Betroffen sind etwa die Junioren-WM in Kanada, die Ende Dezember beginnt, die U18-WM der Frauen im kommenden Januar in Tschechien – aber eben auch die Weltmeisterschaft in Deutschland, die vom 13. bis zum 30. Mai des kommenden Jahres in Düsseldorf, Gelsenkirchen und Mannheim ausgetragen wird.
„Eine doppelte Katastrophe“
Russland und Belarus waren seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen gewesen, Ende Juli bestätigte der Weltverband IIHF, dass es auch bei der WM in Deutschland keine Rückkehr der beiden Nationen geben werde. Als Grund für den Ausschluss wurden damals bei Russland „anhaltende Bedenken hinsichtlich Sicherheit, Schutz und sportlicher Integrität“ und bei Belarus „Sicherheitsbedenken“ angeführt.

Stefan Ustorf (r.) bei einem Interview. (Archivbild)
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Der russische Verband allerdings legte gegen den Ausschluss Berufung ein – und bekam vom CAS nun Recht: Das Gericht sah die von der IIHF genannten Sicherheitsbedenken nicht als ausreichend bewiesen an. „Für uns als Veranstalter der Heim-WM ist das natürlich eine doppelte Katastrophe, weil man weiß ja gar nicht, was denn jetzt passiert“, sagte Stefan Ustorf, Sport-Geschäftsführer der Nürnberg Ice Tigers und auch Teil der DEB-Sportkommission, im ran-Interview.
IIHF reagiert enttäuscht auf Entscheidung
Die IIHF reagierte wie der DEB enttäuscht auf die Entscheidung, akzeptierte sie aber gleichwohl: Der Verband betonte, dass der Ausschluss notwendig gewesen sei, „um die Sicherheit und den Schutz aller Beteiligten zu gewährleisten und die Integrität ihrer Wettbewerbe zu wahren“. Der deutsche Weltverbandschef Franz Reindl versprach schnelle und praktikable Lösungen. „Unsere Aufgabe ist es nun, diese Entscheidung verantwortungsbewusst umzusetzen“, teilte der 71 Jahre alte Bayer auf SID-Anfrage mit.
Auf die sich im Hinblick auf die WM in Deutschland nun ergebenden organisatorischen Schwierigkeiten verwies auch der DEB: Das Urteil verändere die Ausgangslage für das Turnier „grundlegend“, sagte Geschäftsführer Lutz, die Zulassung Russlands habe „für uns als Gastgeber erhebliche sicherheitsrelevante, politische und wirtschaftliche Folgen“. Das Urteil werde nun gemeinsam mit der IIHF ausgewertet.
Freude in Russland
Russlands Verband RIHF wertete die Entscheidung als „wichtigen Schritt nach vorne“. Es liege „noch Arbeit vor uns, um das CAS-Urteil umzusetzen. Wir zählen auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der IIHF und bereiten unsere Mannschaften weiterhin auf ihre Rückkehr vor“, erklärte der Erste Vizepräsident Roman Rotenberg bei Telegram: „Wir werden weiter auf zukünftige Siege für Russland hinarbeiten.“
Herausfordernd ist die Entscheidung des CAS für die Verbände auch deshalb, weil das Teilnehmerfeld für die WM längst feststeht. Pikant: Auch die Ukraine ist darunter, als Aufsteiger ist die Auswahl neu in der Top-Division dabei. Muss nun ein Teilnehmer für Russland weichen? „Ja, das ist das Nächste, genau, dann schmeißt du die Ukraine raus. Für Russland“, sagte Ustorf.
Und wie steht es nach der Entscheidung um die Sicherheitsbedenken, die ursprünglich zum Ausschluss Russlands geführt hatten? Diese und viele weitere Fragen dürften die IIHF wie auch den DEB in den kommenden Wochen und Monaten intensiv beschäftigen. (sid)

