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Drittliga-SpitzenreiterViktoria Köln mit klarer Ansage für die Winterpause

Die Höhenberger empfangen am Freitagabend Saarbrücken und wollen Platz eins festigen. Der Blick geht auch schon in Richtung Winter.

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Torgefährlich und erfolgreich: Viktoria Köln um David Otto (M.) und Lucas Wolf (l.)

Der FC Viktoria Köln hat sich mit seiner Erfolgsserie der vergangenen Monate in neue sportliche Sphären katapultiert. Zwar sind die Höhenberger nicht zum ersten Mal Drittliga-Tabellenführer – doch nie stand der Klub zu einem so fortgeschrittenen Zeitpunkt an der Spitze. Bislang war das erst einmal der Fall: nach dem dritten Spieltag der Saison 2023/24, unter Trainer Olaf Janßen und im Anschluss an ein 0:0 gegen Rot-Weiss Essen.

Aktuell ist die Viktoria nach einem knappen Drittel der Saison Tabellenführer – es ist also keine Folge von Glück und eines überraschend guten Saisonstarts. Längst gehört der kleine Klub zum Kreis der Aufstiegsfavoriten. Im Topspiel am Freitag (19 Uhr) gegen den Tabellenvierten 1. FC Saarbrücken können die Kölner mit einem Rang eins festigen und einen Verfolger distanzieren.

Marian Wilhelm lässt die Tabelle kalt

Der wichtigste Mann in Höhenberg ist allerdings kein Freund von ständigen Blicken auf die Tabelle. „Du wirst nicht besser, wenn du auf die Tabelle guckst“, sagt Trainer Marian Wilhelm. „Sie ist nur ein Spiegelbild der Vergangenheit.“ Der Coach behauptet: „Ich gucke da nicht drauf. Erst nach dem 38. Spieltag zählt sie.“ Für den 38-Jährigen stehen die 26 gesammelten Punkte im Fokus. „Das haben wir beeinflusst und uns durch harte Arbeit verdient.“

Natürlich ist Wilhelm klar, dass die Tabelle als Spiegel des bislang Geleisteten immer Grundlage der öffentlichen Diskussion rund um Fußballvereine ist. „Es ist etwas Besonderes für die Viktoria und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so Wilhelm, „aber wir wollen uns nicht in dem Erfolg sonnen.“

Der Coach ist bemüht, den strukturierten und eingespielten Alltag seiner Mannschaft nicht durch allzu große Euphoriestürme ins Wanken zu bringen. Kein Profi dürfe die Bodenhaftung verlieren. „Bisher ist von so etwas nichts in der Mannschaft zu spüren“, berichtet Wilhelm. „Und wir werden weiter alles dafür tun, so etwas nicht zuzulassen. Da sind wir in der Führungsriege sehr klar.“

Tobias Eisenhuth strotzt vor Selbstvertrauen

Nach dem 1:0-Erfolg bei der TSG Hoffenheim II am vergangenen Wochenende hatte Abwehrchef Tobias Eisenhuth selbstbewusst verkündet: „Wir haben ein Selbstverständnis entwickelt, ohne freizudrehen. Es muss viel passieren, damit uns ein Gegner schlagen kann. Ich weiß nicht, wer uns momentan schlagen kann.“ Trainer Wilhelm findet es „cool, dass da das Selbstvertrauen aus den Jungs spricht“. Eisenhuths Aussage sei mit dem Zusatz zu verstehen, dass die Viktoria schwer zu schlagen sei, „wenn wir so weitermachen wie bisher“, so Wilhelm. „Das würde ich unterschreiben.“ Sowohl für den Trainer als auch weite Teile der Mannschaft ist die Situation als Tabellenführer eine völlig neue Erfahrung. Deshalb warnt Wilhelm vor überbordendem Selbstbewusstsein: „Wir müssen aufpassen, dass es nicht in die falsche Richtung geht.“

Am Freitag soll die Erfolgsserie gegen Saarbrücken fortgesetzt werden. „Eine sehr, sehr gute Mannschaft. Viel Qualität, ein klarer Plan, ein kompaktes Team. Für uns gilt es, ihre individuelle Qualität zu kontrollieren“, fordert Wilhelm. Die Mannschaft von Argirios Giannikis blickt allerdings auf einen durchwachsenen Oktober zurück: Einem Unentschieden bei Fortuna Köln folgte eine Niederlage bei Havelse. Auswärts bewegt sich Saarbrücken nur im Drittliga-Durchschnitt. Mit Rückenwind vom 2:1-Sieg im Südwest-Derby gegen Waldhof Mannheim reist das Team jedoch an. „Ein großer Gegner, der uns bevorsteht“, warnt Wilhelm.

Viktorias Coach kann wieder auf die zuletzt angeschlagenen Yannick Tonye und Lucas Wolf zurückgreifen. „Sie sind beide Optionen, aber grundsätzlich werden wir natürlich kein Risiko eingehen“, so der 38-Jährige.

Während die Viktoria bei der Spielvorbereitung die Tabellenkonstellation ausblenden möchte, geht das bei der Kaderplanung natürlich nicht. Das Winter-Transferfenster rückt näher und wird ab Anfang Januar geöffnet. Ein Blick auf die vergangenen Spielzeiten zeigt: Immer wieder haben die Höhenberger vor Beginn der Rückserie Leistungsträger abgegeben. Im vergangenen Winter waren es Torjäger Tyger Lobinger (MSV Duisburg) und Torhüter Dudu (Estrela Amadora). Im Jahr davor wechselte Bryan Henning zum VfL Osnabrück.

Viktoria Köln will im Winter keinen Spieler abgeben

Die Viktoria hatte den Wechseln ihrer Stammspieler gegen jeweils vergleichsweise geringe Ablösen zugestimmt, weil deren Verträge ein halbes Jahr später ausgelaufen wären und der Klub sie zum Nulltarif verloren hätte. In der laufenden Saison gibt es einige Profis, die in dieses Schema passen: Tonye, Wolf, Tim Kloss, Meiko Sponsel, Arne Schulz und David Otto – allesamt herausragend formstarke Spieler mit im Sommer 2027 auslaufenden Verträgen. Wie agiert die Viktoria in diesem Jahr auf dem Wintertransfermarkt? Wäre es fahrlässig, mit dem Aufstieg im Bereich des Möglichen wieder Leistungsträger zu verkaufen, um ein paar Euro in die klammen Kassen zu spülen? Die Antwort darauf lautet: ja. Kein Spieler werde im Winter verkauft, stellte Sportvorstand Franz Wunderlich klar.

„Um die finale Strategie festzulegen, warten wir noch drei bis vier Spiele ab. Dann haben wir ein sehr gutes Gefühl, wo wir inhaltlich und tabellarisch stehen“, erklärt Valentin Schäfer, Viktorias Sportlicher Leiter. „Klar ist: Gute Leistungen erregen Aufmerksamkeit und wecken Interesse im Markt. Wir versuchen, uns immer gewissenhaft und bestmöglich auf sämtliche Szenarien vorzubereiten.“ Sollten die Höhenberger in der Winterpause weiter oben mit dabei sein, könnte sogar ein anderer Weg gewählt werden: „Wenn man ehrgeizig ist, dann ist der Wunsch natürlich immer, ein gutes Team zusammenzuhalten oder es punktuell noch verstärken zu können. Zumal wir mit Alexander Prokopenko einen langfristigen Ausfall haben, der uns weh tut.“