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Viktoria KölnDer neue Mann fürs Unberechenbare

4 min
Niklas Castelle

Viktoria-Stürmer Niklas Castelle in Aktion

Niklas Castelle soll die Offensive der Höhenberger ankurbeln. Sein Debüt feiert er am Samstag beim Liga-Auftakt gegen Regensburg.

Mit einem einfachen „Niklas“ kommt man derzeit beim Training des FC Viktoria Köln nicht weit. Gleich drei der Neuzugänge des Fußball-Drittligisten tragen denselben Vornamen: Swider, Jahn und Castelle. Damit es auf dem Platz nicht zu möglicherweise folgenschweren Missverständnissen kommt, wurden schnell drei Spitznamen eingeführt: „Niki“ ist Niklas Jahn, der aus Bochum verpflichtete Mittelfeldspieler. „Swidi“ ist erwartbar Niklas Swider, das von Mönchengladbach in Höhenberg geparkte Talent. Und Niklas Castelle, Viktorias neuer X-Faktor in der Offensive, hört auf „Ello“ – in Anlehnung an seinen Vater. „Damit bin ich einverstanden, und mein Vater auch“, sagt der 23-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung.

Starke Vorbereitung von Niklas Castelle

Zum Saisonauftakt am Samstag gegen Jahn Regensburg (14 Uhr, Sportpark Höhenberg) wird „Ello“ aller Voraussicht nach sein Debüt für die Viktoria geben, in der Vorbereitung hatte sich Castelle mit Nachdruck in die Startelf gespielt. „Er ist einer für die besonderen Momente“, lobt Trainer Marian Wilhelm. „Schon jetzt versteht er unser Spiel sehr gut, dabei ist er von der Fitness her nicht einmal bei 100 Prozent.“ Dann sei er nochmal ein anderer Spieler. Doch auch schon der 90-prozentige Castelle liefert als Nebenmann zu Neuner David Otto. „Sie ergänzen sich gut und harmonieren schon hervorragend“, so Wilhelm.

Die Viktoria hatte Wunschtransfer Castelle nach zwei unglücklichen Saisons beim SSV Ulm und bei Alemannia Aachen verpflichtet. „Die Gespräche vor dem Transfer mit Valentin Schäfer und Marian Wilhelm waren herausragend gut. Alle, was wir besprochen haben, hat gut zu mir und meinem Spiel gepasst. Es war schnell klar, dass ein Wechsel Sinn macht“, sagt Castelle. „Ich bin zwei Jahre nur wenig zum Einsatz gekommen. In Aachen wurde auch nicht der Fußball gespielt, den ich liebe. Hier sieht es ganz anders aus, das hat schon die Vorbereitung gezeigt. Fußball macht wieder Spaß.“ Eine schwere Verletzung und starke Konkurrenz hatten den Angreifer ausgebremst. „In der Zeit habe ich mich mental weiterentwickelt. Es ist ganz gut, wenn man mal auf die Schnauze fliegt, das härtet ab“, so Castelle.

Nie ein NLZ von innen gesehen

Ein Nachwuchsleistungszentrum hat der Offensivspieler nie von innen gesehen. In seiner Jugend spielte er mal für Preußen Münster, noch vor den leistungsbezogenen Altersstufen. „Ich saß trotzdem oft draußen, weil ich für zu klein gehalten wurde. Darum habe ich den Fußball etwas verloren“, erzählt Castelle. Es zog ihn zurück in seine Heimat Senden zu seiner Familie und seinen Freunden. Dort fand er die Freude am Sport zurück. „Ich hatte den Leistungsfußball schon etwas abgehakt, die Erfahrung in Münster war abschreckend. Aber mein damaliger Trainer und heutiger Berater hat mich gefragt, ob ich es nicht nochmal versuchen möchte. Über einen Scout bin ich dann bei Schalke gelandet.“

Nach einer guten Zeit bei Königsblau folgten die glücklosen Schritte nach Ulm und per Leihe nach Aachen. Bei Viktoria soll nun, wie es vielen Spielern mit Anlaufschwierigkeiten vor ihm gelang, der Drittliga-Durchbruch folgen. Die Höhenberger wollen von Castelles fußballerischer Unberechenbarkeit profitieren. „Das Straßenfußballer-Ding passt gut zu mir. Ich war nie in einem NLZ, darum kenne ich dieses Fußball-Schema nicht. Ich spiele, was ich fühle. Wenn ich ein paar Leitplanken bekommen, in denen ich mich aber frei bewegen kann, dann kann das schon Spaß machen“, sagt er. „Ich weiß selbst manchmal nicht ganz genau, was ich mache und wie. Aber das macht es für den Gegner auch schwer, es vorherzusehen. Ich versuche, die Reihen bei uns zu verbinden.“

Niklas Castelle will die jüngeren Mitspieler anleiten

Mit seinen 23 Jahren gehört Castelle im Kölner Kader zu den erfahreneren Profis. „Es ist hier anders als in den meisten Herren-Mannschaften, der Großteil ist jung, hungrig und talentiert. Ich bin zwar auch jung, aber schon einer von denen mit mehr Erfahrung. Ich werde zwar nicht vorneweg gehen, aber ich will die Führungsspieler unterstützen und mein Wissen weitergeben“, kündigt der Angreifer an. „Bislang habe ich mich immer von Führungsspielern leiten lassen. Jetzt will ich raus aus dieser Komfortzone.“ Es sei, das habe die Vorbereitung gezeigt, trotz aller Jugend schwer gegen die Viktoria zu bestehen. „Und an den wichtigen Stellen haben wir erfahrene Stützen, die wissen, wie man das Team leitet“, sagt Castelle.

Für den Auftakt gegen Regensburg hat der Angreifer klare Vorstellungen: „Es wird vermutlich ekelig, alle sind heiß. Regensburg wird unser Spiel nicht mitgehen und versuchen, dazwischenzuhauen und gradlinig anzugreifen. Wir müssen es schaffen, dem Gegner unser Spiel aufzuzwingen. Dann wird es ein guter Start.“