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Interview

Viktoria Kölns Pascal Fallmann
„Ich habe mich nicht fürs Geld entschieden“

4 min
Fußball Testspiel FC Viktoria Köln - TSV Steinbach Haiger am 07.07.2026 auf der Sportanlage Pohlstadtsweg in Köln Pascal Fallmann  Köln  *** Soccer Friendly Match: FC Viktoria Köln vs. TSV Steinbach Haiger on July 7, 2026, at the Pohlstadtsweg Sports Complex in Cologne, Pascal Fallmann, Cologne xRx

Im Testspiel gegen Steinbach Haiger schon Viktoria-Kapitän: Neuzugang Pascal Fallmann

Der Österreicher hatte viele Optionen, entschied sich aber für die Viktoria. Im Interview erläutert der Außenverteidiger die Gründe.

Herr Fallmann, Sie sind seit einigen Tagen bei Viktoria Köln. Wie haben Sie sich eingelebt?

Es ist definitiv etwas anders als in Aue. Aus der Kleinstadt in die Großstadt. Aber die Jungs im Team sind super, sie haben es mir leichtgemacht. Ich freue mich, wenn die Saison endlich losgeht.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Aue und Köln?

Du hast hier alles, was du willst. Wenn ich in Aue etwas gebraucht habe, musste ich nach Chemnitz oder Leipzig fahren. Hier fahre ich 20 Minuten in die Stadt – da bekommst du alles.

Was macht die Mannschaft für einen Eindruck?

Es ist eine junge, wilde, hungrige Truppe mit sehr großer Qualität. Eine Mannschaft, mit der du was erreichen kannst. Deshalb bin ich gespannt, wo die Reise hingeht.

Sie sind in der vergangenen Saison, trotz einer persönlich guten Saison mit 30 Einsätzen (1 Tor/4 Vorlagen) mit Erzgebirge Aue abgestiegen. Was waren die Gründe?

Erstens war viel Unruhe im Verein. Dinge, die nichts mit Fußball zu tun hatten, hatten trotzdem großen Einfluss auf die Leistung. Das hat im Kopf eine Rolle gespielt. Wenn du einmal in so einem Negativstrudel steckst, kommen in der Regel noch andere Dinge dazu, die nicht funktionieren. Dann steigt man am Ende eben ab.

Was für einen Eindruck hatten Sie in der vergangenen Saison in den beiden Duellen mit der Viktoria, als noch nicht klar war, dass Sie auch hier in Köln landen würden.

Ich kann mich gut ans erste Spiel erinnern, da haben wir 0:3 verloren. Wir waren am Anfang gut im Spiel, am Ende aber chancenlos. Im Rückspiel am Höhenberg haben wir 2:2 nach 0:2-Rückstand gespielt. Die Viktoria war natürlich eine spielstarke Mannschaft. Das wollen wir in der neuen Saison fortführen.

Warum haben Sie sich für die Viktoria entschieden? Es sollen auch andere, deutlich finanzstärkere Klubs an Ihnen interessiert gewesen sein, zum Beispiel Fortuna Düsseldorf.

Ich habe mich auf jeden Fall nicht fürs Geld entschieden, sondern für meine sportliche Entwicklung. Ich glaube, dass die Viktoria für einen Drittligisten enorm detailliert arbeitet. Das merkt man auch jeden Tag im Training. Der Trainer versucht, den Spielern diese Liebe zum Detail jeden Tag einzuimpfen. Deswegen schaut der Viktoria-Fußball auch so aus, wie er aussieht. Mit diesem Fußball kann man Erfolg haben und sich weiterentwickeln. Das ist mein Ziel. Mit dieser Detailversessenheit kann ich zu einem besseren Spieler werden, davon bin ich überzeugt.

Die Viktoria hat sich diesen Ruf in den letzten Jahren erarbeitet.

Ja, auf jeden Fall. Das zeigen auch die anderen Transfers, wie ein Niklas Swider, der als deutscher Junioren-Nationalspieler zur Viktoria gekommen ist, um sich zu entwickeln. Der Klub hat sich einen Namen gemacht. Und der Weg mit jungen, hungrigen Spielern soll weitergehen. Das ist auch ein Grund, warum ich mich für das Projekt Viktoria entschieden habe.

Sie haben die Unruhe in Aue angesprochen. Ist die Viktoria das genaue Gegenteil?

Ja, man kann sich hier sehr gut auf den Fußball konzentrieren. Nach den Gesprächen mit den Verantwortlichen hatte ich schnell ein gutes Gefühl. Deshalb fiel mir die Entscheidung für die Viktoria auch leicht.

Wo sehen Sie sich im System der Viktoria?

Ganz klar auf der Schiene. Da kann ich der Mannschaft am besten helfen, gerade mit meinen Offensiv-Qualitäten, meiner Flanke. Wenn ich da gut in Position gebracht werde, kann das schon richtig Spaß machen.


Zur Person: Pascal Fallmann (22) wurde in St. Pölten, Österreich, geboren. Der Rechtsverteidiger wurde in der Nachwuchsabteilung von Rapid Wien ausgebildet und durchlief mehrere österreichische Jugendnationalteams bis zur U21. Nach seinem Profi-Debüt für Rapid wechselte Fallmann 2023 auf Leihbasis zum SC Freiburg II in die Dritte Liga. Im Juli 2024 unterzeichnete der Defensivspieler einen Zweijahresvertrag beim FC Erzgebirge Aue, wo er sich als Stammspieler etablierte. Nach dem Abstieg aus der Dritten Liga unterschrieb Fallmann für zwei Jahre bei Viktoria. (ckr)


Sie sind erst 22 Jahre alt, gehören aufgrund Ihrer Vita aber schon zu den erfahrenen Profis im Team.

Für die Viktoria werde ich im ersten Einsatz mein 100. Drittliga-Spiel machen, da wurden schon ein paar Scherze gemacht. Trotz meiner jungen Jahre habe ich schon einiges erlebt und kann den Jungs mit meiner Erfahrung dabei helfen, mit gewissen Dingen umzugehen. Das will ich Tag für Tag vorleben.

Sportvorstand Franz Wunderlich ist mit seinen 62 Jahren der Senior im Klub, das Trainerteam um Marian Wilhelm ist Anfang bis Mitte 30, Valentin Schäfer ist ebenfalls erst 31. Im Team ist der aktuell noch verletzte Christoph Greger mit 29 der Älteste.

Das macht auf jeden Fall Spaß, wie gesagt, jung und wild. Aber mit viel Qualität. Das zeigen auch die Leistungen in den Testspielen und die Art und Weise, wie wir die Tore herausspielen. Wir „älteren“ Spieler, da zähle ich mich auch schon dazu, versuchen, die Gruppe zusammenzuhalten.

Haben Sie keine Sorgen, dass in kritischen Situationen mal etwas Erfahrung oder Routine fehlen könnte?

Es kommt für mich immer auf die Qualität an. Und sollte es wirklich mal kritisch werden, haben wir genug Spieler, die dazwischen grätschen können – unabhängig vom Alter. Wir haben genug Führungspotenzial im Team.

In knapp einem Monat startet die Drittliga-Saison mit dem Heimspiel gegen Jahn Regensburg. Wie weit ist das Team?

Die Mannschaft setzt das um, was der Trainer will. Unser Spiel ist weiter sehr auf Ballbesitz ausgelegt. Und aufs Gegenpressing, wenn wir den Ball verlieren. Das wird eigentlich jeden Tag trainiert, uns richtig eingeimpft.

Wann ist die Saison für die Mannschaft ein Erfolg? Und wann ist die Saison für Sie ein Erfolg?

Die Mannschaft war in den letzten Jahren intakt, hat guten Fußball geboten, man ist gerne ins Stadion gekommen. Wenn wir da weitermachen, dann kann das richtig gut werden. Ich persönlich will den nächsten Schritt machen. Da, wo meine Potenziale liegen. Aber ich will auch meine Stärken weiter stärken.

Ist die Dritte Liga im Vergleich zur vergangenen Saison noch einmal besser und attraktiver geworden?

Ich denke schon. Wenn man sich die ganzen Schwergewichte anschaut – da gibt es ja sieben oder acht Teams, die hochwollen. Das wird ein richtiger Kampf um den Aufstieg. Aber auch auf den Abstiegskampf bin ich gespannt. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir eher weiter oben in der Tabelle stehen werden.