Bruce Springsteen hat die US-Regierung zum Auftakt seiner Tournee hart kritisiert. Mit Verzögerung meldete sich Trump zu Wort.
„Vertrocknete Pflaume“Springsteen kritisiert Trump hart – US-Präsident schlägt zurück
Seit Jahrzehnten engagiert sich Bruce Springsteen politisch. Seine Hymne „Born in the USA“ und das dazugehörige Album von 1984 verkauften sich über 30 Millionen Mal. Immer wieder wurde es falsch verstanden als ein Loblied auf die USA, und auch der Republikaner Ronald Reagan versuchte, den Song im Wahlkampf zu instrumentalisieren. Dabei ist die vermeintliche Hymne in Wirklichkeit eine bittere Anklage gegen die Behandlung von Vietnam-Veteranen und die wirtschaftliche Hoffnungslosigkeit der Arbeiterklasse. Der „Boss“ verwahrte sich dagegen.
Auch George Bush und zuletzt Donald Trump wollten den Song auf Wahlkampfveranstaltungen nutzen – unter Protest von Springsteen. 2016, 2020 und erneut 2024 ließ Trump Springsteen-Stücke abspielen, obwohl sich dieser immer wieder und wie kaum ein anderer Künstler gegen den Republikaner positionierte.
Springsteen bei „No Kings“-Demos
Zuletzt spielte Springsteen eine führende Rolle bei den Anti-Trump-Demonstrationen in Minneapolis. In der Stadt, in der bei Protesten gegen die Einwanderungspolitik der Regierung zwei Menschen von ICE-Beamten erschossen wurden, trat der 76-Jährige gleich mehrfach in Erscheinung. Am Samstag (28. März) war er Teilnehmer bei den „No Kings“-Protesten in der an Minneapolis angrenzenden Zwillingsstadt St. Paul. Er performte dort seinen Protestsong „Streets of Minneapolis“ vor tausenden Menschen.
Bei unzähligen Veranstaltungen waren am Samstag Millionen Teilnehmende durch die Straßen der USA gezogen, um ein lautes Zeichen gegen die Politik von Trump zu setzen. Springsteen hatte nach dem Tod von Renée Good und Alex Pretti „Streets of Minneapolis“ geschrieben. Der Song richtet sich gegen die umstrittenen Abschiebe-Razzien von teils vermummten Bundesbeamten. Springsteen bezeichnet sie als „Privatarmee von König Trump“. Der Song ist eine Anspielung an „Streets of Philadelphia“ aus dem Jahr 1993.
Springsteen eröffnet Tour in Minneapolis
Am Dienstag startete Springsteen dann noch seine „Land of Hope & Dreams“-Tour in Minneapolis im ausverkauften Target Center. Unter dem Jubel seiner Fans zelebrierte der Rockstar das Konzert als politisches Event. „Wir sind hier zur Feier und Verteidigung unserer amerikanischen Ideale: Demokratie, unsere Verfassung und unser heiliges amerikanisches Versprechen“, sagte Springsteen laut „Rolling Stone“.
„Das Amerika, das ich liebe, über das ich seit 50 Jahren schreibe, das ein Leuchtfeuer der Hoffnung und Freiheit für die ganze Welt war, liegt derzeit in den Händen einer korrupten, inkompetenten, rassistischen, rücksichtslosen und landesverräterischen Regierung“, griff der „Boss“ Trump und seine Regierung frontal an und rief zum Widerstand auf.
Insgesamt viermal ergriff Springsteen während des über dreistündigen Konzerts das Wort für ein pointiertes politisches Statement. „Unser Justizministerium hat seine Unabhängigkeit völlig aufgegeben, und unsere Ministerin Pam Bondi erhält ihre Befehle direkt vom korrupten Weißen Haus. Sie verfolgt die vermeintlichen Feinde unseres Präsidenten, deckt seine Verfehlungen und schützt seine einflussreichen Freunde“, wetterte der Musiker.
Springsteen beschimpft Trump als „Weichei“
„Während arbeitende Amerikaner ums Überleben kämpfen, bereichern sich unser Präsident und seine Familie um Milliarden von Dollar, indem sie das Amt des Volkes auf eine in der amerikanischen Geschichte beispiellose Weise korrupt missbrauchen“, so Springsteen weiter. Er warf Trump vor, er sei ein „Weichei“ („snowflake“), das die „Wahrheit nicht ertragen“ kann, weil er versuche, die amerikanische Geschichte umzudeuten und beispielsweise die brutale Ära der Sklaverei auszublenden.
Eigentlich hatte Springsteen sich einem neuen Album widmen wollen, änderte aber relativ kurzfristig seine Pläne und rief die E-Street-Band zusammen, um die Tour durch die USA zur Unterstützung der Protestbewegung zu starten. In 18 Orten wird der Musiker spielen, in Washington, D.C., wird sie Ende Mai symbolträchtig enden.
Seine Anhänger in Minneapolis zeigten sich offenbar restlos begeistert. In der Heimatstadt von Prince coverte Springsteen sogar dessen Megahit „Purple Rain“. „Das sind harte Zeiten, aber wir werden sie überstehen“, sagte Springsteen nach dem Song.
Kritiker werten das Konzert als „vielleicht als eine der entschlossensten Formen musikalischen und theatralischen Widerstands gegen Donald Trump – oder gegen jeden anderen Präsidenten – in der Geschichte des Landes“.
Trump schlägt zurück und wird persönlich
Während die US-Öffentlichkeit gespannt auf eine Antwort Trumps wartete, ließ sich dieser fast zwei Tage Zeit. Am Donnerstag erfolgte dann die Reaktion des Präsidenten, die erwartungsgemäß persönlich und beleidigend ausfiel.
Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social, Springsteen sei ein schlechter und „sehr langweiliger Sänger“, der aussehe wie eine „vertrocknete Pflaume, die unter der Arbeit eines wirklich schlechten Schönheitschirurgen sehr gelitten hat“. Er leide zudem unter TDS, dem „Trump Derangement Syndrom“, also sinngemäß dem „Trump-Wahn“. Dieser polemische Begriff wird von Trump-Anhängern verwendet, um Kritiker als irrational oder geistig gestört darzustellen.
Springsteen, den Trump in der Vergangenheit bereits als völlig „überbewertet“ bezeichnet hatte, sei ein „totaler Versager“. Dann prahlte Trump noch mit seinem angeblich erdrutschartigen Wahlerfolg 2024 und rief seine Anhänger zum Boykott der „überteuerten“ Springsteen-Konzerte auf.

