Eine Kühltheke gibt es zwar nicht. Dennoch halten die Tafeln auch bei steigender Hitze ihr Angebot für bedürftige Menschen aufrecht.
Gefahr für Lebensmittel?Wie die Tafel Pulheim mit der Hitzewelle umgeht

Gemüse, Fleisch, Milchprodukte: Bei hohen Temperaturen verderben Lebensmittel schneller und sollten zügig verbraucht werden.
Copyright: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn
Trotz der Hitze am frühen Nachmittag stehen schon einige Menschen an. Glücklicherweise liegt der Eingang zur Tafel der Malteser in Pulheim im Schatten; ansonsten wäre es für die Wartenden vor der Tür wohl kaum auszuhalten. Die Helferinnen und Helfer verteilen Wasserflaschen, das werde bei großer Hitze immer so gemacht, sagt Hermann Giesen, Leiter der Einrichtung in der Stadt am Rand von Köln.
Rund 360 bis 400 Personen versorgt die Tafel in Pulheim jede Woche an zwei Ausgabetagen, dienstags und freitags. Für jeweils zweieinhalb Stunden ist die Essensausgabe geöffnet. Inzwischen habe man ein System mit Zeitfenstern eingeführt, um die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zu entlasten. So werden die Kundinnen und Kunden in feste, nummerierte Gruppen eingeteilt, denen dann ein Zeitfenster für ihren Einkauf zugeteilt wird. Wann jeweils welche Gruppe dran ist, wird bekanntgegeben, etwa über Facebook.
Einlass nach Zeitfenster-Prinzip
Obwohl nicht deswegen eingeführt, hat dieses System nun in der Hitzewelle einen weiteren Vorteil, wie Giesen erklärt. „Wir können damit verhindern, dass Menschen zu lange draußen warten müssen.“ Denn trotz des Schattens vor der Tür: Bei derzeit über 30 Grad Celsius kann der lange Aufenthalt im Freien zur Gefahr werden. Kundinnen und Kunden, die weit vor ihrem Zeitfenster schon einträfen, würden deshalb mitunter auch noch mal nach Hause geschickt - zu ihrer eigenen Sicherheit. „Etwas anderes ist das bei alten Menschen, die zu uns kommen. Die behandeln wir gerade jetzt bevorzugt.“
Doch nicht nur für die Kundinnen der Tafel, auch für ihr Angebot kann die Hitze zum Problem werden. Ob Obst, Gemüse oder Backwaren: Die meisten Lebensmittel gehen bei steigenden Temperaturen schneller um. Doch anders als im Supermarkt liegt die Auslage in der Tafel eben nicht in der gekühlten Frischetheke. Zudem ist ein Teil des gespendeten Materials auch schon länger im Umlauf.
Keine Einschränkung im Angebot
Der Dachverband der Tafeln gibt jedoch Entwarnung. Die Einrichtungen seien solche Wetterlagen bereits gewohnt und passten ihre Abläufe entsprechend an, sodass „die Lebensmittelsicherheit jederzeit gewährleistet werden kann“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Auch in Pulheim gibt es laut Giesen derzeit weder logistische Probleme noch Einschränkungen im Angebot. „Wenn wir die Lebensmittel einsammeln, werden sie schon auf der Fahrt gekühlt. Hier vor Ort haben wir dann genügend Kühlschränke, um alles unterzubringen.“ Brot und Gepäck seien zudem in der Regel Frischware vom selben Tag.
Wir haben genug Kühlschränke."
Zusätzlich wird der Innenraum klimatisiert - nicht so stark wie in Supermärkten, doch zumindest so, dass es für Mensch und Lebensmittel erträglich bleibt. Dennoch ist die Arbeit schweißtreibend, sagt Agnes Stotz. „Aber es macht uns auch einfach große Freude, sonst würden wir es ja nicht tun.“ Die 77-jährige Helferin, seit 16 Jahren bei der Tafel engagiert, verteilt heute verschiedene Gemüse, Salat und Basilikum an die Kunden.
Was Stotz verteilt, sieht im Großen und Ganzen trotz moderater Temperatur noch sehr appetitlich aus. Kleine Verluste, etwa eine dunkle Stelle am Salatkopf, sind zudem kein Drama, meint Stotz. „Das kann immer mal vorkommen, aber das kann man einfach wegschneiden.“
Nicht wenige Kunden machen in der Tafel praktisch ihren Wocheneinkauf, nehmen ganze Körbe voll Lebensmittel mit. Dabei stehen die Ehrenamtlichen der Malteser der Kundschaft auch beratend zur Seite, geben Tipps für Lagerung und Zubereitung, damit nicht zu Hause dann das große Wegschmeißen folgt.
„Alles muss raus“
Leichte Änderungen im Betriebsablauf würden dennoch vollzogen. So sei es normalerweise möglich, nicht verkaufte Ware auch wieder einzulagern, für den nächsten Öffnungstag, verrät Sonja Lück. Die 63-Jährige ist seit vier Jahren als Helferin in Pulheim aktiv. Heute werde das aber wohl kaum möglich sein: „Alles muss raus.“
Wie alle Helferinnen und Helfer der Tafel kennt Lück, die heute Backwaren verteilt, ihre Kundschaft gut. Eine junge Frau kommt zu ihr, vor Kurzem Mutter geworden. „Wir freuen uns immer sehr, wenn sie da ist. Dann wollen wir immer neue Fotos vom Baby sehen.“ Aber spurlos gehe die extreme Temperatur nicht an ihnen vorüber - auch nicht am Team selbst. „Zwei Personen sind uns heute wegen Kreislaufproblemen ausgefallen. Doch damit kommen wir klar“, betont Lück.
Nun ist für die zweite Wochenhälfte sogar noch eine Temperaturverschärfung zu erwarten. Doch Giesen rechnet auch weiter mit Kundschaft. „Die Menschen haben keine Alternative, sie sind auf die Lebensmittel angewiesen.“ Dennoch mache sich der Hitzestress schon bemerkbar, die Unruhe habe zugenommen, so der Helfer. „Unsere Kunden kommen nicht nur von hier, sondern auch aus den umliegenden Orten. Teilweise müssen sie sich erst in den heißen Bus setzen, um überhaupt hier hin zu kommen. Das stresst natürlich.“ (ps/kna)
