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Kita-Kinder bringen Freude ins Hospiz

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Fünf Kinder der Kita „Alexianer Pänz“ stehen mit zwei Hospiz-Bewohnerinnen, die im Rollstuhl sitzen, in der Küche des Alexianer-Hospiz in Köln-Rondorf

Kinder der Kita „Alexianer Pänz“ in Köln-Poll besuchen das Alexianer-Hospiz in Köln-Rondorf.

Das Projekt der Kita „Alexianer Pänz“ führt Vorschulkinder altersgerecht an die Themen Sterben, Tod und Trauer heran.

„Ein Hospiz ist so etwas Ähnliches wie ein Krankenhaus – nur dass die Menschen dort nicht mehr gesund werden können und bald sterben“, sagt der sechsjährige Lasse. Gemeinsam mit sechs weiteren Vorschulkindern der Kita „Alexianer Pänz“ in Köln-Poll besucht er an diesem Vormittag das Alexianer- Hospiz in Köln-Rondorf. Viel gesprochen wird zwischen den Kindern und den schwerkranken Gästen nicht. Die Begegnungen sind leise: ein Lächeln, ein Winken, ein schüchterner Blick.

Hospizleiter Lukas Wester, der in seiner Freizeit imkert, zeigt und erklärt, wie aus einer Bienenwabe Honig gewonnen wird. Zu den Mädchen und Jungen haben sich inzwischen auch die mehrere Hospizbewohnerinnen und -bewohner dazugesellt. Alle dürfen probieren und Fragen stellen. Für einen Moment spielt es keine Rolle, dass die einen gerade erst ins Leben starten und die anderen sich auf dem letzten Abschnitt ihres Lebenswegs befinden. Über Krankheit, Sterben und Tod wird an diesem Vormittag nicht gesprochen.

Zum Leben gehört der Tod: Ein von wir helfen e.V. gefördertes Projekt

Der Hospizbesuch ist Teil des Projekts „Zum Leben gehört der Tod“, das von „wir helfen“ gefördert wird. Ziel ist es, Vorschulkinder altersgerecht an die Themen Sterben, Tod und Trauer heranzuführen – ohne Angst zu machen und ohne das Thema zu tabuisieren. „Wir sollten den Tod weder künstlich dramatisieren noch verleugnen“, sagt Nicole De Vita, Leiterin der Kita „Alexianer Pänz“. „Kinder begegnen dem Thema oft unvoreingenommen. Wenn wir diese Offenheit mit einer altersgerechten Begleitung verbinden, können wir die Kinder gut auf das Leben vorbereiten. Ein natürlicher Umgang mit dem Sterben und dem Tod gibt ihnen Sicherheit. Sie finden Worte für ihre Gefühle und sind besser vorbereitet, wenn sie selbst einmal einen schweren Verlust erleben.“

Lukas Wester, der Leiter des Alexianer-Hospiz in Köln-Rondorf zeigt Kita-Kindern wie Imkern funktioniert.

Lukas Wester, der Leiter des Alexianer-Hospiz in Köln-Rondorf zeigt Kita-Kindern wie Imkern funktioniert.

Die Vorschulkinder wurden mehrere Wochen auf den Besuch vorbereitet. „Wir haben erklärt, dass die Menschen im Hospiz eine Krankheit haben, die nicht mehr geheilt werden kann, und den Unterschied zu einem Krankenhaus herausgearbeitet“, sagt die stellvertretende Kita-Leiterin Carina Feist. „Vor allem war uns wichtig zu vermitteln, dass in einem Hospiz nicht nur gestorben wird. Hier wird auch gelacht, gegessen, gesungen, gespielt und gemeinsam gelebt.“

Beeindruckt von der Unvoreingenommenheit der Kinder

Genau das erleben die Kinder an diesem Vormittag. Während Lukas Wester die Honigwaben erklärt, hören Bewohnerinnen und Kinder gleichermaßen aufmerksam zu. Gemeinsam probieren sie den Honig, stellen Fragen und geraten ins Staunen. Den Bewohnerinnen und Bewohnern bedeutet der Besuch viel. „Wir langweilen uns hier nicht zu Tode. Es gibt jeden Tag Angebote und Aktivitäten“, sagt Beate Becker, die seit drei Monaten im Hospiz lebt. „Aber heute ist ein besonderer Tag. Ich habe nicht nur etwas über die Honiggewinnung gelernt, sondern mich sehr an den lachenden Kindern erfreut. Mich beeindruckt ihre Unvoreingenommenheit uns gegenüber, das tut gut.“

Nicole De Vita ist Leiterin der Kita „Alexianer Pänz“

Nicole De Vita ist Leiterin der Kita „Alexianer Pänz“

Ein natürlicher Umgang mit Sterben und Tod gibt Kindern Sicherheit. Sie finden Worte für ihre Gefühle und sind besser vorbereitet, wenn sie selbst einmal einen Verlust erleben
Nicole De Vita, Leiterin der Kita „Alexianer Pänz“

Im Freundes- und Bekanntenkreis erlebe Beate Becker häufig Unsicherheit. „Wenn ich erzähle, dass ich im Hospiz lebe, wissen viele nicht, wie sie reagieren sollen. Manche wechseln das Thema, andere trauen sich gar nicht mehr zu kommen. Deshalb finde ich es so wichtig, dass Kinder früh lernen, dass ein Hospiz kein Ort der Angst ist.“

Alexianer: Hospiz und Kita Zaun an Zaun

Im Alexianer-Hospiz in Köln-Rondorf werden bis zu elf Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleitet. Zwar grenzt das Haus direkt an einen Kindergarten, so dass es immer wieder Begegnungen am Gartenzaun gibt. Der gemeinsame Vormittag schafft jedoch eine andere Form der Nähe. „Die Kinder bringen Freude, Lebendigkeit und ein Stück Alltag ins Haus“, sagt Lukas Wester.

Das Projekt soll deshalb keine einmalige Aktion bleiben. Die Kita „Alexianer Pänz“ und das Hospiz wollen ihre Erfahrungen weitergeben und das entwickelte Konzept künftig als festes Modul etablieren. „Diese Exkursion ins Hospiz ist der Abschluss unseres Projekts“, sagt Nicole De Vita. „Das vorliegende Konzept ist für uns eine Blaupause und soll künftig zum festen Bestandteil unseres Vorschulprogramms werden.“

Kinder altersgerecht an die Themen Sterben und Tod heranführen

Forschende und Palliativmediziner empfehlen seit Jahren, Kinder altersgerecht an die Themen Sterben und Tod heranzuführen. „Kinder müssen vor diesen Themen nicht geschützt werden. Erwachsene sollten ehrlich, altersgerecht und ohne Tabus mit ihnen darüber sprechen. Das nimmt Ängste und gibt Sicherheit,“sagt Ayse Bosse, Autorin und Trauerbegleiterin – „Kinder interessieren sich für das Thema Tod und Sterben, ob sie betroffen sind oder nicht.

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Präventiv sollte und kann man so viel machen“, betont sie. Und was nehmen die Kinder von diesem besonderen Vormittag mit? Zunächst das Honigglas, das jedes Kita-Kind mitnehmen darf. Für einige ist das Hospiz jetzt die „Honigfabrik“. Eine unbeschwerte Erinnerung an diesen Ort, den sie nicht mit Angst verbinden, sondern mit einer positiven Begegnung.