Köln – Für Peter (Name geändert) und die anderen Straßenkinder, die rund um den Hauptbahnhof leben, ist es der wichtigste Bus am Busbahnhof Breslauer Platz. Peter ist mit 15 zu Hause rausgeworfen worden. Seitdem lebt der 19-Jährige auf der Straße und wenn es zu hart wird am Bahnhof, kommt er gerne mal in den Boje-Bus.
Boje steht für Beratung und Orientierung für Jugendliche und junge Erwachsene und ist so etwas wie ein mobiles Jugendzentrum, das in einem Bus untergebracht ist, der werktags auf dem Breslauer Platz parkt. Vier Mitarbeiter unterstützen hier junge Menschen bis 27 Jahre aus der Bahnhofsszene. Finanziert wird das Projekt vom Trägerverein Auf Achse, dem Sozialamt sowie dem Gesundheitsamt. Den Bus hat „wir helfen“ gekauft.
Hindernis Tüv-Prüfung
Das Beratungsmobil Boje-Bus steht montags bis donnerstags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr und freitags von 10 bis 13 Uhr auf dem Breslauer Platz. Ergänzt wird das übliche Beratungsangebot montags von 15 bis 17 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr durch einen Arzt und eine Krankenschwester. Diese werden vom Mobilen Medizinischen Dienst des Gesundheitsamtes gestellt. (ris)
Jetzt musste der Bus ersetzt werden, das alte Gefährt war deutlich in die Jahre gekommen und hätte wohl eine Tüv-Prüfung nicht bestanden, erläutert Boje-Mitarbeiter Oliver Karger. 20.000 Euro hätte der Träger aufbringen müssen, um das alte Gefährt noch einmal in Schuss zu bringen. Wie gut also, dass die KVB dem Team einen neuen Bus spendierte, der nun die neue Heimat von Peter und den anderen sein wird.
Die Inneneinrichtung haben vier Studenten der International School of Design der Kölner Fachhochschule in Absprache mit den Jugendlichen entworfen. Außer einem Empfangsbereich gibt es einen Bereich, in dem sich die Kinder und Jugendlichen ausruhen können sowie eine Zone, in der gequatscht werden kann. Zur Eröffnung waren unter anderem Oberbürgermeister Jürgen Roters, Sozialdezernentin Henriette Reker und KVB-Chef Jürgen Fenske gekommen.
475 Menschen wurden 2013 im Boje-Bus beraten. 138 davon waren minderjährig, die jüngsten waren gerade einmal zwölf Jahre alt. Fünf Kinder im Alter bis sieben Jahre kamen in Begleitung ihrer Eltern oder älterer Geschwistern. Tendenziell würden derzeit mehr jüngere Straßenkinder als früher beraten, so Karger. Manche kommen aus Köln, manche aus ganz Deutschland. „Besonders die Punks sind sehr mobil“, sagt Karger.