Die Retrowelle rollt. Immer mehr Hersteller bringen Fahrzeuge auf den Markt, die entfernt an eigene Autos der 1950er, 1960er oder 1970er Jahre erinnern, bevorzugt elektrisch
AutomarktTrend zu Retro-Fahrzeugen bleibt ungebrochen

Kleinstwagen Microlino
Copyright: Microlino
Der Microlino ist ein echter Hingucker. Obwohl von einem ganz anderen Hersteller als diese erinnert er sehr stark an den legendären BMW-Kleinstwagen Isetta. Er hat nur eine große, breite Tür die nach vorne öffnet. Ein riesiges Schiebedach ist wie beim historischen Vorbild Serie, weil, bei einem Frontalunfall ansonsten das Aussteigen unmöglich wird. Die hinteren Räder sind deutlich enger beieinander als die vorderen, was den Microlino genauso wie einst die Isetta zum Schlaglochsuchgerät macht.
Einen entscheidenen Unterschied gibt es aber: Angetrieben wird das Retromobil von einem im Heck montierten Elektromotor mit 17 PS, der maximal 90 Kilometer pro Stunde ermöglicht. Mehr ist auch nicht erlaubt in der Kategorie L7E, für die der Microlino konstruiert ist. Weil die Zulassung aber zugleich das Gewicht auf 750 Kilo limitiert, hat der Heckmotor mit dem Zweisitzer keine Mühe, sprintet in fünf Sekunden auf Tempo 50 und kann gut im Stadtverkehr mitschwimmen. Ein Schnäppchen ist der in der Schweiz erfundene und gebaute Microlino leider nicht.
Renault hat gleich zwei Retro-Autos
Die Basisversion kostet 18.000 Euro und schafft maximal 45 km/h, wer schneller fahren will, muss mindestens 19.500 Euro auf den Tisch legen, und wer eine Reichweite von 200 Kilometern und mehr braucht, ist mit stärkeren Batterien bei 22.500 Euro. Airbags oder ESP sind bei diesem Preis nicht drin. Und in dieser Fahrzeugkategorie (Leichtfahrzeug) auch nicht vorgeschrieben.
Die Sicherheit lässt sich also nicht mit der eines „richtigen“ Pkw vergleichen, Euro-NCAP-Crashtests nach Pkw-Maßstäben müssen sich solche Fahrzeuge nicht unterziehen. Stufen im Gebläse oder gar eine Klimaanlage mit Temperatureinstellung gibt es ebenfalls nicht. Entweder es bläst mit voller Heizleistung oder gar nicht. Auch eine Sitzheizung bringt die Serienversion zumindest bis auf Weiteres nicht mit.
Retro-Fahrzeuge liegen aktuell schwer im Trend. Während die Elektro-Ente 2CV noch im Prototypen-Stadion ist, gibt es etwa den elektrischen Retro-Renault R4 E-Tech. Der mischt futuristische Elemente mit dem Design des historischen Kleinwagens Renault 4, der von 1961 bis 1994 gebaut wurde. Auf den Markt kam der rein elektrische Flitzer im Jahr 2025. Größenmäßig liett der R4 E-Tech zwischen Clio und Captur. Es gibt ihn ab 30.000 Euro neu. Eine Retro-Version des Renault 5 als E-Tech gibt es bereits seit 2024.
Bereits 2022 brachte Volkswagen den vollelektrischen Kleinbus ID.Buzz azf den Markt. Das Design soll an den legendären Bully namens T1 erinnern, den viele heute mit der Hippie-Zeit der späten 1960er Jahren in Verbindung bringen. Seit 2024 gibt es auch eine Version für unter 40.000 Euro. Bei VW haben Retro-Autos aber eine längere Tradition. Der VW New Beetle, ein Golf mit an den Käfer erinnernder Karosserie, kam schin 1997 auf den Markt, damals allerdings nur als Verbrenner.
Besonders erfolgreich in Sachen Retro ist der Autobauer Fiat, der Kleinwagen Fiat 500 wurde, im Design angelehnt an den Nuovo 500 von 1957, auf den Markt gebracht. Der 2020 eingeführte Nachfolger sollte nur noch elektrisch angetrieben werden, aufgrund starken Nachfragerückgangs wurde dann aber noch ein Hybrid nachgelegt.
Auch der Kölner Autobauer Ford setzt teilweise auf Retro, zumindest was sein E-Auto-Angebot betrifft. Einen seiner zwei in Köln gebauten E-Fahrzeuge nennt der Pkw-Hersteller „Ford Capri“, als Reminiszenz an das kleine Sportcoupé, das von Ford zwischen 1969 und 1986 gebaut wurde. Die Gestaltung der Scheinwerfer zitiert die vier runden Einzelscheinwerfer des Ur-Capris.
Die markante Form der hinteren Dachsäule (C-Säule) greift die charakteristische Rundung des historischen Coupés auf. Auch die Rückleuchten erinnern an den Oldie. Technisch allerdings hat der E-Capri nichts mehr mit dem klassischen Sportcoupé gemein. Er ist ein ein rein elektrisches SUV-Coupé auf Basis des VW-MEB-Baukastens.
